TSG-Mitglieder wählten neue Vorstände mit reichlich Fußball-Expertise

Dem Machtkampf folgt jetzt der Neustart – Der Wunsch nach Ruhe ist groß

Die Mitglieder der TSG 1899 Hoffenheim e.V. haben am Montagabend in der Sinsheimer PreZero-Arena bei der ordentlichen Mitgliederversammlung einen neuen Ersten Vorsitzenden in der Nachfolge für Jörg Albrecht gewählt. Von den zirka 12.000 Vereinsmitgliedern waren 1.218, darunter auch Mäzen und Gesellschafter Dietmar Hopp, anwesend – 1.150 hiervon waren stimmberechtigt.

Rekordbesuch bei einer Mitgliederversammlung der TSG 1899 Hoffenheim

Deutliche Mehrheit für Kreuzwieser

Dabei setzte sich unter den drei zur Wahl stehenden Kandidaten André Kreuzwieser mit 759 Stimmen überraschend deutlich gegen seine Mitbewerber Florian Beil (124) und Uwe Heiss (122) durch. Der 45-jährige in Hoffenheim lebende Softwareunternehmer, der zuvor noch für seine 40-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt wurde, sagte in seinem ersten Interview als Mitgesellschafter: „Ich freue mich sehr über die Wahl. Ich weiß, dass ich in große Fußstapfen treten werde. In den nächsten Wochen und Monaten wird es darum gehen, dass in unseren Verein wieder Ruhe einkehrt.“

Der neue 1. Vorsitzende André Kreuzwieser

Ich weiß, dass ich in große Fußstapfen treten werde“

André Kreuzwieser nach seiner Ernennung zum neuen 1. Vorsitzenden

Kreuzwieser, der in der Jugend und U23 in der Verbandsliga für die TSG aktiv war, ist nach der langjährigen Amtszeit des verstorbenen Peter Hofmann der erste waschechte Hoffenheimer, der in dessen Nachfolge dieses Amt begleitet.

Ergebnis der Wahl zum 1. Vorsitzenden

Beil setzte sich gegen Raab als neuer 2. Vorsitzender durch

Bei der anschließenden Wahl zum Zweiten Vorsitzenden erhielt Florian Beil die meisten Stimmen. Der als Teammanager in der Nachwuchsakademie tätige 40-jährige ehemalige Fußballprofi setzte sich zunächst gegen acht weitere Mitstreiter und anschließend bei der notwendigen Stichwahl mit 482 Stimmen gegenüber Sarah Raab (407) durch.

Der neue 2. Vorsitzende Florian Beil

„Wir wollen die TSG jetzt in ruhiges Fahrwasser bringen“

Der neue 2. Vorsitzende Florian Beil

Für den neuen Zweiten Vorsitzenden ist es wichtig, nach den Turbulenzen der letzten Wochen jetzt Ruhe in den Verein zu bringen: „Ich freue mich darauf, dass wir jetzt anpacken können, die TSG in ruhiges Fahrwasser zu bringen.“

Wahlergebnis für das Amt des 2. Vorsitzenden

Viel Macht für das neue Führungsgremium

Das neue Führungsgremium ist zugleich die mächtigste Schaltstelle beim Bundesligisten. Denn nach der Rückgabe der Stimmrechtemehrheit seitens Mäzen Dietmar Hopp an den Stammverein (50+1) ist der e.V. pro forma derjenige Gesellschafter, der im Zweifels- oder Streitfall am Ende das letzte Wort hat.

Der ehem. 1. Vors. Jörg Albrecht führte souverän durch die Versammlung

„Es ist viel Positives passiert, aber auch einiges auf das wir gerne verzichtet hätten“

Der ehem. 1. Vorsitzende Jörg Albrecht in seinem Rückblick

Der bisherige 1. Vorsitzende Albrecht, der am 13. November 2025 von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war und nach dem ebenfalls erfolgten Rücktritt des Zweiten Vorsitzenden Christoph Henssler am 9. Februar 2026 noch einmal kommissarisch bis zur Mitgliederversammlung in seiner Funktion eingesprungen war, leitete die äußerst harmonische Versammlung gewohnt routiniert und souverän. In seiner Eröffnungsrede blickte der ehemalige Sinsheimer Oberbürgermeister zurück auf die letzten Wochen und Monate: „Es ist viel passiert bei der TSG, viel Positives auf dem Platz, aber auch einiges auf das wir gerne verzichtet hätten.“ Albrecht lobte vor allem die Leistungen der Profis, der Frauen und der U23 in der 3. Liga Bezug. Albrecht würdigte insbesondere das Team um Geschäftsführer Sport Andreas Schicker sowie Cheftrainer Christian Ilzer und deren „fantastische Saison in der Bundesliga. Mit acht Heimsiegen in Folge hat die TSG in dieser Saison sogar einen neuen Vereinsrekord aufgestellt.“

