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Hoeneß weht der Wind immer stärker um die Ohren
Die nächsten drei Spiele haben richtungsweisenden Charakter, auch für den Trainer
Sonntag, 10. Januar 2021

Die 0:4-Niederlage der TSG Hoffenheim beim bis dahin seit 30 Bundesligaspielen sieglosen FC Schalke 04 war die Überraschung des 15. Spieltages. Selbst das 2:3 der Bayern in Mönchengladbach oder das 3:1 der Dortmunder bei RB Leipzig wurden nicht so überraschend wahrgenommen, wie das Ergebnis in der Veltins-Arena. Es ist vor allem die Art und Weise, wie die Kraichgauer leichtfertig ihre Punkte liegen lassen und sich vom ambitionierten Europapokalteilnehmer hin zum Abstiegskampf bewegen. Deutlich zu stark schwankende Leistungen in den jeweiligen Halbzeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch den bisherigen Saisonverlauf. Bezeichnend die Aussage von Torhüter Oliver Baumann nach dem Schalke-Spiel: "Es ist unerklärlich, wie die zweite Hälfte verläuft. Wir bekommen zu einfach Gegentore. Es ist schwierig, sachlich zu bleiben.“

Dem Traumstart folgte Ernüchterung

Nach einem Traumstart in die Bundesligasaison mit Siegen über Köln und München sowie den folgenden souveränen Auftritten in der Europa League bröckelte der Erfolg zunehmend ab. Mit verantwortlich hierfür waren vor allem das außergewöhnlich hohe Verletzungspech sowie die überdurchschnittlich vielen Coronaerkrankungen. Unabhängig dessen stagniert die sportliche Entwicklung der Mannschaft. Trainer Sebastian Hoeneß tut sich schwer, eine homogene, eingespielte Mannschaft aus dem größtenteils von Manager Alexander Rosen zusammengestellten Spielerkader zu formen.

Für Trainer Sebastian Hoeneß bekommen die nächsten drei Spiele eine ganz besondere Gewichtung

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Verletzungspech und unnötig viele Sperren

Ihm ist dabei jedoch auch zugute zu halten, dass aufgrund der vielen auftretenden Verletzungen (aktuell sind es zwölf Stammspieler) und Sperren immer wieder improvisiert werden muss. Aber warum erwischt es die Kraichgauer hierbei ganz besonders? Ist dies nur Pech oder liegt es womöglich am Training bzw. der Belastungssteuerung? Fakt ist, die vielen gelben und roten Karten sind vermeidbar. Hoffenheim belegt in der Fairnesstabelle unter allen 18 Erstligisten den letzten Platz. So bekam beispielsweise gegen Schalke Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner seine fünfte gelbe Karte und fehlt am Samstag im wichtigen Spiel gegen Bielefeld.

Kramaric kommt einfach nicht in Schuss

Viele Leistungsträger spielen zudem unter ihren Möglichkeiten. Der Topstar im Team, Andrej Kramaric, hinkt nach seiner Coronaerkrankung der Topform hinterher. Nachdem er zuvor nahezu in jedem Spiel aus allen Lagen traf, spielt er seit Wochen völlig unter Form, was zuletzt auch in Gelsenkirchen unverkennbar war. Im Sturm hat Hoeneß immer noch nicht die passende Formation gefunden.

Belfodil ist umstritten

Der bei vielen Fans besonders umstrittene Ishak Belfodil bekommt vom Trainer viel Vertrauen geschenkt, das er aber allzu oft nicht durch entsprechende Leistungen zurückzahlt. Besonders seine unzureichende Chancenverwertung ist prägnant. Munas Dabbur befindet sich ähnlich im Formtief und der junge Maximilian Beier bekommt wenig oder gar keine Einsatzzeiten.

Zum Verzweifeln! TSG-Torjäger Andrej Kramaric läuft seit seiner Coronapause der Topform hinteher.

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Viele Ausfälle in der Schaltzentrale

In der Schaltzentrale im Mittelfeld ist der zeitgleiche verletzungsbedingte Ausfall von Florian Grillitsch, Sebastian Rudy und Dennis Geiger fatal. Hier kann Hoeneß, wie „Auf Schalke“, personell nur improvisieren. In der Abwehr fehlt es an der nötigen Konstanz, was auch mit den vielen notgedrungenen Wechseln zu tun hat.

