„In meinem Alter ist es normal, eine Führungsrolle zu übernehmen“

Sandhausens Neuzugang Daghfous kocht leidenschaftlich gerne

Der 30-jährige Nejmeddin Daghfous ist einer von neun Neuzugängen des SV Sandhausen für die am Wochenende gestartete Zweitligasaison 2017/18. Er kam vom Absteiger Würzburger Kickers an den Hardtwald und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. bwa-sport.de unterhielt sich vor dem ersten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 mit dem aus Kassel stammenden Mittelfeldspieler.
Der SVS kassierte in Kiel in der letzten Minute den Ausgleichstreffer. Wie haben Sie dies weggesteckt?
Nejmeddin Daghfous:
Die verdiente 2:0-Führung dürfen wir einfach nicht aus der Hand geben. Kiel hat viel mit langen Bällen agiert, was wir besser hätten verteidigen müssen. Dass man in der Nachspielzeit ein Freistoßtor kassiert, passiert auch nicht alle Tage.

Müssen eine Schippe drauflegen

Mit Ingolstadt kommt heute einer der Aufstiegsfavoriten an den Hardtwald.
Daghfous:
Mit Ingolstadt kommt im Gegensatz zu Holstein Kiel ein anderer Gegner auf uns zu, für den wir eine Schippe drauflegen müssen. Sie sind mit einer Niederlage in die Saison  gestartet und haben wahrscheinlich mehr Druck als wir. Der FCI wird mit seiner vorhandenen hohen Qualität auf Sieg spielen, und darauf müssen wir uns wie gesagt einstellen.

Nejmeddin Daghfous ist der einzige Sandhäuser Neuzugang aus Liga 2

"Beim SV Sandhausen hat alles gepasst"

Sie sind ein Wunschspieler von Kenan Kocak – was war sonst ausschlaggebend für den Wechsel?
Daghfous:
Es hat alles gepasst, vor allem, dass der Trainer hinter mir steht. Es spielt im Fußball eine große Rolle, dass man zu einem Verein wechselt, wo man auch gefragt ist. Die Region hier ist auch super.

Wie ist Ihr Eindruck nach einigen Monaten von den neuen Mitspielern, dem Verein, der Infrastruktur?
Daghfous:
Die Mannschaft ist super, der Teamgeist Top, und man kann hier in Ruhe arbeiten. Ich komme aus Würzburg, wo die Infrastruktur noch nicht so weit war, deswegen bin ich zufrieden.

"Es lief alles gegen uns"

Bei den Würzburger Kickers folgte einer tollen Vorrunde, in der Sie ein Tor und sieben Vorlagen in den ersten neun Spielen beisteuerten, eine sehr enttäuschende Rückserie. Wie ist das zu erklären?
Daghfous:
Das lief ziemlich unglücklich. In der Rückrunde war ich die ersten fünf, sechs Spiele verletzt, was der Mannschaft auch nochmal geschadet hatte. Dann kommt man in einen Negativstrudel rein, wo man nur schwer raus findet, und schließlich kam noch die Verletzung unseres Stammtorhüters Robert Wulnikowski dazu. Dass man nach so einer Vorrunde absteigt, kam wohl nicht so oft vor in der Fußball-Geschichte, aber es lief alles gegen uns. Es war eine extrem bittere Pille für mich, den Verein, die Stadt, den Trainer. Das hatte keiner von uns verdient, denn wir haben in den letzten Jahren eine super Arbeit geleistet. Dass man nach drei Aufstiegen die Liga so wieder verlässt, ist bitter.

Akrobatische Einlage von Dagfous (i.)

Sehe mich als Führungsspieler

Sie sind als Ersatz für Flügelspieler und Leistungsträger Thomas Pledl gekommen. Sehen Sie sich als Führungsspieler beim SVS?
Daghfous:
Ich denke, in meinem Alter ist es selbstverständlich, dass man eine Führungsrolle übernehmen sollte. Ich werde versuchen, mit meinen Fähigkeiten der Mannschaft weiterzuhelfen und mich den Jungs auch anzupassen. Dann haben wir eine gute Truppe, um das angehen zu können.

Bei Tanz und Gesang sich vorgestellt

Gab es für Sie auch ein Aufnahmeritual in der Mannschaft?
Daghfous:
Bei uns muss jeder tanzen und singen (lacht).

Wo liegen Ihrer Meinung nach Ihre Stärken und Schwächen?
Daghfous:
Schwer zu sagen, dazu fragt man besser den Trainer (lacht). Ich sehe meine Stärken eher im Duell Eins gegen Eins.

SVS ist ein gestandener Zweitligist

Nach der positiven Vorbereitung ist die Erwartungshaltung beim SVS groß.
Daghfous:
Die Vorbereitung lief super, aber das darf man nicht überbewerten - da gab es schon genug Beispiele im Fußball. Der SVS hat jetzt schon fünf Jahre bewiesen, dass er ein gestandener Zweitligist, ist, und darauf muss man aufbauen und versuchen, das Bestmögliche rauszuholen.

WM-Teilnahme wäre ein Traum

Sie besitzen die deutsche und die tunesische Staatsangehörigkeit und waren im vorläufigen tunesischen Aufgebot für die Afrikameisterschaft 2017. Träumen Sie von einer WM-Teilnahme mit Tunesien?
Daghfous:
Das wäre ein Traum. Wer möchte nicht gern an einer WM teilnehmen, aber das ist noch weit weg. Nichts desto trotz ist alles möglich.

Gibt es sportliche Vorbilder?
Daghfous:
Vorbilder hat man viele, aber ich hatte schon von klein auf Zinedine Zidane als Vorbild. Er hat es als Spieler und jetzt auch als Trainer bewiesen, was er kann, deswegen kann man sich da schon viel abschauen.

Notleidenden Menschen zu helfen ist wichtig

„Save Syria“ ist Ihnen ein großes Anliegen.
Daghfous:
Es ist generell wichtig, dass man Menschen unterstützt, die im Krieg leben und wenig Hilfe bekommen. Die ganzen Zivilisten, die darunter leiden, können nichts für die Politik, die um sie herum passiert.

Was machen Sie gerne in der Freizeit?
Daghfous:
Ich koche gerne für Freunde, wenn ich Besuch habe. Das ist ein Hobby von mir. Und ich esse auch liebend gern (lacht).

Fotos: BWA

Enge Ballführung, Waches Auge, und Ballsicherheit

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