4:2-Sieg auf der Ostalb bringt TSG ein weiteres Stück näher an die Königsklasse

Doppeltorschütze Prass in einem wilden, torreichen Spiel

Die TSG Hoffenheim ist nach zwei sieglosen Bundesliga-Spielen durch einen 4:2-Auswärtserfolg bei Schlusslicht 1. FC Heidenheim wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt und hat ihren 3. Tabellenplatz am 25. Spieltag gefestigt. Der Vorsprung auf die beiden direkten Verfolger Stuttgart und Leipzig beträgt zwei Punkte. Die Tore für die Kraichgauer auf der Ostalb erzielten Alexander Prass mit einem Doppelpack, Fisnik Asllani und Tim Lemperle. Am Ende war es in einer teilweise etwas wilden Partie ein verdienter Auswärtsdreier, den die zahlreich mitgereisten TSG-Fans lautstark feierten. Nicht nur das Ergebnis, auch die statistischen Werte mit 45%:55% Ballbesitz, 7:16 Torschüssen, 72%:77% Passquote und 129,02 km:123,49 km Laufdistanz sprachen alle für die Blau Weißen.

Baumann fand trotz des Auswärtserfolgs einige kritische Ansätze

„Wir waren nicht scharf genug, die Abstände waren zu groß“

TSG-Keeper Baumann

Für TSG-Kapitän und Nationalmannschaftstorhüter Baumann war es schwer erkämpfter Sieg: „Es war zu wild, wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig aus dem Spiel gemacht. Trotzdem konnten wir vier Tore erzielen, aber wir waren nicht scharf genug, die Abstände waren zu groß. Hier haben sich schon andere Mannschaften schwergetan, trotzdem müssen wir das hier besser machen.“

Prass brachte die TSG nach einem herrlichen Spielzug 1:0 in Führung

Zum Spielverlauf:

Prass vollendet Traumkombination zur Führung

Die Partie in der ausverkauften Voith-Arena bei herrlichem Frühlingswetter begann etwas zäh ohne nennenswerte Toraktionen auf beiden Seiten. Nachdem Heidenheim nach 17 Minuten durch Honsak den ersten gefährlichen Warnschuss, der nur knapp sein Ziel verfehlte, abgab, führte wenig später auf der anderen Seite eine herrliche Kombination zur Gästeführung. Der Ball landete über Hajdari und Coufal bei Prass, der im Doppelpass mit Asllani die Kugel mit links unhaltbar aus 16 Metern unter die Latte donnerte (26.).

Bernardo stand nach überstandener Verletzung erstmals wieder in der Startformation und bot eine fehlerfreie Leistung

Spektakuläre Rettungstat

Die Gäste bestimmten fortan das Geschehen, ohne sich nennenswerte Torchancen zu erspielen. Nach einer halben Stunde stand ihnen jedoch das Glück zur Seite, als Bernado mit einer artistischen Rettungstat den Ball per Fallrückzieher kurz vor der Torlinie wegschlagen konnte. Dabei traf er auch den Kopf von Gegenspieler Schöppner, was minutenlang vom VAR überprüft wurde. Schiri Robert Hartmann entschied schließlich auf kein Foulspiel und somit nicht auf Strafstoß. Bei einer ähnlichen Szene gab es zwischen Bergamo und Dortmund kürzlich Elfmeter, was gleichzeitig das Aus der Borussen in der Champions League bedeutete.

Doppelpack von Prass

Kurz vor dem Pausenpfiff schlugen die Hoffenheimer nochmal zu und schraubten das Ergebnis auf 2:0 (45.+1). Nach Zuspiel von Kramaric setzte sich Prass gegen seinen Gegenspieler durch und tunnelte Torhüter Ramaj. Der dritte Saisontreffer des Österreichers war zugleich sein erster Doppelpack in der Bundesliga.

Asllani erzielte mit dem 0:3 in Heidenheim seinen achten Saisontreffer

Asllani erhöht auf 3:0

Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte waren die Gäste erneut hellwach und erhöhten durch Asllani auf 3:0 (49.). Nachdem Keeper Ramaj einen Schuss von Avdullahu aus kurzer Distanz noch abwehren konnte, landete der Ball direkt vor den Füßen von Asllani, der nur noch einzuschießen brauchte. Der achte Saisontreffer des Stürmers war zugleich das 700. Bundesliga-Tor der Saison.

Behrens (hier noch im TSG-Dress), Hoffenheims Leihspieler, bereitete nach Standards beide Heidenheimer Treffer vor

Heidenheim gibt sich nicht geschlagen und trifft

Es sprach für die Moral der leidenschaftlich kämpfenden und nie aufgebenden Gastgeber, die sich nicht geschlagen gaben. Nach einem weiten Einwurf des Hoffenheimer Leihspielers Behrens an den Fünfmeterraum verlängerte Kerber aus kurzer Distanz zum 1:3 (63.). Nur zehn Minuten später ertönte erneut lauter Torjubel auf dem Schlossberg, doch der Treffer von Christian Conteh wurde erneut nach viel zu langer Überprüfungsdauer durch den VAR wegen knappem Abseits annulliert (72.).

Lemperle kam, sah und traf

Nachdem die TSG drei Minuten später bei einer Rettungstat von Kabak erneut das Glück auf ihrer Seite hatte, als der Querschläger an den eigenen Innenpfosten ging (75.), führte wiederum drei Minuten danach ein Konter über Toure und Lemperle zum vorentscheidenden 4:1 (78.). Für den ehemaligen Kölner, der erst 67 Sekunden im Spiel war, war es der siebte Saisontreffer.

