Emotionaler sechster Heimsieg in Folge mit Verabschiedung von Kaderabek und kroatischem Fanblock für Kramaric
Die TSG Hoffenheim hat zum Rückrundenauftakt vor heimischer Kulisse das direkte Duell um die internationalen Ränge gegen Tabellennachbarn Bayer 04 Leverkusen knapp, aber verdient mit 1:0 gewonnen. Die Kraichgauer kletterten nach dem frühen Siegtreffer des Holländers Wouter Burger in der 9. Spielminute per direkt verwandelten Freistoß vorerst – da Stuttgart erst am Sonntag gegen Union Berlin spielt – mit 33 Punkten hinter Bayern und Dortmund auf Platz 3. Wer hätte das zum Rückrundenauftakt nach der verkorkten letzten Saison für möglich gehalten? Angesichts der langanhaltenden Heimschwäche der letzten Jahre ist der sechste Heimsieg in Folge ebenso als außergewöhnlich anzusehen.

„Wir haben gezeigt, dass wir nicht zu Unrecht so weit oben stehen“
TSG-Cheftrainer Ilzer
Für TSG-Coach Christian Ilzer war es eine große Herausforderung gegen eine Spitzenmannschaft wie Leverkusen zum zweiten Mal in dieser Saison erfolgreich zu sein. Der Österreicher, der am Abend im ZDF-Sportstudio zu Gast ist, konnte zurecht stolz auf seine Truppe sein, die als kleine Belohnung für die beiden Siege gegen Gladbach und Leverkusen innerhalb von drei Tagen jetzt zwei trainingsfreie Tage erhielt: „Wir haben uns früh belohnt für eine starke Anfangsphase. Die Jungs haben sehr viel investiert, deshalb bin ich auch vollen Lobes. Für uns ist es wichtig, einen guten nächsten Schritt zu machen. Mit dem Sieg haben wir gezeigt, dass wir nicht zu Unrecht so weit oben stehen.“

Zum Spiel:
Frühe Führung nach starker Anfangsphase
Die TSG machte da weiter, wo sie beim begeisterten 5:1-Sieg gegen Mönchengladbach aufgehört hatte. Das Bayer-Team hatte große Probleme sich vom Anfangsdruck der Gastgeber zu befreien und ging früh in Rückstand. Burger schlenzte einen Freistoß aus fast 30 Metern aus rechter Position in den linken Torwinkel (9.). Bayer-Keeper Mark Flekken, der womöglich eher mit einer Flanke rechnete, sah dabei nicht sonderlich gut aus.

„Es war auch Glück dabei“
Torschütze Burger
Der Torschütze nach dem Abpfiff in der Mixed-Zone: „Freistöße habe ich heute morgen noch geübt, mit viel Tempo auf den zweiten Pfosten zu schießen, aber es war Glück dabei.“

Asllani und Prass mit Chancen zum 2:0
Die Blau-Weißen setzten nach und hatten durch Fisnik Asllani, der nach herrlichem Zuspiel von Burger frei vor dem Tor den Ball an Flekken nicht vorbeibrachte die große Möglichkeit zum 2:0 (12.). Mit zunehmender Spieldauer übernahm das Bayer-Team zwar die Spielkontrolle, konnte sich aber gegen eine kompakt und sicher stehende gegnerische Hintermannschaft keine zwingenden Chancen erspielen. Bis auf einen Schuss des auf der linken Seite stark spielenden Aleander Prass, den Keeper Flekken scheiterte (36.), gab es in Hälfte 1 keine zwingenden Chancen auf beiden Seiten.

Prass vergibt Megachance
Die erste Torchance im zweiten Abschnitt bot sich erneut den Nordbadenern, als zunächst ein Schuss von Vladimir Coufal von Flekken zur Seite abgewehrt wurde und im Nachschuss Prass aus kurzer Distanz etwas überhastet übers Tor schoss (52.).
Baumann verhindert den Ausgleich
Die dickste Ausgleichschance bis dahin machte Nationaltorhüter Oliver Baumann zunichte, als er einen Freistoß von Alejandro Grimaldo parierte und Patrick Schick den Nachschuss übers Hoffe-Tor drosch (68.). Zehn Minuten später entschärfte der für den verletzten Stammkeeper Flekken ins Spiel gekommene Janis Blaswich einen Lemperle-Schuss und der Nachschuss von Andrej Kramaric wurde von einem Verteidiger geblockt (78.).

Umkämpfte und spannende Schlussphase
In einer umkämpften und intensiv geführten Schlussphase lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch, ohne dass dabei trotz neunminütiger Nachspielzeit keine weiteren Treffer mehr fielen. So blieb es beim vielumjubelten knappen Heimerfolg der TSG, der die Ilzer-Truppe weiter auf einer Erfolgswelle reiten lässt. Bezeichnend für die bedingungslos und leidenschaftlich kämpfenden Hoffenheimer war, dass sie trotz 38:62%-Ballbesitz und 44:56%-Zweikampfquote mit 19:8 deutlich mehr Torschüsse und mit 129:122 km mehr Laufdistanz aufzubieten hatten.

