TSG steht gegen den französischen Spitzenreiter Lyon vor einer Herkulesaufgabe

Gelingt im vierten Aufeinandertreffen das erste Erfolgserlebnis?

Am Donnerstagabend (21 Uhr/live bei RTL+) steigt in der Sinsheimer SNP Arena der nächste Europapokalabend. Nur eine Woche nach dem emotionalen und stimmungsvollen Duell mit Besiktas Istanbul an gleicher Stelle möchte die TSG Hoffenheim in der UEFA Europa League gegen Olympique Lyon die ersten Punkte einfahren. Nach einem enttäuschenden 0:2-Auftakt auf Kreta und 2:3 gegen die Türken wäre ein Heimsieg gegen das französische Spitzenteam Voraussetzung, um sich noch Chancen auf das Erreichen der Zwischenrunde auszurechnen. Doch dieses Unterfangen der Gastgeber gleicht in der aktuellen Verfassung beider Mannschaften eher eine Herkulesaufgabe. Während sich die Nordbadener in der Liga und europäisch sehr schwer tun, strotzen die favorisierten Gäste nach ihrem erfolgreichen Saisonstart nur so vor Selbstvertrauen.

Spielszene aus dem letzten Aufeinandertreffen zwischen der TSG und Lyon: Hlozek (li.) enteilt Lyons Weltmeister Tolisso

Noch kein Sieger in den bisherigen Duellen

Ein Blick zurück: Mit Lyon trifft die TSG auf einen guten Bekannten. Bei den bisherigen fünf Europapokalteilnahmen ist es in der Gruppenphase nach 2018/19 in der Champions League (3:3, 2:2) und 2024/25 in der Europa League (2:2) das dritte Aufeinandertreffen auf internationaler Bühne. Und in allen bisherigen Partien gab es bei drei Unentschieden keinen Sieger. Besonders kurios dabei war, dass die Blau-Weißen stets in der Nachspielzeit den späten Ausgleichstreffer erzielten.

Nach dem drohenden Zwangsabstieg geht es wieder aufwärts

Zum Gegner: Das ehemalige Aushängeschild des französischen Fußballs stand vor einem Jahr mit einem Bein in der 2. Liga. Der drohende Zwangsabstieg konnte gerade noch in der Berufung verhindert werden. Turbulente Zeiten liegen hinter „Les Gones“, dem Spitznamen der Fans und des Club, der übersetzt für „die Kinder“ beziehungsweise „die Jungs“ steht. Der Verein hat sich sowohl sportlich als auch wirtschaftlich wieder positiv entwickelt. Wie die Hoffenheimer haben die Franzosen in der vergangenen Saison eine Champions League-Teilnahme nur knapp um einen Punkt verpasst.

Conte beim Dribbling gegen Besiktas Istanbul

Klangvolle Namen beim französischen Spitzenreiter

Im aktuellen Spielerkader gibt es einige klangvolle Namen wie der von Juventus Turin ausgeliehene Belgier Lois Openda, der auch schon bei RB Leipzig unter Vertrag stand. Ebenfalls aus der Bundesliga bekannte Gesichter sind der frühere Dortmunder Julien Duranville sowie der Weltmeister von 2018 Corentin Tolisso. Der 32-jährige Kapitän spielte fünf Jahre für den FC Bayern München, wo er fünf Deutsche Meisterschaften, zwei Pokalsiege und 2020 den Champions League-Titel feiern konnte. Ein weiterer hochkarätiger Spieler ist Nicolas Tagliafico, 2022 Weltmeister mit Argentinien. Top-Scorer ist auf der Rechtsverteidiger-Position der junge Schweizer Zachary Athekame, der bereits fünf Tor-Beteiligungen in sieben Liga-Spielen beisteuerte. Einer der Garanten für die stabilste Defensive der Liga ist der frühere Mainzer Moussa Niakhate.