Der langjährige 3. Vorsitzende Frank Engelhardt

„Oberstes Gebot ist jetzt wieder zu einer Einheit zusammenzuwachsen“

Zukunftsblick des 3. Vorsitzenden Frank Engelhardt

Der 3. Vorsitzende Frank Engelhardt, ein Hoffenheimer Urgestein und seit 17 Jahren langjähriges Vorstandsmitglied, äußerte sich zu den Herausforderungen, mit denen die TSG und damit auch der e.V. zuletzt konfrontiert waren: „Unsere Aufgabe im Vorstand des e.V. ist es, die zurückliegenden Wochen und Monate aufzuarbeiten und daraus die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Oberstes Gebot ist jetzt wieder zu einer Einheit zusammenzuwachsen.“

Blick auf die gut besuchte Gegentribüne der PreZero-Arena bei der Mitgliederversammlung

Zum weiteren verlauf der Versammlung:

Anschließend übernahm Marco Engelhardt aus dem Ehrenrat (Vorsitzender) des TSG Hoffenheim e.V., stellvertretend auch für seine Ehrenrat-Kollegen Dieter Koch und Rolf Bender, das Wort und skizzierte unter anderem den Bewerberprozess, den die Kandidaten zur Wahl des Ersten Vorsitzenden durchlaufen hatten. Engelhardt betonte, dass „Ortsnähe, Fachkenntnis, Führungserfahrung, Vereinsarbeit und Vereinskenntnis sowie Netzwerk“ als Kriterien zu erfüllen waren, um als Kandidat infrage zu kommen. Er machte auch Angaben zum Auswahlprozess und bestätigte, dass aus mehr als zehn Bewerbern schlussendlich drei Kandidaten hervorgegangen waren.  
Das zweite bei der Mitgliederversammlung im Jahr 2025 neu installierte Gremium, der Mitgliederrat, wurde durch ihren Vorsitzenden Alexander Steinle repräsentiert. Er schilderte, dass sich der Mitgliederrat eine Geschäftsordnung gegeben habe mit dem Ziel, die Arbeit für alle Mitglieder nachvollziehbar zu machen. „Mitgliedergewinnung, Vorteile einer Mitgliedschaft sowie Transparenz im Verein“ seien Kernthemen, an denen der Mitgliederrat arbeite. Sein Appell an alle Mitglieder: „Seid engagiert, interessiert, aber respektvoll. Unser Umgang miteinander entscheidet darüber, welche Kultur wir in unserem Verein leben.“

Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker

„Was unser Verein jetzt braucht, ist vor allem Ruhe“

Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker

Wie schon im Vorjahr sprach auch Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker zu den Mitgliedern. Für den Österreicher ist es fortan wichtig, dass die Zusammenarbeit bei der TSG von aller Seiten als eine gemeinsame Einheit weiter gestärkt wird: „Was unser Verein jetzt braucht, ist vor allem eines: Ruhe. Ruhe, um weiterzuarbeiten. Ruhe, um Strukturen zu stärken. Ruhe, um die Dinge gemeinsam voranzubringen.“ Rückblickend auf die chaotischen Wochen sagte der Sportchef: „Wenn man als Tabellendritter nach München zu einem Topspiel fährt, aber der Fußball nicht das Hauptthema ist, dann läuft etwas falsch.“

Stürmer Vogt ist der erste Neuzugang

Schicker hatte auch eine erfreuliche Nachricht an die Mitglieder zu verkünden, indem er wie schon bei der letzten Mitgliederversammlung jetzt mit Alessandro Vogt den ersten bereits feststehenden Neuzugang für die nächste Saison bekanntgab. Über den 21-jährigen Stürmer, der vom Schweizer Erstligisten FC St. Gallen in den Kraichgau kommt, sagte Schicker: „Ich bin mir sicher, dass er mit seinem Profil perfekt zur TSG passt.“

Der neue TSG-Vorstand von links: Frank Engelhardt (3. Vors.), André Kreuzwieser (1. Vors.) und Florian Beil (2. Vors.)