„Wir wollen unser Niveau so lang es geht hochhalten“
TSG-Kapitän Baumann
Für TSG-Kapitän Baumann ist der aktuelle Erfolg der Lohn für intensive und harte Arbeit: „Wir haben alles reingeschmissen, was wir haben, aber auch guten Fußball gespielt. So darf es noch lange weitergehen. Wir wollen unser Niveau so lang es geht hochhalten.“

„Fußball macht uns als Mannschaft einfach Spaß“
Hoffenheims Matchwinner Burger
Für den Schützen des Tages Burger war es ein besonders wichtiger Sieg: „Fußball macht uns als Mannschaft einfach Spaß. Wir haben heute wieder Intensität auf den Platz gebracht.“

„Es war ein verdienter Sieg, auch wenn es ein enges Spiel war“
Leverkusens Trainer Hjulmand
Bayer-Trainer Kasper Hjulmand zeigte sich als fairer Verlierer: „Es war ein verdienter Sieg für Hoffenheim, auch wenn es ein enges Spiel war. Wir haben nicht unser bestes Spiel gezeigt. Wir haben heute nicht die richtigen Lösungen gefunden.“

Aufstellungen:
TSG Hoffenheim: Baumann – Coufal, Hranáč, Hajdari, Bernardo – Burger, Avdullahu – Kramarić (79. Moerstedt), Prass (79. Gendrey) – Asllani (69. Prömel), Lemperle (90. Bebou)
Bayer 04 Leverkusen: Flekken (60. Blaswich) – Andrich, Bade, Quansah – Garcia, Fernandez (46. Maza) – Arthur (46. Kofane), Grimaldo, Tillman, Poku (74. Tella/81. Hofmann) – Schick
Tor: Burger (9.)
Schiedsrichter: Schlager (Hügelsheim)
Zuschauer: 26.957
Nachbarschaftsduell bei der Eintracht
Nächsten Samstag ist die TSG Hoffenheim zu Gast bei der Frankfurter Eintracht. Anstoß in der Bankenmetropole beim Tabellensiebten ist am 24. Januar um 15:30 Uhr.

Emotionale Verabschiedung von Kaderabek
Vor dem Anpfiff gab es eine emotionale Verabschiedung. Nach 287 Pflichtspiele mit 19 Tore nahm die im vergangenen Sommer zu Sparta Prag gewechselte Vereinslegende Pavel Kaderabek offiziell Abschied von den Hoffe-Fans. Der tschechische Defensivspieler nutzte einen freien Tag seiner Mannschaft im Trainingslager im spanischen Marbella, um zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern einen Kurzbesuch in Sinsheim abzustatten. Bei seiner Abschieds- und Dankesrede vor der Südkurve flossen beim einstigen tschechischen Publikumsliebling einige Tränen.

„Es fiel mir nicht leicht“
Kaderabek zu seiner Verabschiedung
Kaderabek gegenüber bwa-sport.de: „Die Verabschiedung fiel mir nach über zehn Jahren nicht leicht. Ich dachte zunächst, dass es nach über einem halben Jahr nicht mehr so emotional werden würde, aber dem war nicht so. Deshalb flossen auch ein paar Tränen.“ Bei seinem neuen Verein läuft es für den 33-Jährigen nach eigener Aussage ganz gut: „Mir gefällt es in meiner Heimatstadt sehr gut und wir spielen international in der Conference-League. Dennoch werde ich die vielen schönen Jahre in Hoffenheim nie vergessen und immer ein Bestandteil des Vereins bleiben.“

Kramaric wird von 2.500 Landsleuten gefeiert
Für einen weitere Publikumsliebling war es auch ein besonderer Tag. Andrej Kramaric, der seit vergangenem Mittwoch kroatischer Rekordspieler der Bundesliga ist und mit inzwischen 303 Bundesliga-Einsätzen zur TSG-Legende avancierte, wurde von über 2.500 kroatischen Fans im Stadion gefeiert. Eine bislang einmalige und außergewöhnliche Geschichte. Mitorganisator war hierbei sein Landsmann Damir Suniic, der im Marketingbereich freiberuflich während des Spiels tätig ist und den Volountiers zur Seite steht. Er war es auch, der Sprachnachrichten der kroatischen Legenden Luka Modic und Ivan Perisic an den TSG-Rekordtorjäger über die beiden Stadionleinwände ausrichten ließ.

„Es ist einer der schönsten Tage meiner Karriere“
Kramaric zu seinem besonderen Tag
Ein sichtlich gerührter und emotionaler Kramaric bei seinem zehnjährigen Jubiläum im Kraichgau:„Es ist ein unglaublicher Tag für mich, dass so viele kroatische Fans heute hier waren. Aber auch unsere Kurve hat uns super unterstützt. Ich bin extrem stolz, ich wünsche, solche Tage würden ewig weitergehen. Es ist einer der schönsten Tage meiner Karriere. Es läuft kroatische Musik, ich bin seit zehn Jahren hier, das ist sehr emotional für mich.“ Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums erfuhr Kramaric eine besondere Ehrung. An der Stadionaußenwand hinter der Südkurve wurde sein Konterfei überdimensional neben Torhüter Baumann positioniert.

„Andrej weiß sich positiv in Szene zu setzen“
Trainer Ilzer
Für Trainer Ilzer ist Kramaric auf und neben dem Platz ein Vollprofi: „Andrej weiß es gekonnt sich mit den richtigen Mitteln und Möglichkeiten positiv zu präsentieren und in Szene zu setzen. Das war auch heute wieder der Fall. Von ihm können die jungen Spieler noch einiges lernen.“
Fotos: foto2press und BWA













