Sandhausen wird nichts mit dem Abstieg zu tun haben

Fünf Fragen an fünf Experten zum SVS

Am Samstag startet der SV Sandhausen in die Zweitliga-Rückrunde 2016/17 in Düsseldorf. Die Kurpfälzer, einer der potenzielen Abstiegskandidaten zu Saionstart, zählen nach 17 Spielen mit 24 Punkten auf Tabellenplatz zehn zu den bisherigen Überraschungsmannschaften. bwa-sport.de hat fünf Experten fünf Fragen zum weiteren Abschneiden des SV Sandhausen gestellt. Das Ergebnis fiel durchweg positiv aus.
Unsere Expertenrunde:
Ronny Zimmermann (55)  – DFB-Vizepräsident, BFV-Präsident, Beruf: Rechtsanwalt
Ulli Potofski (64) – Sportmoderator, berichtet für den Bezahlsender Sky des Öfteren über den SVS
Gerd Dais (53) – Trainer SV Waldhof Mannheim, ehemaliger Spieler und Trainer des SVS
Karlheinz Förster (58) – Spielerberater, ehemaliger Fußballprofi, Vize-Weltmeister
Peter Hofmann (57) – Präsident TSG Hoffenheim, Beruf: Elektromeister

Wie fällt Ihr Hinrunden-Fazit über den SV Sandhausen aus?

Zimmermann: Positiv, sehr positiv sogar. Aufgrund des kurzfristigen Trainerwechsels vor der Saison muss man mit dem bisherigen Saisonverlauf mehr als zufrieden sein. Erfolgreicher Fußball, der auch überwiegend sehr schön anzuschauen war. Trainer Kenan Kocak als Neuling in der 2. Liga hat sich mit einem unglaublichen Elan in die Aufgabe eingebracht und einen super Job gemacht.

Potofski: Nach den ersten Spielen war ich etwas besorgt, da lief es noch nicht gewohnt rund. Aber unglaublich, wie das Team sich dann gefunden hat. Respekt vor der Leistung von Trainer und Mannschaft, die unheimlich schnell zueinander gefunden haben.

Förster: Nach dem kurzfristigen und unerwarteten Trainerwechsel von Alois Schwartz zu Kenan Kocak ist es erstaunlich, wie schnell sich die Mannschaft damit zurecht gefunden hat. Das positive Abschneiden in der ersten Saisonhälfte ist auch ein großer Verdienst des ehemaligen waldhof-Trainers Kocak. Der SVS ist im Soll und hat sich ein kleines Polster zu den Abstiegsrängen erarbeitet.

Dais: Für mich hat der SV eine sehr gute Halbserie gespielt. Die Mannschaft hat sich gegen die starke Konkurrenz der Zweiten Liga überraschend gut behauptet. Auch im DFB-Pokal sorgt der SVS nach dem Überraschungserfolg in Freiburg nun gegen Schalke 04 weiter für Schlagzeilen.

Hofmann: Der SV Sandhausen hat eine überraschend positive Hinserie gespielt. Mit etwas Glück wäre durchaus sogar Platz fünf zur  Winterpause möglich gewesen. Jetzt gilt es diese Leistungen zu festigen.

Unser Expertenteam von links: Gerd Dais, Karlheinz Förster, Peter Hofmann, Ulli Potofski und Ronny Zimmermann

Was trauen Sie der Mannschaft in der Rückrunde zu?

Dais: Die Mannschaft kann in der Rückrunde sicher noch den einen oder anderen Tabellenplatz gut machen. Das Potenzial dafür ist auf alle Fälle vorhanden. Sollte im Pokal gegen Schalke 04 eine Sensation gelingen, würde dies der Mannschaft einen zusätzlichen Schub geben.

Hofmann: Die Mannschaft hat aufgrund des zur Verfügung stehenden Spielerkaders und der guten Arbeit des Trainerteams die Qualität am Ende zwischen Platz vier und sechs zu landen. Da müsste dann aber alles passen. Da die Konkurrenz im oberen Tabellendritten besonders  groß ist, wird es nicht einfach werden.

Potofski: Wenn die Mannschaft die Leistungen der Hinrunde weiter stabilisieren kann - was ich auch glaube - wäre es optimal. Ich erwarte auf alle Fälle keinen Leistungseinbruch in der Rückrunde, wie es in der Vergangenheit schon häufiger der Fall war.

Förster: Ich traue der Mannschaft zu, dass sie ihre jetzige Position halten kann und sich von den Abstiegsregionen fernhält. Das zur Verfügung stehende Personal und die gute Trainerarbeit sprechen eindeutig dafür.

