Ein nur zu zwei Dritteln gefülltes Stadion ist nicht eines Champions League-Anwärters würdig
Nach der englischen Woche mit zwei Auswärtssiegen in Frankfurt (3:1) und Bremen (2:0) empfängt die TSG Hoffenheim am Samstag zur klassischen Bundesligazeit um 15:30 Uhr in Sinsheim den 1. FC Union Berlin. Nachdem die TSG alle ihre vier Ligaspiele in diesem Jahr gewinnen und auch die letzten sechs Heimspiele für sich entscheiden konnte, soll diese Erfolgsserie am 20. Spieltag fortgesetzt werden. Zweifellos sind die Blau-Weißen derzeit die Überraschungsmannschaft der Liga und überzeugen konstant durch eine laufintensive, kämpferische und begeisternde Spielweise.
„Wir haben ein Level erreicht, das ein sehr hohes Arbeitsniveau erfordert„
Hoffenheims Trainer Ilzer zum Erfolgsgeheimnis seiner Mannschaft
Für TSG-Cheftrainer Christian Ilzer ist das positive Abschneiden ein Entwicklungsprozess. Grundlagen hierfür sind harte und intensive Arbeit sowie die richtige Herangehensweise: „Man hat den Anspruch, jeden Tag das Trainingszentrum als besserer Spieler oder Mitarbeiter zu verlassen. Die Saison zeigt das sehr gut. Wir haben ein Level erreicht, das ein sehr hohes Arbeitsniveau erfordert, um sich noch weiterzuentwickeln.“

„Wir treffen auf einen Gegner, der physisch extrem stark ist“
Ilzer über Gegner Union Berlin
Jetzt gilt es für die Hoffenheimer gegen die Berliner trotz einer intensiven und anstrengenden Woche nachzulegen. Es geht Schlag auf Schlag weiter. Ilzer sagte bei der Spieltags-Pressekonferenz über die Herangehensweise gegen die Unioner: „Wir treffen auf einen Gegner, der physisch extrem stark ist. Wir dürfen in keiner Weise davon ausgehen, dass es von selbst gehen wird, sondern müssen uns sehr konsequent auf das Spiel vorbereiten. Wir stellen uns auf ein sehr unangenehmes und zweikampfbetontes Spiel ein“
Gelingt es den Rekord einzustellen?
Das Heimspiel hat neben den drei Punkten einen zusätzlichen Reiz: Mit einem siebten Heimsieg in Serie würden die Kraichgauer ihren Rekord aus dem Jahr 2017 einstellen. Nach den Heimerfolgen gegen Heidenheim, Leipzig, Augsburg, HSV, Mönchengladbach und Leverkusen sollen die Punkte erneut am Technik Museum bleiben.

Union reist gerne nach Sinsheim
Dass dies gegen die Köpenicker keine leichte Aufgabe wird zeigt die Vergangenheit. Die Eisernen, die in dieser Saison bereits drei Mal auswärts erfolgreich waren, feierten zuletzt mit 1:0 und 4:0 zwei Siege in Folge in der TSG-Heimspielstätte. Dabei erzielten sie in Sinsheim mit insgesamt zwölf Treffern so viele, wie bislang in keinem anderen Bundesligastadion. Allgemein waren alle Duelle zwischen dem Dorfverein und dem Hauptstadtklub mit durchschnittlich 3,5 Treffern besonders torreich.
Zweikampfstärke das große Plus
Die Unioner sind nicht nur physisch extrem stark sondern bestechen auch durch ihre Zweikampfstärke, was statistisch mit 109 Zweikämpfen ein zweitbester Ligawert unterstreicht. Trainer Steffen Baumgart, der durch seine impulsive und motivierende Art die Leidenschaft auf die Mannschaft übertragen hat, vertraut einem kleinen Kader, setzte erst 22 Profis an den ersten 21 Spieltagen ein, was zugleich ligaweiter Tiefstwert ist. Auch was Standards anbelangt sind die Eisernen brandgefährlich. Hier müssen die Hoffenheimer besonders achtsam sein.

