Oben zu stehen kann auch zur psychischen Belastung werden

Nagelsmann sieht HSV definitiv stärker als das Tabellenbild

TSG-Coach Julian Nagelsmann tat bei der heutigen Pressekonferenz zum bevorstehenden Heimspiel am Sonntag (15:30 Uhr) gegen den Hamburger SV alles dafür, dass ja keiner auf die Idee kommt, das Tabellenschlusslicht zu unterschätzen. Nagelsmann: „Der HSV ist eine gefährliche Mannschaft mit guten Einzelspielern. Man sagt ja, dass die Tabelle nicht lügt, und die Hamburger haben lediglich zwei Punkte, aber sie sind definitiv stärker als der Blick auf die Tabelle vermuten lässt. Wir werden die Hamburger, die mit dem Rücken zur Wand stehen, auf keinen Fall unterschätzen.“

Gisdol und Nagelsmann geben gemeinsam die Richtung vor

„Gisdol hat beim HSV schon einiges verändert“

Er sparte auch nicht mit Lob an seinem Vor-Vorgänger, der jetzt das Trainer-Zepter, wenngleich noch ohne zählbaren Erfolg, an der Elbe schwingt. Nagelsmann: „Markus Gisdol hat beim HSV schon einiges verändert und bewirkt. In den Spielen unter seiner Leitung hat man schon gesehen, wo es hingehen soll. Sie gehen früh drauf, verteidigen hoch und schalten schnell um - das sind alles Dinge, für die er steht. Die vergangenen Spiele sind mit den Roten Karten nicht glücklich für sie gelaufen - das muss man berücksichtigen.“

„Unter Gisdols war es sehr intensiv, spannend und emotional"

Nagelsmann kann sich noch allzu gute an die Zeit erinnern, als er als U19-Coach unter Gisdol in der Saison 2012/13 für zwei Monate und neun Spiele zum Bundesliga-Co-Trainer aufstieg: „Die damalige Zeit war sehr intensiv, spannend und emotional. Wir kämpften um den Abstieg und mussten in die Relegation. Ich konnte einiges von ihm für meine Arbeit übernehmen. Vor allem seine flammenden Ansprachen fanden wir als Co-Trainer damals sehr gut.“
Auch wenn sich die Beiden sehr gut kennen, bleibt wenig Zeit für Kontaktaufnahmen. Nagelsmann: „Ich habe ihm geschrieben und gratuliert, als er den Posten beim HSV aufgenommen hat. Doch zu mehr hat es bisher noch nicht gereicht.“

Pirmin Schwegler beim Kopfballduell gegen den HSV

„Hoffe erzieht die Karre wieder aus dem Dreck“

Der TSG-Coach kann sich sehr wohl in die Situation von Gisdol hinein versetzen: „In einer Medienlandschaft wie Hamburg bekommt er wenig Zeit, daher wünsche ich ihm viel Erfolg und dass er die Karre wieder aus dem Dreck zieht - aber natürlich erst nach unserem Spiel am Sonntag.“

Keine Personalprobleme

Bis auf den Langzeitverletzten Pirmin Schwegler sind alle Spieler fit. Nagelsmann ließ offen, ob Stürmer Mark Uth bereits ein Kandidat für den Kader am Sonntag ist: „Mark trainiert seit einer Woche wieder mit der Mannschaft, war davor sechs Wochen raus. Wir schauen, wie er sich am Freitag und Samstag präsentiert, um dann in Ruhe eine Entscheidung zu treffen.“

Oben zu stehen ist eine psychische  Belastung

Der TSG-Coach hat bei seiner Mannschaft in der zurückliegenden Länderspielpause keinen Übermut und kein Laissez-faire gespürt: „Die Jungs wollten seither Spiele gewinnen und das wollen sie auch weiterhin. Oben zu stehen ist eine psychische  Belastung, doch damit können wir umgehen. Wir wollen alle unsere Leistungen bestätigen und zeigen, dass das keine Eintagsfliege ist. Das ist ein positiver Druck, aber es ist eben Druck. Wir müssen den Kopf frei behalten. Wenn man sieht, wo wir herkommen, spielen wir bisher eine sehr gute Saison.“

Foto: Kraichgaufoto

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