Begeisterung und Erwartungshaltung haben bei den Fans zugenommen

Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim ist als vorletzter Club in die Saisonvorbereitung 2014/15 gestartet. In der Sinsheimer Wirsol Rhein-Neckar-Arena präsentierten sich 24 Akteure 3.000 interessierten und erwartungsvollen Fans. Mit dabei auch die Neuzugänge Adam Szalai vom FC Schalke 04, Pirmin Schwegler von Eintracht Frankfurt, Oliver Baumann vom SC Freiburg, Janik Haberer von der SpVgg Unterhaching und Jin-Su Kim von Albirex Niigata. Aufgrund ihrer WM-Teilnahme fehlten die beiden Bosnier Sejad Salihovic und Neuzugang Ermin Bicakcic aus Braunschweig. Zudem genoss, der aus dem vorläufigen WM-Kader gestrichene, Kevin Volland noch eine Woche Sonderurlaub. Torhüter Koen Casteels fehlte verletzungsbedingt.
Cheftrainer Markus Gisdol und sein siebenköpfiger Trainerstab waren die ersten, die das neue, satte Grün der Arena unter großem Beifall betraten. Gisdol: „Es war ein tolles Gefühl, wie uns die Zuschauer empfangen haben. Bei den Tests in den letzten Tagen war zu spüren, dass die Spieler im Urlaub alle ihre Hausaufgaben gemacht haben. So können wir jetzt schneller das Pensum steigern.“ Nach leichtem Aufwärmen folgten lockere Ball- und Passübungen, rund eine Stunde beinhaltete das erste Anschwitzen auf die siebte Hoffenheimer Erstligasaison. Begleitet durch rhythmisches Klatschen und vereinzelte Schlachtgesänge, schwappte ansatzweise die La ola-Welle über die Ränge der vollbesetzten Haupttribüne.
Nach dem neunten Tabellenplatz sowie einer spektakulären und torgewaltigen Offensivkraft, sind Erwartungen und Begehrlichkeiten der Fans sprunghaft angestiegen. Gedanken an das von Abstiegskampf, mit ständig wechselndem Personal, geprägte Krisenjahr 2012/13 sind längst aus den Köpfen. Die Ära Gisdol/Rosen hat neue Sympathien geweckt. Spürbar auch beim Dauerkartenverkauf, wo die letztjährige 14.000er Marke bereits überschritten ist. So manch einer traut der neuen Hoffenheimer Generation die Qualifikation für die internationalen Plätze zu. Die positiven Leistungen der letzten Rückrunde sowie die qualitative Kaderauffrischung sind Hauptargumente.
Chefcoach Gisdol tut gut daran, bewusst auf die Bremse zu treten und der ansteigenden Erwartungshaltung entgegen zu wirken. Der Geislinger rückt von seiner Zielrichtung, sich in der Liga zu etablieren und die Mannschaft weiter zu entwickeln, nicht ab: „Wir waren in der letzten Saison die zweitjüngste und zweitunerfahrenste Mannschaft der Liga. Unser Kader wurde etwas optimiert, in der Breite besser aufgestellt, aber nicht extrem verstärkt. Man hat in der letzten Saison gesehen, wie eng es manchmal wurde.“
Beeindruckt von der großen Vorfreude und dem Zuspruch der Fans war auch Kapitän Andreas Beck: „Die Erwartungshaltung spornt uns natürlich an. Wir arbeiten weiter an unserem Stil und wollen natürlich mehr Spiele gewinnen als verlieren.“
Erst wenige Stunden vor dem Trainingsauftakt wurde der 19-fache ungarische Nationalspieler Adam Szalai für sechs Millionen Euro vom FC Schalke 04 verpflichtet. Bei seinem einjährigen Gastspiel für die Königsblauen konnte er die in ihn gesetzten, hohen Erwartungen, trotz positivem Beginn, nicht erfüllen. Dem 26-Jährigen Modellathleten dürfte die schnelle, offensiv ausgerichtete Hoffenheimer Spielweise sehr entgegen kommen. Bei seinem ersten Auftritt zeigte sich der 1,93 Meter große Stürmer sehr aufgeschlossen, schrieb bereitwillig Autogramme. Szalai: „Es war ein herzlicher Empfang. Bei Hoffenheim gefällt mir das schnelle Umschaltspiel, das wir auch zu meiner Zeit in Mainzer sehr erfolgreich praktizierten.“ Von der Spielanlage sieht er sich am liebsten in der vordersten, zentralen Mittelstürmerposition. Hier konkurriert er mit dem Franzosen Anthony Modeste und Publikumsliebling Sven Schipplock.
Für Baumann, Hoffes neue Nummer eins im Tor, steckt im neuen Kader sehr viel Potenzial, nicht nur der Neuzugänge wegen. Vielmehr begründet der ehemalige Freiburger dies damit, dass „die Leistungsträger alle gehalten werden konnten, vieles eingespielt ist“.
Trotz der hohen Investitionen in den neuen Kader erwartet der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Rettig, mit Blick auf das Financial Fair Play, keine Probleme mit der Europäischen Fußball-Union. Auch wenn er sich über die Höhe des Spieleretas nicht äußern wollte, so ist es kein Geheimnis, dass die TSG im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Minus in zweistelliger Millionenhöhe aufweist.

Fotos: BWA

Chef-Coach Markus Gisdol

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