In den restlichen acht Partien zählen jetzt nur noch Siege
Im Heimspiel des 31. Drittliga-Spieltages und zum Auftakt der letzten Englischen Woche der Saison mit drei Spielen in sechs Tagen empfängt der SV Sandhausen am Sonntag um 16.30 Uhr den SC Verl im GP Stadion am Hardtwald. Nach einer weiteren Niederlage in einem „6-Punkte-Spiel“ mit dem 1:2 beim VfB Stuttgart II rückt das noch zur Winterpause kaum für möglich gehaltene Szenario eines Abstiegs in die Regionalliga für die Sandhäuser näher. Bei nun fünf statt drei Punkten Rückstand zum rettenden Ufer und noch acht ausstehenden Partien muss das Minimalziel für den Tabellenachtzehnten sieben Punkte aus den Spielen gegen Verl und den Auswärtspartien bei 1860 München und Alemannia Aachen lauten.

Trainerwechsel hat nichts gebracht
Anstatt auf den richtigen Kurs zu kommen, scheint das Schiff unter Trainer Kenan Kocak, der vor einigen Jahren noch eine erfolgreiche erste Amtszeit beim SVS hatte und Anfang 2025 zurückkam, zu sinken. Platz 19 in der Rückrundentabelle bei fünf Punkten aus elf Spielen lautet die Bilanz, bei der Partie in Stuttgart hat das Kocak-Team bereits das vierte Mal in der Rückrunde nach einem Führungstreffer verloren.

„Wir verteilen jede Woche Geschenke“
SVS-Coach Kocak
Das nüchterne Resümee von Kocak: „Wir hatten die Partie bis zum Gegentor im Griff. Der Knackpunkt war, dass wir den Gegner durch ein Geschenk so schnell ins Spiel kommen lassen. Wir verteilen jede Woche Geschenke, das darf uns nicht passieren. Es sind individuelle Fehler, durch die wir wieder mit leeren Händen dastehen.“
Vermeidbare Fehler
Aufgrund eines mangelhaften Positionsspiels fand Routinier Luca Zander keine Anspielstation und produzierte einen Fehlpass vor dem ersten Gegentor, das zweite Gegentor resultierte aus einem Fehlpass von Jeremias Lorch. In einer wiederum veränderten Grundformation agierten die Youngster Luan Simnica und Diamant Lokaj, der unter Kocak sein Debüt im Profifußball feierte, im Mittelfeld fehlerfrei.

„Wir müssen bis zum Schluss daran glauben“
SVS-Stürmer Baumann
Stürmer Dominic Baumann: „Wir müssen bis zum Schluss daran glauben und uns einfach wieder belohnen, um ein Spiel zu gewinnen und zu wissen, wie das geht.“
„Der Weg wäre frei für einen kompletten Neuaufbau“
SVS-Präsident Machmeier für den Fall eines Abstiegs
Präsident Jürgen Machmeier ließ allerdings bereits in bekannt direkter Art verlauten, dass die Probleme wohl tiefer liegen und bemängelte das Preis-Leistungs-Verhältnis einiger Spieler: „Man muss im Falle eines Abstiegs vielleicht das Gute im Schlechten sehen. Dann wären alle Verträge ungültig und der Weg frei für einen kompletten Neuaufbau.“

Der Präsidenten-Glaube an die Mannschaft
Dennoch sah er nach dem Spiel in Stuttgart Fortschritte: „Ich glaube an die Mannschaft, denn die Spiele sind immer knapp. Das wird sich drehen, es sind noch acht Spiele! Ich habe auch für unsere Fans, die Woche für Woche alles geben, volles Verständnis, wenn sie mit der Situation nicht zufrieden sind. Deshalb ist es vollkommen normal, dass sie eine solche Reaktion zeigen.“
Gegen Verl müssen drei Punkte her
Gegen den SC Verl kann die Devise nur lauten, mit aller Macht die Punkte am Hardtwald zu behalten und auf die Rückkehr von Taylan Duman und Kapitän Jakob Lewald, die in Stuttgart kurzfristig mit muskulären Problemen ausfielen, hoffen.


Ostwestfalen haben wieder Hoffnung geschöpft
Doch die Ostwestfalen aus Verl haben drei ihrer letzten vier Ligaspiele gewonnen und haben damit bei fünf Punkten Rückstand noch Tuchfühlung zu Relegationsplatz 3. Rechtsverteidiger Patrick Kammerbauer muss nach seiner fünften gelben Karte beim Spiel am Hardtwald ersetzt werden. Den SVS erwartet ein kompaktes Team mit der individuellen Klasse eines Berkan Taz und auch Timur Gayret in der Offensive. Nachdem er bereits vor vier Jahren in Verl spielte, kehrte Mittelfeldspieler Taz nach den Zwischenstationen Borussia Dortmund II und Waldhof Mannheim letztes Jahr an die alte Wirkungsstätte zurück und fand zu alter Stärke zurück, mit acht Saisontoren und zwölf Vorlagen avancierte er zum aktuellen Topscorer der 3. Liga.

„Wir sind mutig und arbeiten gut gegen den Ball“
Verls Sportdirektor Lange zur sportlichen Situation
Kapitän Lars Lokotsch kehrte beim 3:0 gegen Rot-Weiss Essen nach seiner Sprunggelenksverletzung nach zweimonatiger Verletzungspause wieder zurück, im Sturm erhofft man sich damit wieder mehr Durchschlagskraft für den Saisonendspurt. Sportdirektor Sebastian Lange zur sportlichen Situation: „Wir sind mutig und arbeiten gut gegen den Ball. Höchstens in ein oder zwei Spielen sind wir nicht an unsere Leistungsgrenze gegangen.“

Ziel ist die Fluktuation zu beenden
Lange gab darüberhinaus noch etwas tiefere Einblicke: „Wir konnten noch jemanden im Vertrieb einstellen, eine weitere Stelle wird bald in unserer Geschäftsstelle besetzt. Das wird dem Verein helfen, denn wir spielen permanent gegen Klubs, die fünfmal so viel Personal und Umsatz haben wie wir. Gleichzeitig versuchen wir natürlich, die Fluktuation zu verringern. Wir sind gut vorbereitet und ich merke, dass von Jahr zu Jahr mehr Spieler zu uns nach Verl wollen.“

Trainer Ende verlässt den Verein am Saisonende
In der neuen Saison werden sich die Wege des SC Verl und ihrem Erfolgstrainer Alexander Ende trennen: Alexander Ende teilte dem Klub mit, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird.
Mögliche Aufstellungen:
SV Sandhausen: Richter – Zander, Lorch, Lewald, Weik – Schikora, Duman (Lokaj), Wolf – Stolze, Baumann, Iwe
SC Verl: Schulze – Knost, Köhler, Mikic, Kijewski – Baack, Otto, Taz, Gayret – Lokotsch, Steczyk
AM
Fotos: foto2press