Kann die TSG Hoffenheim ihre Erfolgsserie im Top-Spiel bei den Bayern fortsetzen?

Der Rekordmeister erwartet „Das beste Hoffenheim aller Zeiten“

Damit hatten selbst die kühnsten Optimisten vor Saisonbeginn nicht gerechnet, dass das Top-Spiel des 21. Bundesliga-Spieltages am Sonntag um 17:30 Uhr FC Bayern München gegen die TSG Hoffenheim heißen würde. Während die Bayern im bisherigen Saisonverlauf ihrer Favoritenrolle nach wie vor gerecht werden, überraschen die Kraichgauer, die in der vergangenen Saison bis zum Hals im Abstiegskampf steckten, auf einem überraschenden dritten Tabellenplatz. Die TSG auf Champions League-Kurs, das ist die Überraschung im bisherigen Saisonverlauf.

Spielszene aus der ersten Hoffenheimer Bundesliga-Saison 2008/09: Carlos Eduardo im Duell mit dem Münchner Bastian Schweinsteiger (re.). Im Hintergrund in der Beobachterrolle Luiz Gustavo.

Erinnerungen werden wach

Bei vielen Hoffe-Fans werden dabei Erinnerungen wach, als im Dezember 2008 der Dorfverein als Überraschungsaufsteiger und Tabellenführer an einem Freitagabend zum Top-Spiel gegen den Zweiten an die Isar reiste. Trotz der damaligen unglücklichen 1:2-Niederlage gegen die Münchner Star-Truppe erntete das Team von Trainer Ralf Rangnick bundesweit viele Sympathien. 18 Jahre später stehen sich beide Teams an gleicher Stelle erneut in einem Top-Spiel gegenüber, wenngleich mit etwas anderen Vorzeichen.

TSG-Fans im Oberrang
Zahlreiche TSG-Fans werden ihre Mannschaft wieder aus dem Oberrang der Münchner Arena am Sonntag anfeuern

Noch ohne Punktverlust in 2026

Mit 42 Punkten nach zwanzig Spieltagen hat die TSG einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison waren es zum gleichen Zeitpunkt nur 18 Zähler. Die Blau-Weißen haben als einziger Bundesligist in diesem Jahr noch keine Punkte abgegeben und mit fünf Siegen in Folge den Vereinsrekord eingestellt. Eine beeindruckende Bilanz.

Siege machen selbstbewusst

Natürlich gehen die Gastgeber, die in 23 der bisherigen 36 Liga-Duelle als Sieger vom Platz gingen, als klarer Favorit ins Spiel. Dennoch ist den Badenern durchaus eine Überraschung im mit 75.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Schlauchboot im Stadtteil Fröttmaning zuzutrauen. Voraussetzung ist eine Top-Leistung der nur vor Selbstvertrauen trotzenden Hoffenheimer vonnöten. Fakt ist aber auch: Um gegen die Bayern etwas zu holen, muss in diesem Spiel (fast) alles passen.

Grischa Prömel sieht sein Team nicht chancenlos gegen die Bayern

„Wir reisen nach München, um unseren Lauf fortzusetzen“

TSG-Profi Grischa Prömel

Siege machen Selbstbewusst, das machte TSG-Mittelfeldspieler Grischa Prömel nach dem 3:1-Heimerfolg am vergangenen Spieltag gegen Union Berlin deutlich: „Wir reisen nach München, um unseren Lauf fortzusetzen. Wir wissen natürlich, dass die Bayern ein Stück weit in ihrer eigenen Liga spielen. Trotzdem sind sie schlagbar. Man hat gesehen, dass Augsburg ihnen Paroli geboten hat. Es ist durchaus etwas möglich.“

Hoffenheims Defensivspieler Bernardo nimmt es im Hinspiel gleich mit mehreren Bayern-Spielern auf

Der Vorsprung schmilzt

Der FC Ruhmreich ist zuletzt leicht aus dem Tritt gekommen, hat etwas von seiner Dominanz und Überlegenheit eingebüßt. Der komfortable Vorsprung auf den Zweiten Borussia Dortmund ist von elf auf sechs Zähler geschrumpft. Das Team von Trainer Vincent Kompany blieb zuletzt erstmals in dieser Saison zwei Spiele nacheinander sieglos, holte gegen Augsburg (1:2) und den HSV (2:2) trotz Führungen nur einen von sechs Punkten. Können die Hoffenheimer womöglich hiervon profitieren und bei einem Überraschungscoup am Sonntag bis auf sechs Punkte an den FCB aufschließen? Eigentlich schwer vorstellbar, denn gerade in solchen etwas kniffligen Momenten, wenn die Bayern unter Druck geraten sind sie immer in der Lage mit einer Top-Leistung wieder für klare Verhältnisse zu sorgen.

