Prömels später Ausgleich sicherte wenigsten noch einen Zähler
Die Fußball-Bundesliga geht acht Spieltage vor ihrem Ende in die entscheidende Phase. Während der Meisterkampf aufgrund der Dominanz und des komfortablen Vorsprungs der Bayern auf den Zweiten Dortmund so gut wie entschieden ist, kämpfen gleich mehrere Vereine im Tabellenkeller um den Klassenerhalt. Auch das Rennen um die begehrten internationalen Ränge ist noch völlig offen. So duellieren sich die TSG Hoffenheim, der VfB Stuttgart, RB Leipzig und Bayer 04 Leverkusen um die Teilnahme an der finanziell lukrativen Champions League.

Big Points liegen gelassen
Am 26. Spieltag hätten die Hoffenheim als Tabellendritter einen Big Point in Richtung Königsklasse machen können, zumal die direkten Konkurrenten Stuttgart und Leipzig aufeinandertreffen und Leverkusen gegen die Bayern zwei durchaus mögliche Zähler liegen ließ. Doch wie schon im Heimspiel zuvor bei der unnötigen 0:1-Niederlage gegen Abstiegskandidat FC St. Pauli (0:1) gelang den Kraichgauern an gleicher Stelle gegen den Vorletzten und seit acht Spieltagen sieglosen VfL Wolfsburg kein Erfolgserlebnis.
Trotz aller statistischer Vorteile steht am Ende ein Remis
Die Niedersachsen gingen vor 26.252 Zuschauern durch Konstantinos Koulierakis per Kopf (64.) in Führung, die Grischa Prömel in der Schlussphase ebenfalls per Kopf zum 1:1-Endstand egalisierte (83.). Die statistischen Werte bei 68%: 32% Ballbesitz, 20:4 Torschüssen, 16:4 Ecken, 82% : 61% Passquote, 121,65 km : 119,13 km Laufdistanz und 51% : 49% Zweikampfquote sprachen zwar alle für die Gastgeber, aber am Ende stand ein Unentschieden.

„Die drei Kanten hinten haben die viel weggeköpft“
TSG-Mittelfeldspieler Grischa Prömel
Für Hoffenheims Torschützen Prömel war es trotz der Dominanz ein hart erkämpfter Heimpunkt: „Klar haben wir ein gutes Umschaltspiel und schnelle Spieler auf der Außenbahn, was uns natürlich zugutekommt. Gegen einen tiefen Block – wenn die da drei Kanten hinten drin haben und wir mit Flanken kommen, ist es natürlich nicht ganz so leicht, weil die viel wegköpfen.“

Bissige Wölfe unter neuem Rudelführer
Die Gäste aus der Autostadt boten unter der Regie ihres neuen Trainers Dieter Hecking eine starke kämpferische Leistung und machten es dem Gegner durch eine kompakte und stabile Hintermannschaft schwer, zu klaren Chancen zu kommen.
Deutliches Chancenplus für die Gastgeber
In der ersten Hälfte waren die Gastgeber zwar das spielbestimmende Team, hatten aber bis auf zwei Kopfbälle von Ozan Kabak (18.) und Wouter Burger (26.) sowie zwei Direktabnahmen von Fisnik Asllani (40. und 45.+1) keine weiteren hochkarätigen Chancen.


Klarer Elfmeter blieb ungeahnt
Eine richtungsweisende, womöglich auch spielentscheidende Szene gab es in der 26. Minute, als Hoffenheim Sturmrakete Bazoumana Toure im Strafraum von Jesper Lindström klar an der Ferse getroffen zu Boden ging. Schiedsrichter Tobias Reichel aus Sindelfingen, der bei einigen Szenen sich den Unmut der Heimmannschaft zuzog, ließ aber weiterspielen. Wie die TV-Bilder eindeutig belegten und anschließend TSG-Coach Christian Ilzer bei der Pressekonferenz auf unsere Nachfrage bestätigte („Für mich war es ein glasklarer Elfmeter gegen Touré“), war es eine klare Fehlentscheidung.