Entlastung erteilt

Nach einer Gedenkminute für die verstorbenen Vereinsmitglieder folgten zahlreiche Ehrungen für verdiente Mitglieder. Im Anschluss thematisierte Wirtschaftsprüfer Jeffrey Larson den Kassenbericht der TSG Hoffenheim e.V. für das Geschäftsjahr 2024/2025. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft DELTA Revision GmbH mit Sitz in Mannheim war durch den Vorstand beauftragt worden, den Jahresabschluss zum 30. Juni 2025 entsprechend § 16 Abs. 1 der Satzung des Vereins zu prüfen. Die Prüfung des Jahresabschlusses führte zu keinen Einwendungen hinsichtlich der Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung. Sinsheims Oberbürgermeister Marco Siesing, der ebenfalls in einer Rede die Wichtigkeit des Zusammenhalts innerhalb der TSG in den Fokus rückte, beantragte auf Grundlage des Kassenberichtes die Entlastung der Vorstandschaft, welche mit nur wenigen Gegenstimmen erteilt wurde.

Beschlossene Satzungsänderungen

Es standen in der Folge ein Satzungsänderungsentwurf seitens der Vorstandschaft auf dem Programm, wie auch ein Antrag aus der Mitgliederschaft auf Erweiterung der Vorschlagsbefugnis des Ehrenrats auf alle Vorstandsmitglieder. Beides hatte der TSG Hoffenheim e.V. den Mitgliedern kommuniziert. Marc Patrick Schneider, Fachanwalt für Sportrecht, lieferte hierzu dennoch einige Erläuterungen. Zum Satzungsänderungsentwurf wurden insgesamt fünf Abstimmungen durchgeführt. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde in allen Abstimmungen erreicht. Auch bei der Abstimmung zum Antrag aus der Mitgliederschaft wurde die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht.

Weitere Beschlüsse

Zudem wurden Anträge auf Vergütung der Vorstandstätigkeit, auf Auskunft zu den Entlassungen der Geschäftsführer und Mitarbeitenden der Geschäftsführung sowie Neuausrichtung der Geschäftsführung, auf Änderung des Veranstaltungsortes, auf die virtuelle Teilnahme an der Mitgliederversammlung sowie auf den Beschluss über die Datenschutzaufklärung thematisiert. Auf eine Beitragserhöhung wurde verzichtet.

Sportchef Andy Schicker spricht zu den TSG-Mitgliedern

Es gilt das Lebenswerk von Dietmar Hopp zu bewahren und gut in die Zukunft zu führen“

Andreas Schicker

Nach der Versammlung stellte sich Andy Schicker noch den Fragen der anwesenden zahlreichen Journalisten. Hierbei machte er deutlich, dass es künftig keine verschiedenen Lager mehr im Verein geben darf und es keine Gewinner und keine Verlierer gibt: „Wir alle sind gut beraten, das Lebenswerk von Dietmar Hopp zu bewahren und gut in die Zukunft zu führen.“ Über den Verlauf der Versammlung sagte er: „Es war eine sehr gelungene Mitgliederversammlung, sehr harmonisch. Ich freue mich, weil ich glaube, dass es auf dieser Ebene jetzt einfach Klarheit gebraucht hat.“

Ein Austausch auf gutem, hohen Niveau

Bei seinen neuen Vorgesetzten lobte er vor allem deren Sachverstand: „Wenn man im Vorstand Fußball-Expertise hat – Florian war ja auch Profi – dann ist das gut. Aber auch mit André haben wir jemanden, der selbst gekickt hat. Das ist schon immer schön, wenn man sich da auf einem sehr guten, hohen Niveau austauschen kann.“ Bereits am Folgetag findet laut Schicker das erste Gipfeltreffen statt: „Wir werden den ersten richtigen Kennenlern-Termin haben, wo wir besprechen, wie gewisse Abläufe stattfinden könnten. Darauf freue ich mich und bin sehr positiv. Meine Aufgabe ist eigentlich der fußballerische Bereich, darauf kann ich mich jetzt endlich wieder verstärkt kümmern.“

Fotos: Kraichagufoto

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