„Die heutige Spielweise der TSG erinnert etwas an die der Aufstiegsmannschaft“

Ex-Profi Tobias Weis traut der TSG einen Platz unter den ersten Fünf zu

Der ehemalige Mittelfeldspieler und Aufstiegsheld der TSG Hoffenheim von 2008 Tobias Weis war am vergangenen Samstag zu Gast beim Bundesliga-Spiel der TSG gegen den SC Freiburg. Hierbei hatte bwa-sport.de Gelegenheit zu einem Kurzinterview mit dem 40-jährigen gebürtigen Schwäbisch Haller. In seiner aktiven Laufbahn bestritt Tobias Weis 98 Bundesliga- und 30 Zweitliga-Spiele für die TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt und den VfL Bochum. 2019 beendete er seine Profikarriere. Seit 2023 ist er als Amateur-Trainer tätig.

Tobias, wann hast Du letztmals ein Spiel der TSG Hoffenheim live verfolgt?
Tobia Weis: Oh, das ist schon etwas länger her, ich glaube das war vor zwei bis drei Jahren. Der Gegner hieß damals Bayern München.

„Die Herbstmeisterschaft war damals der Wahnsinn“

Tobias Weis über das erste Bundesligajahr der TSG

Wenn Du an den Rekordmeister denkst, welche Erinnerungen werden dann bei Dir wach?
Ganz klar denke ich dabei an unser erstes Bundesligaspiel im Dezember 2008 in der Allianz-Arena, wo wir als Tabellenführer zu Gast waren. Wir haben das Spitzenspiel, das in 170 Ländern live ausgestrahlt wurde, durch einen späten Gegentreffer unglücklich 1:2 verloren. Dennoch wurden wir danach Herbstmeister, was mit den vielen Begleiterscheinungen für die gesamte Truppe damals der Wahnsinn war.

Tobias Weis im August 2009 beim Zweikampf mit den beiden Münchnern Bastian Schweinsteiger (re.) und Danijel Pranjic

Erinnerungen an eine tolle Truppe

Ähnlich wie die heutige Hoffenheimer Mannschaft war dies eine ganz tolle Truppe.
In der Tat. Zusammen mit Spielern wie Eduardo, Ibisevic, Obasi und Gustavo – nur um einige zu nennen – gemeinsam zu spielen, war schon etwas Besonderes. Mit diesem tollen Team unter Trainer Ralf Rangnick haben wir eine super und erfolgreiche Zeit gehabt, sind aufgestiegen und wurden gleich Herbstmeister – das war sensationell. Daran denke ich immer wieder sehr gerne zurück.

Kleine Rädchen haben nicht mehr so gegriffen wie in der Hinrunde

In der Rückrunde lief es dann nicht mehr so rund.
Dies lag an vielen kleinen Faktoren. Zum einen war da der Kreuzbandriss von Torjäger Vedad Ibisevic und ein paar Spieler haben plötzlich nicht mehr so funktioniert. Dass dann noch kleine Rädchen nicht mehr so gegriffen haben wie in der Hinrunde, war letztendlich ausschlaggebend. Wären wir damals als Mannschaft zusammengeblieben, sag ich heute noch, hätten wir weiter vorne mitspielen können. Dennoch war der 7. Tabellenplatz im Aufstiegsjahr ein Megaerfolg und eine hohe Auszeichnung für unseren Dorfverein.

Tobias Weis war Hoffenheims Dampfmacher im Mittelfeld. Von seinem Kollegen wurde er aufgrund seiner kämpferischen Spielweise oft als „Kampfquirl“ bezeichnet.

„Hoffenheim ist für mich ein fester Bestandteil der Bundesliga“

Weis über die 18-jährige Bundesligazugehörigkeit der TSG

Hättest Du jemals gedacht, dass die TSG 18 Jahre ununterbrochen Bundesliga spielt?
Eine lange Zeit, aber für mich keine Überraschung. Der Verein steht auf gesunden Beinen, auch wenn es in der Vergangenheit viele Wechsel in der Führungsetage und auf der Trainerbank gab. Hinzu kommen viel äußere Einflüsse, die nicht immer förderlich waren. Aber letztendlich gehört Hoffenheim für mich zu einem festen Bestandteil der Bundesliga. Der Erfolg bestätigt dies.

