Ein außergewöhnlicher, beispielloser Werdegang des TSG-Stürmers
Haris Tabaković hat im Leben wie in der sportlichen Karriere besondere Wege eingeschlagen. Der Angreifer stammt aus einer bosnischen Flüchtlingsfamilie, ist in der Schweiz geboren und absolvierte eine Banklehre, bevor er sich dem Profi-Fußball widmete. Im Interview mit dem TSG-Vereinsmagazin SPIELFELD spricht der 30-Jährige über eine Schlüsselerfahrung seiner Karriere – aber auch sehr privat über seine Kindheit sowie die Bedeutung von gelungener Migration, harter Arbeit und Disziplin.

„Du musst alles für deinen Traum investieren“
Haris Tabakovic
Haris Tabaković hat einen besonderen Karriereweg eingeschlagen. Als Top-Talent absolvierte er parallel zum Fußball eine Ausbildung bei einer Bank. „Das hatte für meine Familie damals eine höhere Bedeutung“, erklärt der Stürmer. „Ich war um acht Uhr im Anzug auf der Arbeit, immer einer der Ersten, da ich ja spätestens um 16 Uhr los musste. Dann nach Hause rennen, Anzug aus, das Brötchen von meiner Mutter einpacken, in den Zug nach Bern, trainieren und abends wieder gegen 22 Uhr nach Hause.“ Er hätte den konservativen Weg einschlagen können, der seine Eltern „damals sogar glücklicher gemacht“ hätte. Doch er entschied sich, auf die Karte Fußball zu setzen. „Du musst raus aus deiner Komfortzone und musst alles für deinen Traum investieren.“

Unendliche Dankbarkeit
Harte Arbeit und Disziplin wurden ihm in die Wiege gelegt, denn seine Eltern mussten noch vor seiner Geburt eine schwierige Entscheidung treffen. Sie flüchteten vor dem Balkan-Krieg in die Schweiz, als seine Mutter mit Haris schwanger war. „Dass man im Alter von etwa 30 mit einem Kleinkind und einem Ungeborenen in ein Land geht, in dem man die Sprache nicht spricht und alles aufgibt, obwohl man studiert und seine eigene Firma hatte. Dann mit Gartenarbeit und ähnlichem über die Runden zu kommen, damit man den Kindern ein neues Leben ermöglicht, ist gar nicht in Worte zu fassen. Dafür bin ich unendlich dankbar.“

„Wenn man sich nicht integriert, funktioniert es nicht“
Haris Tabakovic
Die Familie Tabaković integrierte sich in der Schweiz und könnte getrost als Paradebeispiel für eine gelungene Integration herhalten. „Es ist schon wichtig, zu verstehen, wie – in meinem Fall – die Schweizer ticken, welche Interessen sie haben. Wenn einen das nicht interessiert, wenn man sich nicht integriert und stattdessen denkt: ‚Ich bin Ausländer, Bosnier, Türke oder was auch immer‘, funktioniert es nicht“, sagt der 30-Jährige. „Jeder kann gern so sein wie er möchte, aber er muss sich im neuen Land integrieren, in das dazugehörige System und die Gesellschaft. Das habe ich immer verinnerlicht und diese Einstellung hat mir sehr geholfen.“

„Ich habe das Vertrauen in meinen Körper zurückgewonnen“
Haris Tabakovi
Die fußballerische Karriere von Haris Tabaković verlief nicht geradlinig, an einem Scheideweg war plötzlich sogar die Rückkehr zur Bank-Laufbahn ein Thema. Im Alter von 26 war der Stürmer vereinslos, lediglich eine Anfrage vom österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau lag auf dem Tisch. „Es war aber ein entscheidender Punkt: Entweder schaffe ich den Turnaround oder ich gehe zurück in die Schweiz ins Arbeiterleben. Am Ende war es der wichtigste Step in meinem Leben. Ich habe das Vertrauen in meinen Körper zurückgewonnen, ich habe gespielt und wieder Freude am Fußball gehabt. Zudem habe ich in dieser Zeit meine Frau kennengelernt.“
Den Bundesligatraum erfüllt
Tabaković wird Torschützenkönig, wechselt zu Austria Wien, von da aus weiter zu Hertha BSC, wird abermals Torschützenkönig und erfüllt sich daraufhin bei der TSG Hoffenheim den Traum von der Bundesliga.

Würdigung für Hopp anlässlich seines 85. Geburtstag
Zudem in der aktuellen Ausgabe von SPIELFELD: DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig würdigt Dietmar Hopp anlässlich seines 85. Geburtstags, Tom Bischof blickt vor seinem Wechsel zum FC Bayern München auf seine Zeit bei der TSG zurück und der Weg der U23 in Richtung 3. Liga wird erklärt. Außerdem wurde der Spargel- und Beerenhof von TSG-Fan Klaus Schröder in Reilingen besucht und die Co-Trainer der U19 wurden einen Tag bei ihrer Arbeit begleitet. Das alles und vieles mehr auf der 108-Seiten umfassenden Ausgabe.
PM: TSG Hoffenheim
Fotos: Kraichgaufoto