Bei der kriselnden TSG herrscht nach dem misslungenem Saisonstart Redebedarf

Hoffenheim rutscht nach 2:3-Heimniederlage gegen den HSV auf Platz 17

Die TSG Hoffenheim kassierte am 5. Bundesliga-Spieltag in der heimischen SNP-Arena vor knapp 26.000 Zuschauern gegen den Hamburger SV mit 2:3 ihre vierte Saisonniederlage und rutschte auf den vorletzten Tabellenplatz. Zählt man die Niederlage im Erstrundenspiel der UEFA Europa League auf Kreta hinzu, war es die vierte Pflichtspielniederlage in Folge. Die mit viel Ambitionen und Vorschlusslorbeeren in die Saison gestarteten Kraichgauer hinken den hohen Erwartungen deutlich hinterher. Erneut drei Gegentreffer gegen das mit nur zwei Toren aus den ersten vier Partien harmloseste Team der Liga sowie nur drei Pünktchen aus fünf Spielen sind besorgniserregend. Bei „Hoffe“ herrscht Redebedarf!

Deutlicher Fingerzeig von Fisnik Asllani

„Es ist ein Scheiß-Ergebnis“

Fisnik Asllani

Ein enttäuschter TSG-Stürmer Fisnik Asllani, der erstmals wieder in der Startformation stand, sagte nach dem Spiel: „Es ist ein Scheiß-Ergebnis, wir haben es uns heute anders vorgestellt. Wir waren eigentlich gut im Spiel, deshalb ist einfach bitter, dass wir nach dem Platzverweis noch zwei Gegentore kassieren. Wenn es nicht läuft, dann läuft es halt nicht.“ Einfach, aber wahr.

HSV geht mit seiner ersten Torchance in Führung

Die Gastgeber kamen gut in die Partie und hatten durch Tim Lemperel, der aus spitzem Winkel aus kurzer Distanz die erste hochkarätige Torchance vergab (4.). Die Hanseaten zeigten sich effektiver und gingen durch ihre erste gefährliche Toraktion nach zwölf Minuten in Führung. Ein Freistoß von der rechten Seite landete bei Nicolas Capaldo, der aus halblinker Position abzog. Der Ball prallte an den Innenpfosten und von dort genau in die Mitte zu Yussuf Poulsen, der aus fünf Metern zum 0:1 abstaubte (12.).

Schiedsrichter Harm Osmers annullierte zwei Treffer nach sorgfälltiger Überprüfung

Conté-Treffer zählt nicht

Die Gastgeber taten sich trotz spielerischer Überlegenheit gegen die defensiv gut organisierten Norddeutschen schwer zu Torchancen zu kommen. Erst kurz vor der Pause wurden die Angriffsbemühungen der Ilzer-Truppe belohnt. Nachdem ein Treffer von Conté nach schöner Einzelaktion durch Schiedsrichter Harm Osmers nach VAR-Intervention aufgrund eines Foulspiels von Lemperle in der Voraktion aberkannt wurde (45.+1), fiel kurz vor dem Pausenpfiff noch der Ausgleich.

Torjubel bei den Hoffenheimer nach dem 1:1-Ausgleich kurz vor der Pause

Last-Minute-Eigentor in Hälfte 1

Nach einer Ecke von Vladimir Coufal, der wieder mit auffallenden löchrigen Stutzen auflief, konnte HSV-Keeper Heuer Fernandes zwar noch einen Lemperle-Kopfball parieren, doch beim Nachsetzen von Asllani und dem daraus provozierten Eigentor von Sebastian Bornauw war auch er machtlos (45.+6).

Conté (Mitte) brachte die TSG mit seinem ersten Bundesligatreffer 2:1 in Front

Erster Bundesligatreffer von Conté

Die Hoffenheimer nahmen den Schwung mit in Hälfte 2 und gingen bereits nach 53 Minute nach toller Einzelaktion von Conté, der aus 16 Metern mit Hilfe des rechten Innenpfostens zur erstmaligen Führung traf. Für den 23-Jährigen war es zugleich sein erster Bundesligatreffer.

David Möller Wolfe (li.) im Duell mit Hoffenheims Bernardo

Ampelkarte für Bernardo drehte das Spiel

Es lief danach für die Gastgeber ganz gut, bis in der 66. Minute Verteidiger Bernado nach einem Foulspiel gegen Möller Wolfe an der äußeren Strafraumkante mit Gelb-Rot vom Platz flog. Der Rauten-Klub wurde in Überzahl nun deutlich stärker und drückte, angefeuert von den schätzungsweise 8.000 Gästefans, mit aller Macht auf den Ausgleich.

Joker-Treffer von Moffi

Nachdem ein Treffer von Otto Stange durch den VAR wegen eines Handspiels zuvor aberkannt wurde (81.), gelang dem eingewechselten Terem Moffi nach Flanke von Muheim der 2:2-Ausgleich. Der wuchtige Stürmer schraubte sich deutlich höher als seine beiden Gegenspieler Ozan Kabak und Wouter Burger und ließ TSG-Keeper Oliver Baumann keine Chance (84.).