Weis im Duell im März 2013 mit Münchens David Alaba (re.) – links in der Beobachterrolle Javi Martínez

Ein Tag, an dem einiges in München möglich gewesen wäre

Am vorletzten Spieltag unterlag die TSG an gleicher Stelle erneut in einem Top-Spiel gegen die Bayern.
Ich habe mir das Spiel im Fernseher angeschaut und mich riesig über die unberechtigte Rote Karte in der Anfangsphase gegen Kevin Akpoguma geärgert. Dies war aus meiner Sicht eine klare Fehlentscheidung, was sich negativ auf das weitere Hoffenheimer Spiel ausgewirkt hat. Es wäre womöglich so ein Tag gewesen, wo wir als TSG Hoffenheim dem FC Bayern Paroli hätten bieten können. Ein Punkt wäre durchaus möglich gewesen, aber in Unterzahl in München etwas zu holen ist sehr schwer.

„Die Spielweise erinnert mich etwas an unsere frühere Zeit“

Weis über die heutige Spielweise der TSG

Das Team von Trainer Christian Ilzer liefert konstant gute Leistungen und ist auf Champions League-Kurs
Auch mich überrascht die tolle Entwicklung der Mannschaft. Die derzeitige Spielweise erinnert mich etwas an unsere frühere Zeit, vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber man sieht letztendlich ein Team auf dem Platz, das mit großer Spielfreunde agiert und mit großem Willen an die Sache herangeht. Diese Saison ist schon sehr beeindruckend. Ich traue der Mannschaft am Saisonende auf alle Fälle einen Platz unter den ersten Fünf zu. Es steckt sehr viel Potenzial in der Truppe.

Tobias Weis beim Torjubel

Die Mannschaft steckt alles weg und liefert weiter ab

Dennoch rumort es hinten den Kulissen gewaltig.
Ja, ich habe das auch mitbekommen. Im Hintergrund brodelt es seit längerer Zeit schon, aber ich finde es beeindruckend, wie die Mannschaft dies alles wegsteckt und wie sie auf dem Platz dennoch abliefert. Sie lässt das, was im Hintergrund alles negativ abläuft, einfach links liegen.

„Als Spieler muss ich funktionieren“

Weis über die Nebenkriegsschauplätze

Wie blendet man das als Spieler so einfach aus?
Ob im Amateur- oder Profisport, wenn man als Spieler auf dem Platz steht muss man funktionieren. Es geht letztendlich um so viel, man möchte gewinnen und blendet dabei vieles aus. Als Spieler muss ich das verinnerlichen und sagen: Jetzt ist Anpfiff, jetzt ist Spieltag, jetzt muss ich funktionieren. Das alles ist ein sehr schnelllebiges Tagesgeschäft.

Geringes Zuschauerinteresse unerklärlich

Trotz des Erfolgs ist der Zuschauerzuspruch enttäuschend.
Ich kann dies auch nicht nachvollziehen und erklären. Ich glaube, dass die, die da sind, mit Herz und Leidenschaft dabei sind. Normal müsste das Stadion angesichts der gezeigten Leistungen und der tollen Tabellenplatzierung immer ausverkauft sein. Vielleicht könnte hier auch die Marketingabteilung etwas mehr Gas geben (lacht).

„unverständlich, dass das Baden-Duell nicht ausverkauft ist“

Weis über den enttäuschenden Zuschauerbesuch beim Freiburg-Spiel

Selbst das Baden-Duell gegen Freiburg sahen nur etwas über 22.000 Zuschauer.
Das hat mich auch sehr überrascht. Als ich ins Stadion kam und die vielen leere Plätze sah, dachte ich mir, wie kann es sein, dass das badische Nachbarschaftsduell gegen einen Top-Gegner wie Freiburg nicht ausverkauft ist. Ich ging im Vorfeld von einer ausverkauften Arena aus.

Tobias Weis am 18. Mai 2008 bei der Aufstiegsparty in der Sinsheimer Messehalle zusammen mit Matthias Jaissle und Zolt Löw (re.)

Im Immobiliengeschäft eine neue Vorliebe gefunden

Was machst Du heute nach Deiner Fußballerkarriere?
Sportlich bin ich als Amateurtrainer bei der TSG Öhringen tätig und ab der neuen Saison übernehme ich das Traineramt bei meinem Heimatverein, den Sportfreunden Schwäbisch Hall. Beruflich bin ich im Immobilienbereich tätig. Bereits zu jungen Jahren habe ich viele Immobilien gekauft, die ich jetzt selbstständig verwalte und vermiete. Zudem bin ich noch bei der Firma WEALTHGATE GmbH Family Officein Schwäbisch Hall tätig, die auch im Immobilienbereich tätig ist.

Fotos: Kraichgaufoto und BWA

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