Hoffenheims Adam Daghim (li.) gegen Istanbuls Junior Olaitan

Lyon ist in der Erfolgsspur

Der siebenfache französische Meister und fünffache Pokalsieger thront in der Ligue 1 überraschend vor Champions League-Titelverteidiger Paris St. Germain auf der Pole-Position. Auch international konnte OL durch Siege gegen die nächsten TSG-Gegner RSC Anderlecht (2:1) und Crystal Palace (3:2) optimal in die Gruppenphase starten.

Da steckt System dahinter

Das Team des 53-jährigen Portugiesen Paulo Fonseca, der seit 2025 bei Lyon das Cheftraineramt begleitet und zuvor mit Schachtar Donezk dreimal das Double gewann, besticht mit seinem 4-2-3-1-System durch viel Laufbereitschaft, einer hohen Passgenauigkeit und schnellem Spiel mit weiten Pässen nach vorn bei einer stabilen Grundordnung. Statistisch lässt die starke Defensive den Gegnern wenig Toraktionen zu, während sich die variable Offensive durch ihre Effektivität auszeichnet. Für die TSG ein schwer zu knackender Brocken.

Hoffenheims Verteidiger Ozan Kabak geht mit vollem Einsatz in den Zweikampf mit Istanbuls Doppeltorschütze Oh

Neues Selbstvertrauen gewonnen

Durch den zweiten Saisonsieg im Liga-Alltag beim Kellerduell am vergangenen Sonntagabend bei Borussia Mönchengladbach (2:1) konnte die TSG Hoffenheim ihren Negativlauf beenden und neues Selbstvertrauen gewinnen. Selbstvertrauen das bitter nötig ist, um sich mit dem aktuellen französischen Spitzenreiter zu messen.

Tim Lemperle mit artistischer Ballannahme

Warnende Beispiele

TSG-Trainer Christian Ilzer, der heute seinen 49. Geburtstag feiert, sieht in der engen Spieltaktung mit mehreren englischen Wochen in Folge eine große Herausforderung. Für den Österreicher ist es nicht verwunderlich, dass durch die Mehrfachbelastung mit Bundesliga und Europapokal einige Vereine sportlich in die Schieflage kommen. Beste Beispiel sind hier in der Liga Mainz 05 und Union Berlin, die durch ihre nationale- und internationale Spiele und dem daraus entstandenen neuen Rhythmus sich plötzlich im Abstiegskampf wiederfanden. Ilzer: „Kleinere Vereine wie Mainz und Union Berlin hatten auch schon sensationelle Saisons, in denen sie weit über den Erwartungen gespielt haben. Und in der Folgesaison, in der sie dann international aktiv waren, wurde es dann ganz schwer und sie konnten sich nicht aus den Fängen befreien.“ Auch die Hoffenheimer mussten in der Vergangenheit bereits hiermit ihre Erfahrungen machen und entsprechend Tribut zollen.

TSG-Coach Christian Ilzer gibt die Richtung vor und hofft am Donnerstagabend auf den ersten Erfolg in der Europa League für sein Team

„In vielen Leistungsparametern sind wir klar besser als im Vorjahr“

Trainer Christian Ilzer

Vor diesem Hintergrund und den Erfahrungen soll nach schwachem Saisonstart entgegensteuert werden. Ilzer möchte sein Team nach den bisherigen ausbleibenden Ergebnissen nicht kritisieren sondern ihm vielmehr Mut zusprechen: „In vielen Leistungsparametern sind wir klar besser als im Vorjahr. Wir haben mehr Ballbesitz, wir haben mehr Boxankünfte, wir haben mehr Abschlüsse im Spiel. Das ist alles positiv.“ Alles Faktoren, die bislang sich ergebnistechnisch noch nicht niedergeschlagen haben. Mit einem Erfolg über Lyon könnten Baumann & Co. zum einen ein dickes Ausrufezeichen setzen, was sich auf die nächsten schweren Aufgaben positiv auswirken dürfte, und zum anderen wäre er ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk an den Trainer.

Fotos: Kraichgaufoto und foto2press

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