Zimmermann: Ich glaube schon, dass mit dem Team noch der ein oder andere Entwicklungsschritt möglich ist. Deshalb würde ich tippen, dass es noch den einen oder anderen Tabellenplatz nach oben gehen kann.
 

Kann ein kleiner Verein wie der SVS längerfristig im Profifußball überleben bzw. sich dauerhaft der Konkurrenz der großen Traditionsvereine erwehren? 

Förster: Die Verantwortlichen und die vielen ehrenamtlichen Helfer machen am Hardtwald einen tollen Job. Otmar Schork gelingt es von Jahr zu Jahr als sportlicher Leiter einen schlagkräftigen Spielerkader zusammen zu stellen und Präsident  Jürgen Machmeier sorgt engagiert für die finanziellen Mitteln, damit sich die Kurpfälzer inzwischen in der 2. Liga etabliert haben. Der familiäre Charakter und Zusammenhalt sind ein weiterer Erfolgsgarant für den SVS im Konkurrenzkampf.

Zimmermann: Es ist schwierig, aber es geht. Clubs wie der SC Freiburg mischen auch seit Jahren im Konzert der Großen mit. Eine gute Strategie, Konsequenz und Kompetenz sind gefordert, um die Wettbewerbsnachteile wie  z.B. bei der Infrastruktur auszugleichen. Der SVS hat ja bereits hinlänglich bewiesen, dass das notwendige Rüstzeug für die Bewältigung dieser Mammutaufgabe vorhanden ist.

Hofmann: Der SVS hat eine sehr große Tradition und war schon immer im Blickpunkt des deutschen Fußballs. Der Verein machte immer wieder Furore im DFB Pokal, viele ehemalige Sandhäuser Spieler hatten eine Karriere im Profifußball. Präsidium und Management können  langfristig Profifußball für die Region bieten, auch dank der guten Arbeit im Marketingbereich.

Potofski: Es ist alles andere als einfach, aber Sandhausen kann es schaffen, wenn man kreativ ist und seiner Linie treu bleibt. 

Dais: Die Kurpfälzer haben sich mittlerweile in der 2. Liga etabliert und sind einen guten Namen, nicht nur im Fußballkreis, gemacht. Der SVS überzeugt schon seit Jahren durch solides Wirtschaften und sportlich gute Leistungen. Viele Traditionsvereine würden sicherlich gerne mit Sandhausen tauschen.

Trainer Kenan Kocak hat dem SVS deutlich mehr spielerische Linie verliehen

Was unterscheidet Sandhausen von den anderen Zweitligakonkurrenten?

Hofmann: Da fällt mir zu allererst  das familiäre Miteinander im Verein und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter ein. Sie sind schon immer ein großes Plus der Kurpfälzer gewesen.

Dais: Die Spieler wissen den familiären Charakter am Hardtwald zu schätzen. Sie danken es mit   entsprechenden positiven Leistungen. Das war zu meiner damaligen aktiven Zeit schon der Fall.

Zimmermann: Ganz offenkundig sind beim SV die wichtigsten Mitarbeiter allesamt eingefleischte Anhänger des Clubs und bereits seit Jahren oder Jahrzehnten mit von der Partie, echte Sandhäuser wenn man es so formulieren möchte. Zudem wird noch sehr viel ehrenamtlich abgewickelt, was im Profifußball nicht mehr so häufig vorkommt.

Potofski: Es kommt alles etwas einfacher und menschlicher rüber. Das ist ein klarer Pluspunkt.

Förster: Ganz klar der familiäre Zusammenhalt sowie die vielen ehrenamtlichen Helfer, die heute keine Selbstverständlichkeit mehr sind. Hinzu kommt, dass die Erwartungshaltung nicht ganz so groß ist, wie bei vielen anderen Klubs. Außergewöhnlich auch, dass sich ein Verein in einem Ort mit etwas über 14.000 Einwohnern mit bescheidenen finanziellen Mitteln nun schon im fünften Jahr in der 2. Liga hält.

Wo werden die Kurpfälzer am Saisonende in der Tabelle landen?

Potofski: Irgendwo zwischen Platz 11 und 15 - hoffentlich ohne Abstiegsangst.

Förster: Wenn sie weiter so wie bisher spielen werden sie nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben und sich im Mittelfeld positionieren.

Dais: Ich tippe mal Platz acht. Das wäre ein toller Erfolg.

Zimmermann: Ich lege mich mal auf Platz 8 fest. Einstellig - das wäre ein klasse Saisonabschluss.

Hofmann: Ich traue ihnen eine Positionierung zwischen Platz sechs und acht am Saisonende zu.

 

Fotos: Kraichgausport und BWA

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