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„Hätte mir Kritik und Widerstand der TSG zum Re-Start gewünscht"
Behinderten-Fanbeauftragter "Charly" Mildenberger beendet seine Tätigkeit
Dienstag, 19. Mai 2020

Michael „Charly“ Mildenberger ist leidenschaftlicher Fan der TSG Hoffenheim. Er war schon von Jugend an fußballbegeistert. Als er mit seinen Eltern im Alter von 7 Jahren vom Geburtsort Bruchsal nach Sinsheim-Dühren zog, schloss er sich dort der Jugendabteilung des TSV Dühren an. Der heute 54-jährige Heilerziehungspfleger und Vater dreier Kinder ist seit 2008 ehrenamtlich als Behinderten-Fanbeauftragter der TSG Hoffenheim tätig. Zuvor gründete er zusammen mit einigen Wegbegleitern den „Integrativen TSG 1899 Hoffenheim-Fanclub“. Der sehr umtriebige und engagierte Mildenberger überraschte jetzt mit seiner Ankündigung, seine jahrelange, vorbildliche Tätigkeit bei der TSG zu beenden. Seine Gründe hierfür geben Anlass zum Nachdenken. bwa-sport.de hat sich mit ihm darüber unterhalten.

Kann die Entscheidung der DFL emotional nicht mitgehen

Die Ankündigung am 16.5. „Charly sagt tschüss – Danke für alles - macht´s gut“ überraschte viele. Was sind Deine Beweggründe, nach über elf Jahren Behindertenbetreuung bei der TSG Hoffenheim die Tätigkeiten zu beenden?
Michael Mildenberger:
Als Mitarbeiter im sog. „systemrelevanten Bereich“ erlebte ich heftige Wochen, die ja noch nicht vorbei sind. Den neuen Weg der Deutschen Fußball-Liga (DFL), in der aktuellen Situation jetzt schon mit dem Spielbetrieb in den Profiligen zu starten, kann ich emotional nicht mitgehen. Ich bin stolz auf die Werte, welche die TSG Hoffenheim seit Jahren innovativ vertritt und umsetzt, welche aber derzeit in den Hintergrund zu rücken scheinen - wohl auch den wirtschaftlichen Zwängen anderer Clubs geschuldet.

Daumen hoch - Charly Mildenberger blickt trotz Enttäuschung positiv nach vorn

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Es war ein ständiges Wechselbad

Du warst vor allem für Menschen mit diversen Einschränkungen und Handicaps ein Ansprechpartner für Sorgen und Nöte. Was zählte zu Deinen Aufgaben rund um die TSG?
Mildenberger:
Informant, Ticketmanager und Seelentröster - um es mal platt auszudrücken. Es war ein ständiges Wechselbad zwischen strukturellen, funktionellen und vor allem menschlichen Anforderungen. An Spieltagen sind zum Glück mit dem „Team Barrierefrei“ weitere kompetente Unterstützer am Start.

Man sieht vieles mit anderen Augen

Was ist es für ein Gefühl, für behinderte Menschen dazusein und zu erleben, wie sehr sie sich für den Fußball begeistern und so Alltagssorgen vergessen lassen?
Mildenberger:
Es ist schwer zu beschreiben für Menschen, die ein solches Miteinander nicht erleben dürfen / können / wollen – Freude und Respekt jedenfalls für deren oft spontane Unbekümmertheit. Man wird etwas demütig und sieht vieles mit anderen Augen. Es ist auf alle Fälle sehr bereichernd.

Ich könnte ein Buch darüber schreiben

In den zurückliegenden Jahren bei der TSG gab es sicherlich ganz besondere, unvergessliche Momente. Welche bleiben für Dich ganz besonders in Erinnerung?
Mildenberger: Ich könnte darüber ein Buch schreiben. Es gab so viele schöne Momente, ich lernte viele interessante Menschen, allen voran Dietmar Hopp kennen. Der Besuch von Schlagersänger Guildo Horn war recht speziell, sportlich gesehen der wichtige Auswärtssieg am letzten Spieltag 2013 in Dortmund, durch den wir uns in die Relegation gerettet hatten. Auf der Busfahrt nach Dortmund hatte ich damals schon den Platzverweis von Torhüter Roman Weidenfeller vorausgesagt.

Der demographische Wandel macht mir Sorgen

Du warst auch für die Verteilung der Plätze im Rollstuhlbereich "Wir rocken und rollen für Hoffe" der Arena verantwortlich. Die Nachfrage hier ist nach wie vor besonders groß.
Mildenberger:
Ja, vor allem bei Topspielen müssen viele draußen bleiben, aber das gilt ja auch für die sog. „Normalos“ - auch das ist eine Art „Inklusion“. Viel mehr macht mir da der demographische Wandel Sorgen, denn der Bedarf an „besonderen Infrastrukturen“ auch in den Stadien steigt, wenn man der älteren Generation weiterhin eine Teilhabe ermöglichen möchte.

