Für TSG-Trainer Nagelsmann ist das Ziel „Klassenerhalt“ zu wenig

„Glaub´ an dich, aber vergesse dabei nie das Lachen“

Hoffenheims Chefcoach Julian Nagelsmann ist mit 29 Jahren jüngster Bundesligatrainer. Eigentlich war sein Ligadebüt in der höchsten deutschen Spielklasse für den Ligastart am 28. August vorgesehen, doch nach dem überraschenden gesundheitlichen Aus von TSG-Coach Huub Stevens wurde er vorzeitig am 11. Februar vom Nachwuchs- zum Profitrainer befördert. Zu diesem Zeitpunkt stand er gerade vor der Prüfung zum Fußballlehrer, die er als zweitbester Absolvent abschloss. Mit Nagelsmann kehrte im Bundesligadorf der Erfolg zurück. Dank seiner erfolgreichen Rettungsmission konnte der drohende Abstieg abgewendet werden. Zusammen mit Manager Alexander Rosen bastelte der leidenschaftliche Motorradfan am neuen Spielerkader. Es wurden ausschließlich deutsche, bundesligaerfahrene Spieler geholt, die dem Anforderungsprofi entsprechen. Hierzu zählen auch großgewachsene Profis, die für mehr Durchschlagskraft bei Standards vor dem gegnerischen Tor sorgen sollen. Nagelsmann: „Es ist gut, wenn man körperliche Präsenz und eine gewisse Ausstrahlung auf dem Platz bringt. Da knapp 30 Prozent aller Tore nach Standards fallen, ist dies ein wichtiger Faktor.“  

Drei Wochen vor Saisonbeginn zeigt sich der TSG-Coach mit der bisherigen Vorbereitung zufrieden: „Ich wage zu behaupten, wenn ich eine ganze Vorbereitung und viel Zeit mit der Mannschaft habe, dass sie dann besser spielen wird als in der Rückrunde. Da sind jetzt schon viele Momente drin, die nach gutem Fußball aussehen. Wir haben von der fußballerischen Qualität dazu gewonnen.“

Ganz wichtig für die gewünschte stressfreie Saison ist der Start. Nachdem in der vergangenen Saison nach sechs Spieltagen nur zwei Punkte auf dem Konto standen, machte sich Verunsicherung breit und lies das Team des damaligen Trainers Markus Gisdol in die Abstiegsregionen rutschen. Dies möchte man nun unter allem Umständen vermeiden. Das bevorstehende Auftaktprogramm mit Leipzig, Mainz, Wolfsburg und Darmstadt ist machbar. Doch für den ehrgeizigen Nagelsmann ist die Zielsetzung Klassenerhalt zu wenig: „Für mich ist ganz wichtig, dass wir richtig guten Fußball spielen und am Ende Erfolg haben. Im Sport ist Gewinnen das A und O. Es soll zudem eine Entwicklung stattfinden, die man nicht am Tabellenstand festzurren kann.“

Neben zwei intensiven Trainingslagern im Allgäu und Tirol wurde bei der Auswahl der  Testspielgegner viel Wert auf Qualität gelegt. In den Duellen gegen die internationalen Erstligisten Vaduz (Schweiz/Lichtenstein), Oostende (Belgien), Besiktas Istanbul (Türkei),  Chievo Verona (Italien) und Atletico Bilbao (Spanien) sollen noch vorhandenen Fehler aufgedeckt bzw. aufgezeigt werden. Freundschaftsspiele gegen schwache Gegner stuft Nagelsmann eher als „verschenkte 90 Minuten“ ein, denen er lieber Trainingseinheit vorzieht.  Die Testspiele wurden alle auf den jeweiligen Trainings- und Wochenschwerpunkt ausgelegt. In den nächsten Tagen stehen Spielöffnung sowie Offensivstruktur, mit dem Herausspielen von Torchancen,  auf dem Programm.

Nagelsmann hat durch die attraktive und risikoreiche Spielweise in der Rückrunde Sympathien gewonnen. Das Kunststück ist nun, diese mit einem etwas veränderten Personal in die neue Saison zu übertragen. Der gebürtige Landsberger am Lech liebt den Mut zum Risiko, nimmt dabei auch gerne mal einen kleinen Rückschlag in Kauf. Als er im Sommer 2012 von Rosen den Cheftrainerpostern der U16 angeboten bekam, brach er sein BWL-Studium ab und absolvierte stattdessen ein Fernstudium  in „Sportwissenschaft und angewandte Trainingslehre“. Schon damals war sein Ziel. „Ich will so hoch wie möglich trainieren“. Der geringe Altersunterschied zu den Spielern ist kein Problem, Nagelsmann überzeugt mit fachlicher Kompetenz und Souveränität. Dabei dürfen, bei allem nötigen Ernst, Humor und Ironie nicht zu kurz kommen. Sein Motto: „Glaub´ an dich, aber vergesse dabei nie das Lachen“. 

Foto: BWA

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