2026 noch sieglos
Trotz aller positiven Tugenden warten die Berliner 2026 immer noch auf ihr erstes Erfolgserlebnis. In den bisherigen vier Partien gab es drei Unentschieden und zuletzt eine 0:3-Heimniederlage gegen Dortmund.
Aussagekräftiges Torverhältnis
Zurück zur TSG: Der Blick auf das Torverhältnis beim Tabellendritten ist aussagekräftig: Mit 22 Gegentoren weist die Ilzer-Truppe hinter den beiden führenden München und Dortmund die stabilste Defensive auf, während 40 Torerfolge hinter Spitzenreiter FC Bayern der zweitbeste Wert ist. Dabei kommt vor allem die Flexibilität bei den Blau-Weißen zum Vorschein: Mit Grischa Prömel, Andrej Kramaric, Fisnik Asllani und Tim Lemperle gibt es vier Spieler, die jeweils sechs Treffer erzielten.

Für Asllani ein denkwürdiges Hinspiel
Im Hinspiel siegte die TSG in einer intensiven und engen Partie 4:2 an der Alten Försterei. Nachdem Kramaric und Asllani in der Nachspielzeit der ersten Hälfte für die 2:0-Halbzeitführung sorgten, führten im zweiten Abschnitt die Treffer von Asllani und Tim Lemperle zum verdienten Auswärtssieg. Dabei trat vor allem der gebürtige Berliner Asllani an alter Wirkungsstätte in Erscheinung. Dem 23-jährigen Stürmer, der von 2016 bis 2020 in der Unioner Jugend spielte und anschließend ablösefrei in den Kraichgau wechselte, gelang sein erster Bundesliga-Doppelpack.

Zwei Spiele Sperre für Burger
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat TSG-Mittelfeldspieler Wouter Burger nach seinem Platzverweis in Bremen wegen rohen Spiels mit einer Sperre von zwei Spielen belegt. Hoffenheims niederländischer Mittelfeldstratege fehlt somit im nicht nur Heimspiel gegen Berlin sondern auch im Top-Spiel danach bei Spitzenreiter FC Bayern.
„Wir müssen Wouter durch unsere Kaderstärke ersetzen“
Ilzer über den Ausfall seines Mittelfeldstrategen
Trainer Ilzer versucht des Ausfall im Kollektiv wegzustecken: „Wouter ist ein absoluter Schlüsselspieler. Aber die Mannschaft ist schon in Bremen sehr gut damit umgegangen, die Spieler haben da schon nicht gehadert, sondern nach Lösungen gesucht. Nun gilt es, ihn über unsere Kaderstärke zu ersetzen.“

Zuschauerinteresse ist noch deutlich ausbaubar
Blickt man auf die bisherigen positiven Resultate und überzeugenden Leistungen der Hoffenheimer, was sich durch den dritten Tabellenplatz eindrucksvoll widerspiegelt, so ist es um so enttäuschender, dass am Samstagnachmittag laut Pressesprecher Jörg Bock nur 20.000 Zuschauer in der PreZero Arena erwartet werden. Dieses geringe Heimspiel-Interesse ist eines Champions League-Anwärters nicht würdig und (um es deutlich auszudrücken) beschämend. Darauf auf der PK angesprochen, sagte Ilzer: „Wir sind nicht die größte Familie im Fußball, aber wir haben eine sehr treue Anhängerschaft. Das haben wir auch in schwierigen Phasen gespürt. Ich freue mich über jeden Zuschauer, der ins Stadion kommt und uns unterstützt.“ Damit liegt der Österreicher zwar richtig, doch haben es die „Teuen der Treuen“ in der Südkurve oftmals sehr schwer, sich akustisch gegen die zahlreich anreisenden Gästefans einiger Traditionsvereine zu erwehren. Würden sich mehr Fußballfans aus der Metropolregion für einen Stadionbesuch begeistern, gäbe es automatisch auch weniger Gästetickets, was der Stimmung für die Heimmannschaft zu Gute käme.
Fotos: foto2press und Kraichgaufoto













