Fünf Tore, viele Chancen und zwei Platzverweise – es ging richtig rund an der Rohrbacher Rosenbrücke
Das Spitzenspiel des 21. Spieltages in der Kreisliga Sinsheim zwischen dem Tabellendritten SV Rohrbach/S. und dem Spitzenreiter FC Zuzenhausen II wurde denen im Vorfeld hochgesteckten Erwartungen gerecht. Die zahlreichen Zuschauer bekamen am späten Donnerstagabend an der Rohrbacher Rosenbrücke eine spannende und torreiche Partie geboten, in der die Gastgeber sich durch einen 3:2-Sieg für die 1:4-Hinspielniederlage revanchierten.
Offener Schlagabtausch in der Anfangsphase
Beide Mannschaften gingen mit hohem Tempo ins Spiel und erspielten sich eine Reihe guter Möglichkeiten. Den ersten Torjubel gab es bereits nach fünf Minuten, als Rohrbachs Matteo Francesca nach Rupp-Flanke aus dem Halbfeld den Ball aus fünf Metern zur 1:0-Führung über die Linie drückte.

„Ob ich ihn mit dem Bein oder der Hüfte ins Tor befördert habe, kann ich gar nicht sagen“
Rohrbachs Torschütze Francesca über seinen Treffer zum 1:0
Der Torschütze über seinen kuriosen Treffer: „Der Ball kam in den Fünfmeterraum geflogen. Ich habe ihn angenommen und ihn aufs Tor gechippt. Ob ich ihn mit dem Bein oder der Hüfte über den Torwart ins Tor befördert habe, kann ich gar nicht sagen, ich sah nur im Liegen, wie er ins Tor kullert.“

Postwendende Antwort der Gäste zum 1:1-Ausgleich
Doch die Freude währte nicht lange, denn nur eine Minute später konnte Zuzenhausens Stürmer Jacques Zimmermann nach einem schnell vorgetragenen Konter per Flachsschuss ins rechte Eck zum 1:1 ausgleichen (6.). Zuzenhausens torgefährlichster Angreifer beschrieb die Szene wie folgt: „Es war ein super Steilpass von Marcel Zuleger. Ich habe die Gasse gesehen, bin reingestartet, habe kurz hochgeschaut und dann den Ball ins lange Eck geschossen.“
Flippertor bringt den Spitzenreiter in Führung
Und es ging munter weiter mit dem Toreschießen. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf in der Rohrbacher Hälfte landet eine Flanke vor den Füßen von Jan Mika Gutzeit, der mit rechts zunächst an den linken Innenpfosten und von ins rechte Toreck zur 2:1-Gästeführung traf (13.). Es ging nun hin und her, beide Mannschaften lieferten sich einen offenen Schlagabtausch.

Rupp trifft zum 2:2
Und nur sieben Minuten nach der FC-Führung gelang Joscha Rupp der 2:2-Ausgleich, als er den Ball vorbei an Torhüter Cuyler Rockwell Adams ins Tor zirkelte (21.). Der Torschütze zu dieser Szene: „Mein Gegenspieler hat sich bei der weiten Flanke verschätzt, ich mache einen Schritt nach hinten und bekomme den Ball. Da ich nicht direkt abschließen konnte habe ich den Ball angenommen und ihn dann seitlich am Torwart vorbei ins Tor gelupft.“
Zuze drängt auf den Führungstreffer
Der Tabellenführer erhöhte nun den Druck aufs gegnerische Tor und erspielte sich einige gute Möglichkeiten. So setzte Zimmermann per Kopfball den Ball auf die Querlatte (30.) und kurz vor der Halbzeitpause hatte Tim Karrer Pech, als sein Gewaltschuss aus 25 Metern von SV-Keeper Nico Romig aus dem linken Torwinkel gefischt wurde. Eine Wahnsinntat des Rohrbacher Schlussmanns! Die beste Chance in Hälfte 1 vor dem Pausenpfiff bot sich Luca Romig, der frei vor dem Tor gleich zwei Mal an der Fußabwehr den FC-Keepers scheiterte (32.). Die Zuschauer bekamen in der ersten Hälfte eine sehr unterhaltsame und abwechslungsreiche Partie geboten, in der die Gäste aufgrund klarerer Torchancen etwas mehr vom Spiel hatten.