Siegtorschütze Miro Muheim (Mitte) beim Torjubel

Siegtreffer von Muheim in der Nachspielzeit

Im offenen Schlagabtausch in der Schlussphase waren es schließlich die Gäste, die das Spiel auf ihre Seite zogen. Nachdem zunächst Ferreira Viera noch im Eins-gegen-Ein am reaktionsschnellen Baumann scheiterte (88.), war es schließlich Miro Muheim, der in der letzten Minute der Nachspielzeit mit einem Schuss von der Strafraumgrenze nach einer abgewehrten Ecke links unten zum 3:2-Sieg der Polzin-Truppe traf (90.+4). Grenzenloser Jubel bei den lautstarken HSV-Fans, Enttäuschung und Frust auf der anderen Seite bei den Heim-Fans.

„In den entscheidenden Momenten waren wir nicht da“

Bambasé Conté

Für Bambasé Conté, der nach seinem Länderspieldebüt mit viel Selbstvertrauen ins Spiel ging, waren es entscheidende Momente, die am Ende für den ersten Sieg der Hanseaten nach drei Niederlagen in Folge gegen die TSG ausschlaggebend waren: „Es fühlt sich sehr schlecht an, extrem bitter, wenn man eine 2:1-Führung aus der Hand gibt. Dazu hat die gelb-rote Karte den Hamburgern in die Karten gespielt. Trotzdem kann man auch in Unterzahl eine Führung wegverteidigen und nach Hause bringen. In Zukunft müssen wir die Gegentore, vor allem bei Standards, abstellen. In den entscheidenden Momenten waren wir heute nicht da.“

Ein Foto aus vergangenen Zeiten: Sven Schipplock im TSG-Dress

„Die Hoffenheimer haben zu einfach die Gegentore kassiert“

Sven Schipplock

Der ehemalige Hoffenheimer Publikumsliebling Sven Schipplock, der von 2011 bis 2015 insgesamt 84 Spiele mit 16 Toren für die TSG absolvierte, ehe er anschließend 30 Pflichtspiele für den HSV bestritt, sah dies im Gespräch mit bwa-sport.de ähnlich: „Die Hoffenheimer haben zu einfach die Gegentore kassiert. Die Mannschaft ist sehr gut aufgestellt, konnte aber bislang noch nicht ihre Erwartungen erfüllen.“

TSG-Kapitän Oliver Baumann im Dialog mit den Hoffe-Fans nach dem Abpfiff

Im Dialog mit den enttäuschten Fans

Die Enttäuschung der Hoffe-Fans war, auch wenn es keine Pfiffe gab, nach der vierten Saisonniederlage groß. Die Südkurve leerte sich nach Abpfiff außergewöhnlich schnell. Die Spieler, allen voran Kapitän Oliver Baumann gingen in die Fankurve und suchten den Austausch mit den Treuen der Treuen. Für Sportchef Schicker ist es wichtig, dass man gemeinsam versucht, aus dieser Negativspirale wieder herauskommt: „Ich habe von Oli Baumann, der mit den Fans im Austausch war, gehört, dass die Signale in die Richtung gehen, dass es nur gemeinsam weiter geht. Das ist auch ganz wichtig.“

„Wenn Redebedarf herrscht, hat dies für mich Priorität“

Christian Ilzer

Auch Trainer Ilzer suchte noch vor der Pressekonferenz, die deutlich später als sonst üblich begann, den Kontakt zu den Fanvertretern. Auf die Frage von bwa-sport.de bei der PK, wie der Austausch war, antwortete der Österreicher: „Durch die erfolgreiche letzte Saison wurde die Erwartungshaltung bei uns selbst sowie bei den Fans sehr hochgeschraubt. Wenn jetzt in der aktuellen Situation bei einer Fangruppe Redebedarf herrscht, hat dies für mich Priorität und ist wichtig für sie da zu sein. Für mich ist es selbstverständlich sich ihnen zu stellen und Rede und Antwort zu stehen. Wir wollen unsere Fans wieder mit Siegen belohnen, leidenschaftlich verteidigen und gutem Fußball bieten.“ Ein Versprechen, das die Anhängerschaft sich zu Herzen nehmen werden.

TSG-Coach Ilzer und sein Team befinden sich aktuell in einer Ergebniskrise

Stimmen der Trainer:

„Drei Gegentore pro Spiel sind zu viel“

Christian Ilzer

Christian Ilzer (Hoffenheim): „Es war über das gesamte Spiel gesehen ein verdienter Sieg für den HSV. Wir hatten uns zunächst schwergetan, uns aber ins Spiel reingekämpft und uns mit dem Ausgleich vor der Pause belohnt. Die Gelb-Rote Karte war für mich nicht spielentscheidend, wir müssen es auch schaffen, in Unterzahl mehr wegzuverteidigen. Aber wir haben es auch heute geschafft, ein Spiel zu drehen und den Gegner vor Probleme zu stellen. Das gilt es zu bestärken. Drei Gegentore pro Spiel sind zu viel.“