Christian Ilzer wird seiner Mannschaft die richtige Herangehensweise für das Top-Spiel in München vermitteln

„Wir wagen es, groß zu träumen“

TSG-Coach Christian Ilzer

TSG-Trainer Christian Ilzer zeigte sich womöglich auch deshalb im Vorfeld der Partie zurückhaltend, ja fast schon demütigend: „Wir sind ein bodenständiger, kleiner Verein, der es wagt, groß zu träumen, aber auch die dementsprechende Haltung dazu hat. Wir haben auf viele unterschiedliche Spielstile eine Antwort, das ist auch eine Stärke. Wir werden weiter im Training auf hohem Niveau versuchen zu challengen, damit wir am Sonntag dazu fähig sind, unsere bestmögliche Leistung auf den Platz zu bringen.“ Die Vorfreude beim Österreicher ist groß: „Wir freuen uns auf ein Topspiel. Wir müssen einfach schauen, dass wir am Sonntag wieder bestmöglich performen, auf dem höchsten Level. Es wird eine Riesenherausforderung für uns.“

Andreas Schicker ist nach dem Ausscheiden von Tim Jost nun der einzige Geschäftsführer der TSG 1899 Hoffenheim Spielbetriebs GmbH

„Wir fahren mit einem besseren Gefühl nach München als im letzten Jahr“

Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker

Dass die Kraichgauer womöglich von der kleinen Minikrise der Bayern profitieren könnten, wollte TSG-Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker zwar nicht bestätigen, dafür notierte er nach dem Union-Spiel in der Mixed-Zone den Journalisten mit einem Lächeln im Gesicht in ihre Notizblöcke: „Ich kann nur sagen, dass ich mit einem besseren Gefühl nach München fahre als im letzten Jahr. So viel kann ich sagen.“

Hoffenheims Fisnik Asllani sieht sich in dieser Szene gleich drei Bayern-Spielern gegenüber

Deutlicher Leistungsschub

Während die Nordbadener im September 2025 bei der 1:4-Hinspielniederlage gegen den Rekordmeister wenig dagegensetzen konnten, wirken sie ein halbes Jahr später deutlich reifer, entschlossener und stärker. Die Ilzer-Truppe ist in ihrer Spielanlage gefestigter, hat sich spielerisch und kämpferisch enorm verbessert.

Kramaric trifft gegen die Bayern besonders gerne

Einer, der hierzu einen erheblichen Beitrag geleistet hat, ist Offensivspieler Andrej Kramaric. Der mit acht Saisontreffern erfolgreichste TSG-Schütze hat einen hervorragenden Lauf und trifft aus allen Lagen. So auch gegen die Berliner, als er mit einem Doppelpack innerhalb von nur drei Minuten den Grundstein für den siebten Heimerfolg in Serie legte. Gegen die Bayern trifft der Kroate mit bislang acht Treffern besonders gerne. Kein Wunder, dass man beim FCB schon einmal ernsthaft über seine Verpflichtung als Backup-Stürmer nachgedacht hatte. Der Hoffenheimer Publikumsliebling blieb jedoch der TSG treu und rangiert mit 134 Bundesliga-Toren auf Platz 23 der ewigen Torschützen. Unter den internationalen Akteuren belegt er hinter den beiden ehemaligen Bayern-Torjägern Robert Lewandowski (312) und Claudio Pizarro (197) den dritten Rang.

Die Siegesfaust nach oben gereckt. Für Andrej Kramaric läuft es seit Wochen blendend. Kann der Kroate seine Top-Form in München erneut unter Beweis stellen?

„Es ist alles möglich und wir können auch dort Punkte holen“

TSG-Torjäger Andrej Kramaric

Der wortgewandte 34-Jährige zeigt sich vor dem Duell mit dem Meister optimistisch: „Ich glaube, dass sie uns sehr ernst nehmen werden. Es wird ein Topspiel, und ich freue mich extrem darauf wieder dort zu spielen. Wir werden alle hoch motiviert, aber ich hoffe nicht über motiviert sein. Wir müssen klar sein, wie in den letzten Wochen, dann können wir auch zeigen, zu was wir in der Lage sind gegen die vielleicht beste Mannschaft der Welt. Wenn wir frei aufspielen, mutig und ohne Angst sind, motiviert auftreten und eine Topleistung wie in den letzten Wochen zeigen, dann ist alles möglich und wir können auch dort Punkte holen.“

„Das beste Hoffenheim aller Zeiten“

Beim Aufeinandertreffen der beiden laufstärksten Teams ist einiges zu erwarten. Hoffenheim ist in der aktuellen Form womöglich das einzige Bundesliga-Team, das dem Tabellenführer gefährlich werden kann. Wenn es der TSG gelingt mit dem Rückenwind aus den vergangenen Wochen die Partie bis zum Ende spannend zu halten und mindestens einen Punkt aus München zu entführen, wäre dies sicherlich ein toller Erfolg. Nicht zu unrecht stellen die Bayern beim Gegnercheck auf ihrer Homepage die Kraichgauer als „Das beste Hoffenheim aller Zeiten“ vor!

Fotos: Kraichgaufoto, foto2press und BWA

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