„Ich denke wir werden in der 2. Hälfte noch ein Tor erzielen und am Ende 3:2 gewinnen“
Halbzeitprognose vom SV-Vorsitzenden Kim Feßenbecker
Das Halbzeitfazit von Rohrbachs neuem 1. Vorsitzenden Kim Feßenbecker war passend und zugleich voll zutreffend, was den späteren Spielausgag betrifft: „Es war im ersten Abschnitt ein schnelles, gutes Spiel – ein offener Schlagabtausch. Auf beiden Seiten gab es reichlich Chancen, deshalb ein für mich gerechtes Unentschieden zur Halbzeit. Ich denke wir werden in der 2. Hälfte noch ein Tor erzielen und am Ende 3:2 gewinnen.“

Ausgeglichenes Spiel trotz nummerischer Überzahl
Im zweiten Abschnitt verlagerte sich das Geschehen meist zwischen den Strafräumen, Torchancen gab es im Vergleich zu den ersten 45 Minuten weniger, dafür kam deutlich mehr Hektik auf. Nachdem der bereits mit gelb verwarnte FC-Kapitän Martin Spargl nach einem Foul an der Mittellinie von Schiedsrichter Philipp Alissa aus Lützelsachsen mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde, musste „Zuze zwo“ mit einem Spieler weniger auskommen, was sich aber zunächst nicht im Spiel bemerkbar machte. Beide Mannschaften lieferten sich zahlreiche Zweikämpfe und es entwickelte sich ein wahrer Abnutzungskampf. Nachdem der Unparteiische in der Folge vier Mal gelb für Gästespieler zückte, zog er sich immer mehr den Unmut der Zuze-Fans zu.
Chancen auf beiden Seiten
Nach einer Stunde hatte beide Teams gute Möglichkeiten zur Führung: Zunächst kam Rupp, auffälligster Spieler bei den Gastgebern, vor dem FC-Tor nicht richtig zum Abschluss (59.) und auf der anderen Seite verfehlte Nico Härle das Rohrbacher Tor nur knapp (61.).

Joker-Tor von Muth entscheidet das Spitzenspiel
Mit zunehmender Spieldauer wurde der SVR immer stärker und erspielte sich ein leichtes Übergewicht. Der Lohn: Nach einem tollen Steilpass von Luca Schinkmann setzte sich der eingewechselte Louis Muth im Laufduell gegen seinen Gegenspieler energisch durch und blieb vor dem Tor eiskalt und traf zur vielumjubelten 3:2-Führung für die Heger-Schützlinge (77.).
Zweiter Platzverweis für Zuzenhausen
Trotz aller Bemühungen gelang es den Grün-Weißen nicht mehr, den Rückstand zu egalisieren. In der hektischen Schlussphase dezimierten sie sich erneut, nachdem Adrian Gashi nach einem Foul an Adrian Neuberger mit Gelb-Rot vom Platz flog (86.).

Spitzentrio enger zusammengerückt
Schließlich blieb es beim etwas glücklichen, aber nicht unverdienten Heimsieg der Blau-Weißen, die jetzt punktemäßig mit Zuzenhausen gleichzogen. Türkspor Eppingen hat nach einem 6:2-Kantersieg über den TSV Kürnbach mit drei Punkten Vorsprung wieder die Pole-Position übernommen.
Während Zuzenhausen II am Sonntag den Vierten SG Waibstadt empfängt, gastiert der SVR zu gleicher Zeit um 15:30 Uhr beim heimstarken TSV Kürnbach.
Stimmen der Trainer:
„Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen“
FCZ-Coach Münster
Christoph Münster (FC Zuzenhausen): „Mit der Leistung meiner Mannschaft in der ersten Hälfte war ich zufrieden, nur hätten wir mehr aus unserer Überlegenheit machen müssen. Die beiden Gegentreffer waren von uns an den Gegner absolut geschenkt, hier hätte man viel besser verteidigen müssen. Spielerisch waren wir zwar die bessere Mannschaft, mussten uns aber in Unterzahl gegen einen starken Gegner erwehren. Es war dann ein Abnutzungskampf. Am Ende hat der Schiri durch einige Entscheidungen am Spielausgang großen Anteil gehabt. Er hat die gelben Karten sehr einseitig verteilt. Nach dem zweiten Platzvereis war das Spiel entschieden. Ein Unentschieden wäre heute gerecht gewesen. Die Niederlage wird uns nicht zurückwerfen. Abgerechnet wird erst am letzten Spieltag, da zählt es. Wir haben jetzt am Sonntag gegen Waibstadt wieder Gelegenheit die Niederlage wettzumachen.“
„Ich persönlich stufe den Sieg ehe als Momentaufnahme ein“
SVR-Trainer Heger
Joachim Heger (SV Rohrbach/S.): „Es war eine turbulente erste Hälfte mit wilder Anfangsphase. Das Tempo war brutal hoch, es ging hin und her. In der 2. Hälfte konnten wir vom ersten Platzverweis, der aus meiner Sicht gerechtfertigt war, wenig profitieren. Zuzenhausen hat in Unterzahl weiter mit seinen schnellen Spielern nach vorne Akzente gesetzt. Es wurde immer mehr zu einem Geduldspiel. Trotz Überzahl und wenig klaren Chancen haben wir dann durch einen tollen Spielzug den Siegtreffer erzielt. Ich persönlich stufe den Sieg eher als Momentaufnahme ein. Wichtig ist jetzt in Kürnbach gegen einen schwierigen Gegner zu bestehen. Unser Blick ist weiterhin nur von Spiel zu Spiel gerichtet. Daran wird sich auch nichts ändern.“

