„Gegen Hoffenheim habe ich immer sehr gerne gespielt“

Teil 2 des Interviews mit Hoffenheims Neuzugang Pirmin Schwegler:

bwa-sport.de: Dort Banken-Metropole und Großstadt Frankfurt – hier der beschauliche Kraichgau mit dem Fußball-Dorf Hoffenheim. Der Unterschied ist doch krass!
Pirmin Schwegler: Ich genieße hier die Ruhe. Wir können uns im Trainingszentrum  absolut auf das Wesentliche  konzentrieren. Ich bin hier, um auf dem Trainingsplatz zu arbeiten und nicht in irgendeinem Cafe zu sitzen. Auch wenn man in meinem Wohnort Heidelberg alles findet, was man sich wünscht. Es ist dort sehr schön.

Sie wurden geholt, um der offensiv ausgerichteten Mannschaft eine Stabilität in der Mittelfeldzentrale zu geben. Sind Sie mit den bisherigen Leistungen zufrieden?
In erster Linie geht es immer um den mannschaftlichen Erfolg und hier sind wir auf alle Fälle im Soll. Wir haben wenig Gegentore bekommen, in den Spielen, wo ich von Anfang an gespielt habe nur eines, von daher glaube ich, dass wir sehr stabil sind. Für mich persönlich war es etwas ärgerlich, dass ich mich verletzt hatte, wo ich in einer sehr guten körperlichen Verfassung war. Doch ich bin jetzt wieder schnell in Tritt gekommen und fühle mich wieder sehr gut.

Mit Eugen Polanski und Sebastian Rudy haben Sie starke Konkurrenten auf der Sechser-Positionen im defensiven Mittelfeld.
Von uns drei hat jeder seine Qualität auf eine andere Art. Wir  ergänzen uns momentan richtig gut und wissen, dass jeder gebraucht wird. Das ist auch der Erfolg der ersten Spiele. Auch die Ersatzspieler sorgen für eine positive Stimmung, wissen, dass man auf sie zählt. Es ist positiv, dass der Kader breit ausgestellt ist, damit wird die Qualität angehoben.

Ein positiver Teamspirit ist unverkennbar.
Man muss abwarten, wie es ist, wenn es mal schwierig wird. Gegen Freiburg, als es nicht so lief, kamen wir eindrucksvoll zurück und haben großen Teamgeist bewiesen. Jeder ist ehrgeizig genug, um in die Startelf zu kommen. Die Mischung im Spielerkader ist sehr gut.

Viele sprechen, mit Blick auf den Tabellenstand, nur von einer Momentaufnahme. Was fehlt der TSG noch, um sich konstant im oberen Bereich zu etablieren?
Der Konkurrenzkampf in der Bundesliga ist sehr groß. Die Mannschaften sind sehr ausgeglichen, daher wollen wir nicht zu weit nach vorne blicken. Wir wollen uns einfach weiter entwickeln, das Potenzial ist vorhanden. Die Aussichten sind gut, dennoch sollte man erst in der Winterpause eine erste Bilanz ziehen.

Sie haben trotz Verletzungen und großen Schmerzen für die Eintracht gespielt, bis der Körper streikte. Dies hat Ihnen die WM-Teilnahme mit der Schweiz gekostet.
Natürlich wäre ich gerne nach der WM-Teilnahme 2010 in Südafrika, die ein absolutes Highlight in meiner Karriere war, auch jetzt in Brasilien dabei gewesen. Eine Weltmeisterschaft ist immer etwas Besonderes. Ich bin eher ein Typ der sich nicht schont und alles für die Mannschaft gibt. Im Nachhinein betrachtet, war es vielleicht ein Fehler mit Rippen- und Nasenbeinbruch für die Eintracht zu spielen.

Wie haben Sie die WM verfolgt?
Natürlich sehr intensiv. Ich habe nicht nur mit der Schweiz gefiebert sondern als bekennender Deutschland-Fan mich über den Titelgewinn gefreut.  Zum Zeitpunkt der WM wusste ich, dass ich nach Hoffenheim gehe und konnte mich daher körperlich etwas besser und gezielter auf die neue Saison vorbereiten, als wie wenn ich in Brasilien dabei gewesen wäre. Ich versuche immer das Beste aus der Situation zu machen und schaue nicht zurück.

Die schweizer Nationalmannschaft schrieb bei der WM in Brasilien positive Schlagzeilen. Wie bewerten Sie ihren Stellenwert im internationalen Vergleich?
Die Schweiz hat extrem zu gelegt, wird im internationalen Fußball wahrgenommen. 18 Schweizer spielen aktuell in der Bundesliga, das sagt schon einiges aus. Ziel ist es bei der Europameisterschaft in Frankreich dabei zu sein.

Sie kommen mit 27 Jahren erst auf 14 Länderspieleinsätze.
Die Geschichte mit der Nationalmannschaft ist bei mir nicht so einfach. Ich bekomme meiner Meinung nach nicht so sehr das Vertrauen, wie manch andere. Den Stellenwert, den ich verdient hätte, vermisse ich etwas. Ich hoffe, dass künftig mehr Einsätze hinzukommen.

Nach der Länderspielpause müssen Sie beim krisengebeutelten Bundesliga-Dino Hamburger SV antreten. Was wird Sie in der Hansestadt erwarten?
Der HSV ist für mich kein Abstiegskandidat. Er hat extrem hohe Qualität und verfügt über einen guten Spielerkader. Die letzten Spiele haben sie sehr gut bestritten, ich denke da vor allen an den Sieg in Dortmund. Für uns ist dennoch wichtig dort zu punkten, um die positive Entwicklung weiter zu bestätigen.

Gibt es für Sie in der Bundesliga Stadien, wo Sie besonders gerne spielen bzw. Gegner, gegen die Sie besonders motiviert antreten?
Zu Frankfurter Zeiten lagen mir die Spiele gegen Hoffenheim ganz gut. In diesen Partien habe ich meine meisten Bundesliga-Tore geschossen. In Sinsheim habe ich immer sehr gerne gespielt. Das ist jetzt öfters der Fall. Nicht vergessen werde ich die Heimspiele in Frankfurt, wo in meinen fünf Jahren immer etwas los war. Ich habe dort immer alles für den Verein gegeben, bin trotz Abstieg geblieben und am Wiederaufstieg mit geholfen. Ich freue mich schon auf das Auswärtsspiel am 12. Dezember bei der Eintracht.

Foto: BWA und Kraichgaufoto

Pirmin Schwegler im Zweikampf gegen einen Schalker Gegenspieler

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