„Wir haben die Qualität, uns aus dieser Phase herauszukämpfen“

Christian Ilzer

Ilzer blickt auf die nächsten Aufgaben: „Man neigt dazu, wenn die Ergebnisse ausbleiben, nur die Fehler aufzuzeigen bzw. zu manifestieren. Ich bin überzeugt davon, dass wir die Qualität haben, uns aus dieser Phase herauszukämpfen. Wir müssen genau hinschauen, aber ich muss meinen Jungs klare Lösungen präsentieren, was wir verändern müssen. Gegen Besiktas haben wir jetzt die Chance dies besser zu machen.“

Hamburgs Trainer Merlin Polzin (li.) im Gespräch mit seinem Gegenüber Christian Ilzer

„Es war eine Achterbahn der Gefühle“

Merlin Polzin

Merlin Polzin (Hamburg): „Wenn man mich fragt, was Fußball ausmacht, wären diese 95, 96 Minuten das perfekte Beispiel dafür. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Wir wussten, dass es hier sehr schwierig werden würde. Wir haben es geschafft, das Momentum zu nutzen. Es war eine tolle Leistung der Mannschaft.“

„Den grundsätzlichen Weg werden wir nicht hinterfragen“

Andreas Schicker

Für Hoffenheims Sportchef Andreas Schicker gilt es jetzt nicht in Panik zu verfallen sondern am bestehenden Weg festzuhalten: „Es ist ganz sicher eine schwierige Phase, weil auch die Ergebnisse ausbleiben. Es ist ganz, ganz wichtig, geschlossen zusammen zu bleiben. Die Situation beschäftigt jeden, gibt jedem zu denken, aber keiner zeigt hier mit dem Finger auf den anderen. Wir müssen das zusammen meistern. Man darf Dinge hinterfragen, muss man sogar hinterfragen, denn sonst kommt man nicht in diese Situation. Aber den grundsätzlichen Weg werden wir nicht hinterfragen, sondern gemeinsam weiter gehen.“

Nachdenklicher Blick bei TSG-Geschäftsführer Sport Andreas Schicker

„Man darf die aktuelle Situation nicht schönreden“

Andreas Schicker

Schicker sieht auch positive Aspekte: „Wir werden derzeit bitter bestraft, tun uns einfach schwer, das eigene Tor zu verteidigen. Dies ist sicher der Hauptansatzpunkt, dass wir nicht diese billigen Gegentore bekommen. Aber es ist ja nicht so, dass wir alle Dinge schlecht machen, da waren schon viel gute Ansätze dabei. Man hat deutlich gesehen, dass wir vor der roten Karte bei elf gegen elf körperlich dem HSV klar überlegen waren. Ich bin überzeugt, dass wir auch aus dieser definitiv schweren Phase rauskommen werden. Man darf die aktuelle Situation nicht schönreden, die Enttäuschung bei uns allen ist groß.“

„Wir dürfen jetzt nicht alles hinterfragen“

Bambasé Conté

Das Schlusswort hatte Hoffenheims aktueller Senkrechtstarter Conté: „Wir dürfen jetzt nicht alles hinterfragen, wir sind eine gute Mannschaft und haben einen enorm guten Kader. Wichtig ist jetzt die defensive Stabilität wieder hinbekommen, um am Ende erfolgreich zu sein. Dies müssen wir uns von Spiel zu Spiel erarbeiten.“

Aufstellungen:

TSG Hoffenheim: Baumann – Coufal, Ozan Kabak, Machida (74. Hranáč), Bernardo – Avdullahu, Burger – Conté (87. Gendrey), Daghim (74. Prass) – Lemperle (63. Hložek), Asllani (63. Kramarić)
Hamburger SV: Heuer Fernandes – Capaldo, Bornauw, Omari – Möller Wolfe, Sambi Lokonga (74. Amoako), Remberg (41. Muheim), Lemke (74. Rössing-Lelesiit) – Vieira, Adeline (74. Moffi) – Poulsen (59. Stange)
Tore: 0:1 Poulsen (12.), 1:1 Bornauw (45.+6, Eigentor), 2:1 Conté (53.), 2:2 Moffi (83.), 2:3 Muheim (90.+4)
Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
Zuschauer: 29.929

Bei der TSG Hoffenheim ist nach dem Saisonfehlstart Redebedarf angesagt

Die nächsten Aufgaben:

Schon am Donnerstag steht das nächste Heimspiel für die Hoffenheimer auf dem Programm. Am zweiten Spieltag der UEFA Europa League gastiert der türkische Traditionsklub Besiktas Istanbul im Kraichgau. Anstoß in der SNP-Arena ist um 21:00 Uhr. In der Bundesliga geht es für die TSG am darauffolgenden Sonntag (18.10., 17:30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach weiter. Zwei wichtige Spiele für Ilzer & Co., um den aufkommenden Redebedarf wieder etwas zu minimieren.

Fotos: Kraichgaufoto, foto2press und BWA

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