Überraschende Gästeführung
Auch in Hälfte 2 drängten die Hoffenheimer weiter mit aller Macht auf den Führungstreffer. Dieser fiel joch überraschend auf der anderen Seite, nachdem Koulierakis den Ball nach einer Ecke per Kopf ins lange Eck zur 1:0-Gästeführung versenkte (64.). Erinnerungen wurden plötzlich wach ans St. Pauli-Spiel, wo es ähnlich lief.
Chancen auf beiden Seiten
Hoffe drückte weiter, Wolfsburg verteidigte. Nachdem Andrej Kramaric aus kurzer Distanz am glänzend parierenden VfL-Keeper Kamil Grabara scheiterte (76.) und auf der anderen Seite Jonas Wind aus neun Metern an Keeper Oliver Baumann scheiterte (80.), gelang wenig später dem eingewechselten Prömel der hochverdiente Ausgleich (83.).

Prömel mit dem erlösenden Ausgleich
Der Mittelfeldspieler, der am Saisonende zum Nachbar VfB Stuttgart wechseln wird, köpfte eine Toure-Flanke unhaltbar zum 1:1-Endstand ins lange Eck.
„Wir müssen effizienter sein“
TSG-Torschütze Prömel
Am Ende trauerte nicht nur Prömel den vergebenen weiteren zwei Zählern nach: „Wir müssen uns vorwerfen, dass wir aus den Chancen nur ein Tor machen. Bei der Statistik und der Chancenvielfalt müssen wir das Spiel eigentlich gewinnen. Wir müssen effizienter sein.“ Ein Kopfproblem sieht er jedoch in der entscheidenden Saisonendphase nicht bei seinem Team: „Im Training habe ich diesen Eindruck natürlich nicht. Wir müssen einfach tagtäglich alles reinhauen. Dann werden wir auch wieder erfolgreich sein, weil ich einfach weiß, was in der Mannschaft steckt.“
Stimmen der Trainer:

„Mit dem Ergebnis sind wird nicht zufrieden“
Hoffenheims Trainer Christian Ilzer
Christian Ilzer (Hoffenheim): „Mit dem Ergebnis sind wird nicht zufrieden. Es ist uns nicht gelungen, trotz dieses dominanten Auftritts in Führung zu gehen. Dann ist es ein schwieriges Spiel geworden. Der Rückstand war ein Wirkungstreffer, das hat etwas gemacht mit uns – aber wir haben noch verdient den Ausgleich erzielt. Bei knapp 20 Ecken solltest du grundsätzlich das Team sein, das daraus Kapital schlägt. Die Leistung war über weite Strecken in Ordnung, auch wenn es gerade eine Phase ist, die etwas schwieriger ist.“

„Wir sind zufrieden mit dem Punkt, aber es gibt nichts zu jubeln“
VlL-Coach Dieter Hecking
Dieter Hecking (Wolfsburg): „Wir sind zufrieden mit dem Punkt, aber es gibt nichts zu jubeln. Wir wussten, dass wir uns hier nicht auf einen offenen Schlagabtausch einlassen dürfen. Wir haben dennoch zu viele Flanken und Standards zugelassen, hinten raus dann auch zu wenig für Entlastung gesorgt. Man kann in unserer Situation keine Wunderdinge erwarten in der Kürze der Zeit. Da ist ein erster Schritt in einer sehr schweren Aufgabe.“

Aufstellungen:
TSG Hoffenheim: Baumann – Coufal, Hranáč, Ozan Kabak, Bernardo – Avdullahu (79. Bebou), Burger – Prass (61. Prömel), Touré – Kramarić, Asllani (61. Lemperle)
VfL Wolfsburg: Grabara – Koulierakis, Jenz, Belocian – Kumbedi, Eriksen (90.+6 Gerhardt), Vincius Souza, Maehle – Lindström (63. Daghim), Amoura (80. Wimmer) – Pejcinovic (63. Wind)
Tore: 0:1 Koulierakis (64.), 1:1 Prömel (83.)
Schiedsrichter: Reichel (Sindelfingen)
Zuschauer: 26.252

Spitzenduell bei den Sachsen
Am nächsten Spieltag gastiert die TSG beim Verfolger und Mitkonkurrenten um einen Champions League-Platz bei RB Leipzig. Die Partie bei den Roten Bullen wird am Freitagabend um 20:30 Uhr angepfiffen.
Fotos: Kraichgaufoto und foto2press













