„Huub Stevens erinnert mich als Typ an Felix Magath“

Interview mit Kevin Kuranyi

Er kam als großer Hoffnungsträger aus dem entfernten Russland. Die beste Empfehlung waren 52 Länderspiele mit 19 Tore für Deutschland sowie 111 Tore in 261 Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart und FC Schalke 04. Beim Champions-League-Teilnehmer Dynamo Moskau kam er in fünf Spielzeiten auf 123 Ligaeinsätze und erzielte dabei 50 Treffer. Bislang konnte der 1,90 Meter große Zentralstürmer noch nicht die hohen Erwartungen im Kraichgau erfüllen. Die Umstellung auf die Bundesliga sowie die fehlende Fitness brauchten ihre Zeit. Jetzt fühlt sich der in Rio de Janeiro geborene, weitgereiste Fußballprofi fit für sein zunächst auf ein Jahr begrenztes Engagement im Bundesliga-Dorf Hoffenheim.

 

Hier der 1. Teil des Interviews mit bwa-sport.de – Teil 2 erscheint am Donnerstag

Der Urgroßvater stammt aus Dänemark, der Großvater aus Ungarn, die Mutter aus Panama und der Vater aus Frankreich. Sie selbst sind ist in Brasilien geboren, wuchsen in Panama auf und haben drei Staatsbürgerschaften: die brasilianische, die panamaische und die deutsche. Sie lebten bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Lateinamerika. Ein bewegtes Leben auf internationaler Bühne.
Kevin Kuranyi: Da sieht man, wie international ich bin, in wie vielen Ländern ich gelebt habe. Dadurch habe ich einiges gelernt und vieles hat mir auch bis heute sehr geholfen.

Das Flüchtlingsproblem ist in Europa allgegenwärtig. Wie beurteilen Sie als weitgereister, weltmännischer Mensch die Situation vor allem in Deutschland?
Kuranyi: Dies ist für alle eine sehr schwierige Situation. Deutschland bietet den Flüchtlingen ein teils vorübergehendes und auch dauerhaftes neues, sicheres Zuhause. Wenn man die Probleme in den Herkunftsländern lösen kann, denke ich, wird es für die meisten eher ein vorübergehender Aufenthalt sein. Das Ganze wird sich aber noch viele Jahre beanspruchen. Aufgrund der großen Masse von derzeit über einer Million Menschen, später mit Sicherheit noch mehr, ist es eine schwer zu lösende Aufgabe. Ich hoffe, dass wir das gemeinsam bewältigen können.

VfB Stuttgart, Schalke 04, Dynamo Moskau und jetzt 1899 Hoffenheim. Was unterscheiden Ihre letzten vier Stationen im Wesentlichen?
Kuranyi: In Stuttgart bin ich groß geworden, habe in der Jugend gespielt und bin zum Profi gereift. Nach dieser tollen Zeit konnte ich mich von der außergewöhnlichen Fußballbegeisterung beim FC Schalke 04 überzeugen. Dort wird 24 Stunden rund um die Uhr Fußball gelebt. Die erste ausländische Station war dann Moskau, wo alles etwas kleiner und überschaubarer war. In Russland kommen deutlich weniger Fans in die kleineren Stadien. Dennoch war es eine schöne Zeit, wo ich vieles für mich persönlich lernen konnte. Über meinen neuen Verein Hoffenheim kann ich aufgrund der kurzen Zeit noch relativ wenig sagen. Wir haben hier ein traumhaftes Trainingsgelände mit besten Bedingungen.

Wie große ist der Unterschied zwischen dem russischen zur deutschen Profifußball?
Kuranyi: Der Fanzuspruch ist völlig anders. Bei Derbys in Moskau kommen höchstens mal 20.000 Zuschauer. Der Eishockeysport ist dort der unangefochtene Volkssport.

Was hat sich während Ihrer fünfjährigen Abwesenheit in der Bundesliga gravierend verändert?
Kuranyi: Die fußballerische Qualität, die schnellere, intensivere Spielweise und das zunehmende mediale Interesse haben sich stark verändert. Hinzu kommen die neuen Stadien und wachsende Begeisterung.

Sicherlich hatten Sie sich Ihr Engagement im Kraichgau anders vorgestellt. Noch wenig Einsatzzeiten, dann der Trainerwechsel, jetzt eine defensivere Grundausrichtung.
Kuranyi: In den drei Monaten seit ich hier bin hat sich sehr vieles verändert. Der erhoffte Erfolg blieb noch aus, was einen Trainerwechsel zur Folge hatte.

Was ist Huub Stevens für ein Trainertyp?
Kuranyi: Er erinnert mich an meine früheren Zeiten, auch vom Typ her an einen Felix Magath. Seine Art der Ansprache, das harte Training sind Eigenschaften, die den jungen Spielern sehr helfen werden. Die Umstellung ist schon etwas groß. Der Körper muss sich noch an die härtere Belastung gewöhnen.

Fotos: Kraichgaufoto und BWA

Kuranyi im Duell mit dem ehem. Hoffenheimer David Abraham, Kuranyi kommt einen Schritt zu spät vor dem Frankfurter Tor, und Engagiert beim Training

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