Weitere Stimmen zum Spiel:
„Der Schiedsrichter hat den Begriff “Unparteiischer“ nicht verdient“
Zuzenhausens ehem. Bürgermeister Steinbrenner
Dieter Steinbrenner (ehem. langjähriger Bürgermeister in Zuzenhausen): „Es war ein sehr gutes Kreisligaspiel mit viel Tempo. Bis zum ersten Platzverweis waren wir einen Tick besser als der Gegner. Der Schiedsrichter hat meiner Meinung nach den Begriff “Unparteiischer“ nicht verdient. Er hat oft sehr einseitig entschieden, was nicht im Sinne des Sports ist. Am Ende war dies mit entscheidend für den Spielausgang. Ein Unentschieden wäre das gerechtere Ergebnis gewesen.“
„Rohrbach hätte gegen elf Spieler niemals den Platz als Sieger verlassen“
Zuzenhausens ehem. Trainer Zuleger
Dietmar Zuleger (ehem. Trainer des FC Zuzenhausen): „Zuzenhausen hat es in der ersten Hälfte versäumt das Spiel in die richtige Richtung zu lenken. In der zweiten Hälfte hat das Spiel der Schiri entschieden. Beide Platzverweise hätte man nicht geben brauchen. Auch viele Entscheidungen waren einseitig ausgerichtet. Rohrbach hätte gegen elf Spieler niemals den Platz als Sieger verlassen.“

„Nach den Regeln musste ich so entscheiden“
Schiedsrichter Alissa
Philipp Alissa (Schiedsrichter aus Lützelsachsen): „Der erste Platzverweis an der Mittellinie war ein taktisches Foul und ist klar mit Gelb zu bestrafen. Der Spieler war schon verwarnt, daher musste ich ihn vom Platz schicken. Der Spieler hat die gelbe Karte auch mir gegenüber akzeptiert, nur als es ihm dann klar wurde, dass er schon verwarnt war, war er überrascht. Allgemein war es ein schnelles, intensives aber jederzeit faires Spiel. Dass Zuzenhausen enttäuscht ist, da ich gegen sie zwei Platzverweise aussprechen musste, kann ich verstehen. Nach den Regeln musste ich so entscheiden. Die beiden Platzverweise waren aus meiner Sicht am Ende spielentscheidend.“

„Wir haben es verpasst für klare Verhältnisse zu sorgen“
FCZ-Stürmer Zimmermann
Jacques Zimmermann (Zuzenhausens Torschütze zum 1:1): „Meine Auswechslung nach etwas über 50 Minuten war im Vorfeld aufgrund der Belastungssteuerung abgesprochen. Wir waren im ersten Abschnitt dominant, während Rohrbach nur lange Bälle auf seine Stürmer gespielt hat. Wir haben es verpasst in den ersten 45 Minuten für klare Verhältnisse zu sorgen. In Unterzahl wurde es für uns dann immer schwerer und so fiel dann auch der Siegtreffer für Rohrbach.“
„Der erste Platzverweis für uns war spielerisch gesehen kein Vorteil“
Rohrbachs 2. Vors. Marcus Mrasek
Marcus Mrasek (2. Vors. des SVR und zugleich Spielausschussmitglied): „Unsere Mannschaft hat heute eine tolle kämpferische Leistung gegen einen starken Gegner geboten. In der zweiten Hälfte waren wir das bessere Team, wobei der erste Platzverweis für uns spielerisch gesehen kein Vorteil war. Letztendlich haben wir dann verdient gewonnen, weil wir noch eine Schippe drauflegen konnten.“
Fotos: BWA