Vom Thailand-Urlauber zum Retter der TSG

Markus Gisdol hat heute vor zwei Jahren, zusammen mit Alexander Rosen als Direktor für Profifußball, sein Chef-Traineramt bei der TSG übernommen. Die Kraichgauer befanden sich am 2. April 2013 mit 20 Punkten und 30:52 Toren hinter Augsburg (24), Düsseldorf (29) und Bremen (31) als Tabellenvorletzter kurz vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit, waren nur noch durch ein Wunder zu retten. Gisdol nahm einige entscheidende Veränderungen im Spielerkader vor, führte durch das „Wunder von Dortmund“ das Team in die Relegation. Zwei Siege über Kaiserslautern sorgten letztendlich für den Klassenerhalt. Gisdol und Rosen wurden daraufhin zu Recht als Helden gefeiert. Die 24 Monate seit der Amtsübernahme sind für Gisdol, nach eigener Aussage, „in einem wahnsinnig schnellen Zeitraffer vergangen“.
Als ihn die TSG-Anfrage im März 2013 aus sportlicher Not heraus kontaktierte, befand er sich mit der Familie gerade im Thailand-Urlaub. Er musste nicht lange überlegen, reiste, nach nur fünf Urlaubstagen, ohne die Familie zurück in die Heimat.
Gisdol rückblickend: „Die sportliche Lage schien aussichtslos. Die Trainingspläne für die Zweite Liga lagen bereits im Drucker, dennoch schickten wir vorsichtshalber jemanden zur Spielbeobachtung nach Kaiserslautern. Dass es am Ende doch noch zum Klassenerhalt gereicht hat, bleibt unvergessen. Der Erfolg in der Relegation ist für mich immer noch sehr präsent. Nach dem personellen Umbruch und der Neuorientierung haben wir sehr viel erreicht. Das gesamte Gebilde war jedoch sehr wackelig, nicht stabil.“
Gisdol und Rosen wollten sich von Anfang an nicht mit Sprüchen sondern über den Fußball definieren. Es galt sich wieder auf die alten Hoffenheimer Tugenden zu besinnen. Die neue sportliche Leitung nahm umfangreiche Veränderungen vor. Der von den Vorgängern hinterlassene, aufgeblähte Spielerkader von 47 Profis wurde ausgemistet, notgedrungen eine Trainingsgruppe zwei kurzzeitig ins Leben gerufen.
Rosen und Gisdol begannen ein neues, junges, hungriges Team zu formen, das ihren sportlichen Vorstellungen entsprach.

Trotz des positiven Abschneidens als Tabellenneunter, mit teils spektakulärem Offensivfußball in der Folgesaison 2013/14, wusste man nicht so richtig, wo man die Nordbadener einstufen sollte.
Gisdol: „Bekanntlich folgt einem positiven Jahr oft ein weniger gutes Spieljahr – einem Hurra-Erfolg ein sportlicher Abfall. Dies war bei uns 2014/15 jedoch nicht der Fall. Wir alle sind mit der stabilen Leistung dieser Vorrunde sehr zufrieden. Positiv haben wir eine tolle Entwicklung genommen, der auch die drei Niederlagen zu Jahresbeginn nichts antun konnte.“
Wohl war – man kann in dieser Saison noch einiges erreichen. Mit 37 Punkten ist als Siebter noch der Sprung ins internationale Geschäft möglich.

Der Traum vom internationalen Fußball ist auch beim ehrgeizigen, teils erfolgsbesessenen 45-Jährigen vorhanden. Er weiß die Situation realistisch und nüchtern zu betrachten: „Wenn man in der Tabelle die Positionen von Augsburg mit Dortmund vertauscht, ist es genau die Zusammensetzung, wie man sie vor der Saison voraussagte. Die ersten sechs Mannschaften, die man auch oben erwartet hatte, sind noch stärker als wir. Wenn wir uns direkt dahinter einreihen könnten, wäre es etwas ganz Besonderes. Um ins internationale Geschäft vorrücken, müssen wir eine solide und gute Mannschaft aufstellen.“

Immer noch offen, ob dies auch über das Vertragsende im Sommer 2016 hinaus gilt. Nachdem Rosen zu Jahresbeginn seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängerte, zögert Gisdol noch bei den Vertragsverhandlungen. Einige Unklarheiten aber auch Begehrlichkeiten anderer Vereine stehen da im Raum. Als mögliche Alternativen werden Leipzig und Hamburg gehandelt. Die ehemaligen Weggefährden Ralf Rangnick und Bernhard Peters sind große Beführworter Gisdols.
Zuletzt bekräftigte der TSG-Coach, dass er sich im Kraichgau sehr wohl fühlt, gerne längerfristig die Entwicklung der Mannschaft vorantreiben möchte. Auch die TSG-Geschäftsführung signalisierte eindeutige Zeichen zur Vertragsverlängerung. Hoffenheim und Gisdol – das passt zusammen. Eine vertragliche Einigung dürfte demnach in naher Zukunft erfolgen, notfalls auch mit einer finanziellen Nachbesserung bzw. vertraglichen Zugeständnissen.

Foto: Kraichgaufoto

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