Lemperle traf kurz nach seiner Einwechslung zur zwischenzeitlichen 4:1-Führung für die TSG

Zweiter Gegentreffer nach Standards

Doch damit war noch lange nicht Schluss, denn die Heidenheimer setzten noch einen drauf und verkürzten auf 2:4 (84.). Nach einer Behrens-Ecke verlängerte Kerber den Ball mit dem Kopf in Richtung Tor, wo Lemperle unglücklich aus kurzer Distanz ins eigene Tor abfälschte.

Chancen auf beiden Seiten

Nachdem der eingewechselte Hranac vor dem eigenen Tor in höchster Not klärte (87.), hatte auf der gegenüberliegenden Seite der ebenfalls eingewechselte Gendrey die Chance zum 5:2, doch verfehlte er frei vor Ramaj das Heidenheimer Tor (90.+2).

Prass zählte zu den Hoffenheimer Aktivposten in Heidenheim

Völlig unterschiedliche Richtungen

Es blieb schließlich beim torreichen 4:2-Auswärtssieg der Nordbadener, der sie wieder ein kleines Stück näher in Richtung Königsklasse brachte. Doppeltorschütze Prass zur aktuellen Situation:

„Jeder Punkt kann jetzt wichtig sein“

Hoffenheims Doppeltorschütze Prass

„Wir sind jetzt in einer Phase, in der jeder Punkt wichtig sein kann. Es sind nicht mehr so viele Spiele, wir müssen schauen, so viele Punkte wie möglich zu holen. Wir schauen aber von Spiel zu Spiel und versteifen uns nicht auf die Tabelle.“

Heidenheims Trainerlegende Schmidt

„Unser Verein ist ein anderer Verein“

Heidenheims Trainer Schmidt

Für die Ostalbstädter wird die Luft im Abstiegskampf nach dem zwölften sieglosen Spiel in Folge immer dünner. Auch wenn der Zweitligaabstieg nur noch schwer abwendbar sein dürfte, umschrieb deren Trainer Schmidt die außergewöhnliche Situation seines Vereins: „Ich bin seit mehr als 18 Jahren Trainer und es ist eine beschissene Situation, in der wir sind. In anderen Stadien wärst du wohl davon gejagt worden, hier wirst du aber trotzdem mit Applaus verabschiedet. Auch wenn wir alle zusammen mehr falsch machen als richtig und es extrem schwer ist, zeigt es, dass unser Verein ein anderer Verein ist, und zeigt auch, was wir erreicht haben.“

Stimmen der Trainer:

„Wir waren vor dem Tor brutal effizient“

Hoffenheims Co-Trainer Volz

Moritz Volz (der als Hoffenheimer Co-Trainer seinen erkrankten Cheftrainer Ilzer vertrat): „Es war ein schwieriges Spiel, weit wilder als wir uns das gewünscht hätten. Wir hätten uns mehr Kontrolle gewünscht. Wir waren vor dem Tor aber brutal effizient, das hat uns in den vergangenen Wochen gefehlt. Letztlich haben wir aber verdient gewonnen. Es ist bemerkenswert, dass die Heidenheimer nie aufgesteckt haben, sie haben das Spiel bis zum Schluss sehr unangenehm gemacht.“

Hoffenheims Co-Trainer Volz, der den erkrankten Cheftrainer Ilzer in Heidenheim vertrat

„Wir haben uns nicht aufgegeben und sind nochmal rangekommen“

FCH-Coach Schmidt

Frank Schmidt (1. FC Heidenheim): „Zu Beginn haben sich die Mannschaften die Chancen gegenseitig genommen. Dann haben wir bei den Gegentreffern zu viel Raum gelassen und zu spät zugestellt. Eine Mannschaft mit der Qualität und dem Selbstvertrauen nutzt sowas aus. Beim 0:3 haben wir das Verteidigen leider kurzfristig eingestellt. Aber die Reaktion war sehr positiv, sie haben nicht aufgegeben und sind nochmal rangekommen.“

Die Hoffenheimer haben weiterthin sehr guten Chancen für die Qualifiukation zur nächstjährigen Champions League-Saison

Aufstellungen:

1.FC Heidenheim: Ramaj – Traore (63. Busch), Mainka, Gimber, Behrens – Kerber, Dorsch (63. Dinkci), Schöppner (73. Schimmer) – Honsak (46. C. Conteh), Pieringer (46. S. Conteh), Zivzivadze
TSG Hoffenheim:  Baumann – Coufal, Ozan Kabak, Hajdari (77. Hranac), Bernardo – Avdullahu, Burger (65. Prömel) – Prass, Kramaric (77. Lemperle), Toure (88. Gendrey) – Asllani (88. Damar)
Tore: 0:1 Prass (26.), 0:2 Prass (45.+1), 0:3 Asllani (49.), 1:3 Kerber (63.), 1:4 Lemperle (78.), 2:4 Kerber (84.)
Schiedsrichter: Hartmann (Wangen im Allgäu)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)

Die Wölfe zu Gast in Sinsheim

Am nächsten Spieltag empfängt die TSG Hoffenheim in Sinsheim am Samstag um 15:30 Uhr den auf einen Abstiegsplatz gerutschten VfL Wolfsburg.

Fotos: foto2press (Archivfotos)

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