Harmonische Mitgliederversammlung in Verbindung mit großen Hoffnungen

TSG zieht Bilanz

Eins vorweg, die Mitglieder der TSG Hoffenheim halten ihrem Verein nach wie vor die Treue. Bei der Mitgliederversammlung am heutigen Abend in der neuen Sinsheimer Carl-Orff-Schulsporthalle gab es fast keine freien Plätze. 311 Mitglieder und zahlreiche Pressevertreter waren gekommen. Stimmungsvoll ging es los. Über eine Großleinwand wurden Tore von Spielen aller TSG-Mannschaften, von der U14 bis U23, dem Bundesliga-Frauenteams sowie dem Profiteam – untermalt mit der TSG-Hymne – gezeigt. War es etwa Anschauungsunterricht für Profitrainer Huub Stevens, der zusammen mit Manager Alexander Rosen, den Spielern Pirmin Schwegler, Jin-Su Kim und Nadiem Amiri in der zweiten Reihe saß? Der Gesichtsausdruck, beim Betrachten der teils spektakulären Tore, war vielsagen und schien auch in ihnen Lust auf dergleichen zu wecken.

Profimannschaft bereitet dem Präsidenten Sorgen

Es war bereits die zweite Jahreshauptversammlung in diesem Jahr. Nach der Begrüßung durch Ehrenmitglied und TSG-Ikone Horst Heinlein ergriff Präsident Peter Hofmann das Wort. Stolz verkündete er, dass der Mitgliederzuwachs auf 6.980 angestiegen sei. Hofmann machte deutlich, dass die TSG viel mehr, als nur die Profimannschaft ist. Das Bundesliga-Team mache ihm aber derzeit Sorgen. Das bisherige Abschneiden des Aushängeschildes des Vereins auf Tabellenplatz 18 entspreche nicht den Erwartungen der Mitglieder und Fans. Der positive Glaube des TSG-Chefs ging in Richtung des neuen Trainers: „Die Hoffnungen ruhen auf Trainer Huub Stevens, der große Erfahrungen im Abstiegskampf besitzt. In den letzten beiden Spiele zeigte die Mannschaft Moral, dies erwarte ich auch von anderen.“ Was er damit meinte, war ein Seitenhieb auf die lokale Presse. „Wir haben Trainer Stevens die Schranken im Sinne der Moral geöffnet. Nicht, wie es eine regionale Zeitung von uns verlangte, dass wir ihn in die Schranken weisen sollten.“

Die alten Kontrahenten Hoffenheim und Zuzenhausen sind sich sehr nahe gekommen

Hofmann blickte auf den Wechsel in der Geschäftsführung der 1899-Spielbetriebs GmbH zurück: „Innovation verkörpert unser aus Zuzenhausen stammend neuer Geschäftsführer Dr. Peter Görlich. Ein Vorteil ist, dass er den Verein schon sehr lange kennt und Bescheid weiß.“
Anschließend brach er eine Lanze für den früheren, langjährigen Lokalrivalen FC Zuzenhausen. „Wer hätte gedacht, dass ein Zuzenhäuser jemals Geschäftsführer der TSG wird und mit Dietmar Zuleger ein Hoffenheimer die 1. Mannschaft des FC Zuzenhausen trainieren würde. Beide Vereine kamen sich dadurch sehr viel näher.“

Die weihnachtlichen Präsidenten-Wünsche

Zweieinhalb Wochen vor Weihnachten gab der Elektromeister noch seine Wünsche bekannt: „Den Punkt in Ingolstadt hatte ich mir gewünscht, hinzu kommt ein Sieg am Samstag gegen Hannover 96 und eine Überraschung beim FC Schalke 04.“ Was folgte, war kräftiger applaus der Mitglieder.

Für Dietmar Hopp hat sich nichts geändert – Heilige 50+1-Regel

Als nächster Redner ging Gesellschafter Dietmar Hopp ans Mikro. Er blickte in seiner knapp 20-minütigen Ansprache zurück auf die Übernahme des Vereins durch seine Mehrheitsanteile: „Es hat sich seither nichts verändert und es wird sich auch nicht ändern seit ich die Stimmenmehrheit habe. Der einzige Vorteil ist, dass das eigene Kapital weiter von mir oder einem Rechtsnachfolger betreut werden kann.“ Die 50+1-Regel in der Bundesliga wird, laut Hopp, als heilig betrachtet, obwohl Vereine wie Bayern München, die Anteile an drei Großsponsoren abgetreten haben, Borussia Dortmund, das sich eine Kapitalgesellschaft nennt, und Hertha BSC Berlin, das Transfereinnahmen an Gönner abgetreten hat, auch andere Wege gehen.

