Die restlichen Saisonspiele werden zum Charakter-Test
Mit einer moralisch tadellosen Leistung in der 2. Halbzeit konnte der SV Sandhausen die dritte Niederlage in Folge abwenden und einen 0:2-Pausenrückstand in einen 3:2-Erfolg im Spiel beim TSV Steinbach Haiger umwandeln. Nach der Trennung von Olaf Janßen konnte SVS-Interimstrainer Kevin Stotz, der statt der Dreier- die Vierer-Abwehrkette bevorzugt, in seinem zweiten Spiel den ersten Sieg feiern.

„So einen Sieg in der Nachspielzeit braucht manchmal auch das Glück“
SVS-Interimstrainer Kevin Stotz
Nach dem Spiel sagte der neue SVS-Coach: „In der Pause wurden deutliche Worte gesprochen, nach der Pause hat die Mannschaft dann ein ganz anderes Gesicht gezeigt. So einen Sieg in der Nachspielzeit braucht manchmal auch das Glück, aber nach den vergangenen Wochen tut uns das allen gut. Der Sieg gehört der Mannschaft, dem Verein und auch unseren Fans, die uns wieder stark unterstützt haben.“

Letzte Englische Woche
Für die Sandhäuser folgt die letzte Englische Woche der Saison mit dem Heimspiel des 29. Spieltages der Regionalliga Südwest gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz am Samstag um 14 Uhr und den beiden Auswärtspartien beim FSV Mainz 05 II am folgenden Dienstag sowie Bayern Alzenau samstags. Drei von noch sechs anstehenden Partien, die mehr oder weniger den Charakter von Testspielen haben, denn der Tabellenzehnte SVS wird sowohl mit dem Auf- wie dem Abstieg nichts mehr zu tun haben – aber auch Spiele, die noch viel Aussagekraft haben.

Testroet macht den Unterschied
Matchwinner in Steinbach Haiger war nach überstandener Verletzungspause einmal mehr in der laufenden Saison der 35-jährige Ex-Profi und Mannschaftskapitän Pascal Testroet, der mit seinen Saisontoren Nummer 16 und 17 das Ergebnis zunächst ausglich und schließlich auch den späten Siegtreffer von Louis Kolbe mit einleitete.
„Für den SVS zu spielen, bedeutete auch immer einen riesengroßen Verzicht“
Sandhausens Mannschaftskapitän Pascal Testroet
Doch Unterschiedsspieler Testroet wird den Kurpfälzern in der nächsten Saison nicht mehr zur Verfügung stehen und verkündete mit der Erklärung „Für den SVS zu spielen, bedeutete auch immer einen riesengroßen Verzicht. Es war der Verzicht, am Leben meiner Familie teilnehmen zu können“ überraschend seinen Abschied per Videobotschaft zum Saisonende. Vor der Trennung von Ex-Trainer Janßen äußerte sich Testroet noch positiv zu einem Verbleib am Hardtwald, weswegen gemutmaßt wird, dass es damit zusammenhängen könnte.

Stotz-Zukunft noch offen
Der Umbruch zur neuen Saison soll sich diesmal in Grenzen halten und ob der Trainer weiterhin Stotz heißt, ist offen und sicher davon abhängig, welches Bild die Mannschaft abgibt. Stotz gab bei seinem Amtsantritt an, nach dem Saisonende wieder seine bisherige Funktion im Nachwuchsleistungszentrum auszuüben, entgegnete aber nach dem Sieg in Steinbach: „Im Fußball ändert sich alles schnell, man weiß nie, was kommt.“
Auf der Suche nach einem neuen Torjäger
Um ambitionierte Ziele in Angriff zu nehmen, wird für den kommenden Kader ein Ersatz für Testroet auf jeden Fall gesucht, was auch ein Blick auf die interne Torschützenliste verdeutlicht: Hinter Testroet folgt mit dem Siegestorschützen vom vergangenen Samstag Kolbe ein Außenverteidiger mit vier Treffern. Je drei Mal trafen Mamutovic, Herrmann und die noch verletzten Osee, de Meester und Wagner. Sportdirektor Anthony Loviso äußerte sich zu Testroets bevorstehendem Abgang und warf einen Blick nach vorne: „Einer allein kann ihn nicht ersetzen. Der SV Sandhausen wird wieder eine schlagkräftige Mannschaft haben, die um den Aufstieg mitspielen kann.“ Fünf, sechs Neuzugänge sind vorgesehen.

SG Barockstadt Fulda-Lehnerz in guter Form
Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz hat von den letzten acht Pflichtspielen nur eines verloren und hat dabei die Offenbacher Kickers sowohl in der Liga wie auch im Hessenpokal-Halbfinale im Elfmeterschießen auf dem Bieberer Berg bezwungen. Punktgleich mit dem SV Sandhausen rangieren die Hessen damit dank des besseren Torverhältnisses drei Ränge vor dem SVS auf Platz 7 der Tabelle.
„Wir haben derzeit einen kleinen Flow“
SG-Trainer Daniyel Cimen
Trainer Daniyel Cimen zum positiven Rückrundenverlauf: „Wir haben derzeit einen kleinen Flow und schaffen es, ausgeglichene Spiele auf unsere Seite zu ziehen. Das war in der Hinrunde nicht der Fall. Die Jungs dürfen den Glauben an sich haben, zumal ich von der Qualität im Kader überzeugt bin.“ Dabei muss die SGB seit der Rückrunde wegen einer Schultereckgelenkssprengung auf Mittelfeldspieler Tim Korzuschek verzichten, der wie Stürmer Moritz Dittmann acht Mal traf. Am meisten Erfahrung kann der ehemalige Fürther mit strategischer Übersicht ausgestattete Bundesligaprofi Hans Nunoo Sarpei aufweisen.

Jamal Musialas Heimatverein
Die SGB entstand erst im Jahr 2018 nach der Aufnahme der Herrenmannschaft von Borussia Fulda zum TSV Lehnerz, der im Nordosten der osthessischen Stadt Fulda beheimatet war. 2022 folgte der Aufstieg in die Regionalliga Südwest. Der Nationalspieler und Ausnahmekönner Jamal Musiala begann 2008 als Fünfjähriger das Fußballspielen beim TSV Lehnerz.
Mögliche Aufstellungen:
SV Sandhausen: Schneller – Kolbe, Wimmer, K. Schulz, Tarnat – Gipson, Krauße – Mamutovic, Herrmann, Halbauer – Testroet
SG Barockstadt Fulda-Lehnerz: Duda – Frey, Habermehl, Iljazi, Kraft – Arcanjo-Köhler, Göbel, Ivankovic, Pomnitz, Sarpei – Dittmann
AM
Fotos: foto2press