Viel zu viele Gegentreffer

30 Gegentreffer sind nicht nur drittschlechtester Ligawert, Hoffe ist auch das einzige Team, das noch kein Spiel ohne Gegentreffer absolvierte. Wie soll sich dies ändern? Die Ausfälle der Langzeitverletzten Benjamin Hübner, Ermin Bicakcic und Pavel Kaderabek wiegen in der Defensive schwer. Abwehrchef Kevin Vogt ist zwar ein wichtiger Faktor in der Hintermannschaft, aber auch er neigt gerne zu Fehlern wie zuletzt gegen Schalke.

Entscheidende Partien stehen bevor

Wie geht es weiter? Die nächsten Partien gegen Arminia Bielefeld, Hertha BSC Berlin und 1. FC Köln bekommen unvorhersehbar eine enorm große Bedeutung und werden am Ende auch über die Zukunft von Hoeneß entscheiden. Der 38-jährige Münchner gerät nach dem bisherigen schwachen Abschneiden und dem Pokal-Aus in Runde 2 gegen Zweitligist Greuther Fürth zunehmend in die Schusslinie. In Fankreisen wird bereits heftig über einen Trainerwechsel diskutiert. Von einem Duo Matthias Kaltenbach/Kai Herdling ist die Rede, auch über externe Lösungen wird diskutiert.

Alex Rosen beobachtet das Training der Profispieler. Die Trainerfrage stellt sich ihm nach eigener Aussage nicht. Nur wie lange wird er Hoeneß bei ausbleibendem Erfolg noch den Rücken stärken können?
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Rosen stärkt seinem Trainer den Rücken

Um nicht für zusätzliche Unruhe zu sorgen, stärkte Hoffenheims Direktor für Profifußball Alexander Rosen nach der neuerlichen Pleite seinem Trainer den Rücken: „Ich muss keine Lanze brechen für den Trainer, denn da wurde vergangenen Montag ein Thema aufgemacht, was überhaupt nicht der Wahrheit entspricht. Es wurde gemutmaßt, dass die Geschäftsführung und ich hinter dem Trainer stehen, aber Dietmar Hopp nicht. Das ist völliger Blödsinn. Wir haben eine große Geschlossenheit in unseren Reihen. Wir gehen zusammen durch diese Situation“. Was solche Statements am Ende wert sind, hatte zuletzt Alfred Schreuder in Hoffenheim zu spüren bekommen.

Situation ist extrem herausfordernd

Vergangene Woche wurde Hoeneß in einem Interview zur aktuellen Lage wie folgt zitiert: „Unsere Situation ist seit Monaten extrem herausfordernd. Ich sammele wertvolle Erfahrungen, wenngleich in einer Intensität, wie ich sie nicht erwartet oder mir gewünscht habe“. Der gebürtige Münchner gibt dabei zum Ausdruck, dass er mit Rosen, der Geschäftsführung und Mäzen Dietmar Hopp im ständigen Austausch stehe: „Ich weiß, dass sie die Situation so realistisch einschätzen wie ich.“

Richtungsweisende Spiele im Januar

Wenn sich die Ergebnisse aber nicht bald ins Positive ändern, die Spielweise nicht attraktiver und erfolgreicher wird, sich tabellarisch schnellstmöglich etwas ändert, werden auch die Treuebekenntnisse bald der Vergangenheit angehören. Die nächsten drei Spiele im Januar gegen die direkten Tabellennachbarn werden den Ausschlag geben, ehe es in der Rückrunde wieder gegen Mannschaften aus den oberen Tabellenregionen geht. Tatsache ist, Hoeneß hat in seinem ersten Profijahr als Trainer außergewöhnlich viele Problemfälle bei der TSG zu meistern. Fakt ist aber auch, dass bei ausbleibendem Erfolg dies keine Alibi bietet - das knallharte Profigeschäft lässt dies nicht zu. Dennoch ist von Vereinsseite von einem Schnellschuss nicht auszugehen. Zum einen traut man dem Trainer mit dem in der Breite qualitativ gut besetzten Spielerkader zu wieder in die Erfolgsspur zu kommen, und zum andern fehlt es in der aktuellen Situation an den entsprechenden personellen Alternativen.

Fotos: Kraichgaufoto und Kraichgausport

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