Eigentor von St.Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig

Der SAP-Gründer ging in seinen Ausführungen auch auf den Antrag von St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig, in Bezug auf eine gewünschte Änderung der Verteilung der TV-Gelder, die Hoffenheim dabei ausklammern sollte, ein: „Ich finde diesen Antrag absurd und unverständlich. Ein fetteres Eigentor kann es nicht geben.“ Der Mäzen ging auch auf die sportliche Talfahrt der Profimannschaft ein: „Einen solchen kapitalen Fehlstart hatte sich keiner gedacht. Wir sind genauso ratlos wie im letzten Jahr zu diesem Zeitpunkt Borussia Dortmund. Die Trennung von Markus Gisdol und seinem Trainerteam fiel schwer. Das Vertrauen war ausgeträumt, dass wir sehr lange einen Trainer haben werden, so wie es bei Thomas Schaaf in Bremen der Fall war. Gisdol sollte ´der Schaaf von Hoffenheim´ werden.“
Auch auf den Abgang des ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung Peter Rettig ging Hopp ein: „In unserer neuen Ausrichtung waren spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten auf neuen Gebieten erforderlich. Peter Rettig wollte unseren geplanten Weg nicht mitgehen und wir mussten daher handeln. Mit Peter Görlich haben wir einen guten und geeigneten Nachfolger gefunden.“

Innovativ und selbstbewusst die Ziele verfolgen

Besonders hob der Gesellschafter die Leistungen der achtzehn99 AKADEMIE sowie der Frauenabteilung hervor. „Da sind wir ganz stark aufgestellt.“ Auch der Bereich Innovation bereitet Hopp Freude. „Wir haben bei der TSG eine Fülle von Einrichtungen und auch die Spezialisten dazu, um nach dem neuesten Stand der Technik zu agieren.“ Wichtig ist Hopp aber auch immer eine gesunde Vereinskultur: „Wir müssen uns ständig an unsere Wurzeln erinnern und dabei bodenständig bleiben, aber innovativ und selbstbewusst unsere Ziele verfolgen.“ Authentizität, Offenheit und Treue seien zudem wichtige Eigenschaften, um das Image der TSG positiv zu gestalten und den Verein nach vorne zu bringen.

„Wir werden es mit Huub Stevens schaffen, die Liga zu halten!“

Die Hoffnungen ruhen auch beim TSG-Chef voll und ganz auf dem Trainer: „Alle, die Huub Stevens kennengelernt haben, sind beeindruckt von seiner Offenheit, Persönlichkeit und Erfahrung. Er ist ein aufgeschlossener Trainer, der die  Mannschaft weiterbringen wird. Wir werden es deshalb schaffen, die Liga zu halten. Unser Vertrauen ist grenzenlos.“ Für Hopp ist Nachfolger Julian Nagelsmann, der im Sommer übernehmen wird, ein zukunftsorientierter Trainer, der zu den neuen Projekten und Arbeitsmethoden des Vereins passt. Seinem Schlusssatz folgte kräftiger, langanhaltender Applaus: „Wir werden es mit Huub Stevens schaffen, die Liga zu halten!“

Umfangreiches Zahlenwerk

Nach der Ehrung langjährige Mitglieder ging es ans Zahlenwerk. Der „Herr der Zahlen“ Berthold Wipfler führte in seinem Kassenprüfbericht gewohnt souverän durch die Zahlen des Geschäftsjahrs 2014/15 und bestätigte, dass ein Wirtschaftsprüfer den Jahresabschluss „mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“ abgesegnet hat.

Bundesliga ist zu einem Sinsheimer Markenzeichen geworden

Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht machte in seinem Grußwort deutlich, dass ihm die sportliche Situation große Sorgen bereite: „Bundesliga-Fußball ist zu einem Markenzeichen für die Große Kreisstadt Sinsheim geworden. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir auch in der nächsten Saison weiter Erstliga-Fußball in Sinsheim sehen werden.“

Einstimmige Vorstandswahlen

Bei der anschließenden Wahl, zu der 164 wahlberechtigte Mitglieder zugelassen waren, kam es zu folgenden Ergebnissen:
Für weitere drei Jahre wurden jeweils einstimmig die bisherigen Amtsinhaber Peter Hofmann (1. Vorsitzender), Frank Engelhardt (3. Vorsitzender), Jürgen Feil (Schriftführer und Hauptkassier), Ariane Weber (Abteilungsleiterin Turnen) und Frank Engelhardt (Abteilungsleiter Fußball) gewählt. Der neue Vorstand, dem fortan Schriftführer und Hauptkassier nicht mehr beiwohnen, beschloss, die jährlichen Mitgliedsbeiträge und ordentliche Beiträge nicht zu erhöhen.
Die Versammlung endete, wie ein Fußballspiel, nach 90 Minuten. Ohne eine Wortmeldung in der Nachspielzeit unter Tagesordnungspunkt ´Verschiedenes`.

Fotos: Kraichgaufoto und BWA

TSG-2_0, Moderator Horst Heinlein, Präsident Peter Hofmann, Geschäftsführung und Vertreter der Profimannschaft mit Trainer Huub Stevens, Dietmar Hopp, Sinsheims OB Jörg Albrecht, und Vollbesetzte Carl-Orff-Sporthalle

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