Charly Mildenberger (li.) zusammen mit Mitgliedern des Integrativen Hoffenheim-Fanclub im Stadion

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Das Konzept ist zu schwammig und zu risikobehafte

Die Corona-Krise hat in allen Bereichen und Lebenslagen für negative Veränderungen gesorgt. Du hast viel mit notdürftigen Menschen zu tun und kannst es persönlich nicht nachvollziehen, dass dennoch der Profifußball mit Geisterspielen fortgesetzt wird.
Mildenberger:
Die Geisterspiele als solches sind nicht das Problem, die kann man angucken oder lässt es sein. Vielmehr enttäuscht bin ich vom Ungleichgewicht in der Gesellschaft - den Zwängen und strikten Verordnungen von Quarantäne und Sportverboten auf der einen Seite und im Profifußball dann diese Privilegien. Das Konzept ist mir zu schwammig und zu risikobehaftet.

Vom Verein mehr Kritik und Widerstand erhofft

Speziell kritisierst Du auch das Verhalten der Hoffenheimer Verantwortlichen, dass sie sich aufgrund der aktuellen Situation nicht gegen eine Fortsetzung des Spielbetriebs ausgesprochen haben.
Mildenberger:
Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt in der aktuellen Situation. Klar, sie haben eine große Verantwortung auch anderen Personen und Mechanismen gegenüber, aber etwas mehr Kritik und Widerstand zum Konzept des Re-Starts wäre für mich von Vereinsseite wünschenswert gewesen.

Bundesliga ja, so aber nicht

Für Dich hätte die TSG hier eine Vorreiterstellung einnehmen können und neue Sympathien gewinnen können. Wie meinst Du das konkret?
Mildenberger:
Die Werte und Attribute, für die die TSG und ihr Umfeld seit Jahren stehen, hier deutlicher zu vertreten. Dem Vorwurf, ein kommerzielles Kunstprodukt zu sein, hätte man Einhalt gebieten können. Man hätte auf die gesundheitlichen Risiken und die Verantwortung für die Gesellschaft hinweisen sollen, dem Ursprung „Mensch und Fußball“ näherkommen und sich klarer und kritischer positionieren können. Vielleicht bis hin zur finalen Aussage: Leute, gerne wieder Bundesliga, aber so wie jetzt bitte noch nicht!

Entscheidung wurde mit Verständnis und Respekt akzeptiert

Wie hat man von Vereinsseite auf Deine Rücktrittsankündigung reagiert?
Mildenberger:
Mit meinem Vorgesetzten hatte ich vorab ein persönliches, positives Gespräch, was mir sehr wichtig war. Die Reaktion bei ihm, meinen Mitstreitern und der Geschäftsführung zeigen Betroffenheit, aber auch Verständnis und Respekt für meine Entscheidung, vor allem aber sehr viel Dankbarkeit und gute Wünsche für die Zukunft.

Charly (re.) mit Luan im Rollstuhl und Vater Mino. Links Dennis und Jürgen Bauer.

Zeitpunkt ist gut gewählt

Nachdem aufgrund der Geisterspiele die Fanarbeit am Spieltag ruht, kann man in aller Ruhe nun einen Nachfolger suchen. Wäre eine gemeinsame Einarbeitung nicht hilfreicher für den neuen TSG-Behindertenvertreter gewesen?
Mildenberger
:  Das hängt davon ab, wie es weitergeht. Das „Team Barrierefrei“ ist sehr gut aufgestellt, evtl. werden dort die Karten neu gemischt – oder es kommt ein „neuer Charly“, in welcher Form auch immer. Nein, der Zeitpunkt ist gut, damit ich in aller Ruhe meine Expertise weitergeben kann und die Fanbetreuung Zeit zur Evaluierung hat. Im normalen Ligaallltag wäre das zu stressig und keinem dienlich gewesen, schon gar nicht gegenüber unseren Fans mit Handicap. Da hätte ich auch kein gutes Gefühl dabei gehabt.

Noch keine konkreten Pläne

Hast Du schon neue konkrete Pläne, was Du künftig im sozialen Bereich machen wirst?
Mildenberger:  Beruflich und in meiner Freizeit bin ich ohnehin als Sozialfreak unterwegs, nur dass ich jetzt etwas mehr Zeit habe. Aber konkrete Pläne gibt es (noch) keine - da ist jetzt erstmal ein Vakuum, das sich im Moment aber ganz gut anfühlt. Ich bin von Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga inspiriert, und nach deren Credo werde ich weiterhin herumwirbeln.

Weiterhin mit der TSG verbunden

In welcher Form wirst Du der TSG Hoffenheim erhalten bleiben?
Mildenberger: Als Coach und Organisator im Behindertenfußball sowie Vorstand des „Integrativen Hoffenheim-Fanclubs“ gibt es ja weiterhin Schnittstellen – ebenso als Netzwerkler in diversen Arbeitskreisen. Die TSG-Familie ist eine bemerkenswerte, und das Ende meiner Tätigkeit heißt ja nicht „nie mehr Hoffenheim“. Ob oder in wie weit sich andere Konstellationen auftun, bleibt abzuwarten. Viel wichtiger ist jetzt erstmal behutsam, achtsam und gesund zurück zur Normalität zu kommen - auch im Sport!

Fotos: BWA und Privat

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