„Wenn man denkt, man hat schon etwas erreicht, ist man zweiter Sieger“

Alois Schwartz sieht sich vor einer Hammer-Aufgabe

Gut erholt und tiefbraun gebräunt kehrten Sandhausens Trainer Alois Schwartz und Ehefrau Jutta aus dem zweiwöchigen Florida-Urlaub zurück, um rechtzeitig an der 100-Jahresfeier in der Sandhäuser Festhalle teilzunehmen. Das Jetlag, nach sieben Stunden Zeitunterschied, galt es dabei noch etwas zu verarbeiten. Im Gespräch mit bwa-sport.de machte Schwartz deutlich, dass er sich bereits auf eine interessante neue Zweitliga-Saison 2016/17 freut. Zum aktuellen „Trainerkarussell“ nahm der 49-jährige gebürtige Nürtinger klar Stellung und machte kein Geheimnis daraus, auch schon mal darüber nachgedacht zu haben, nach drei erfolgreichen Jahren am Hardtwald, den nächsten Karriereschritt ins Auge zu fassen.

Herr Schwartz, zwei Wochen Erholungsurlaub in Florida nach einer emotionalen und anstrengenden Saison taten sicherlich sehr gut. Sie wirken sehr entspannt.
Alois Schwartz: Wichtig war es, ein wenig Abstand zu gewinnen, etwas anderes zu sehen und andere Gedanken zu haben. Die letzte Saison, mit der Hypothek von drei abgezogenen Punkten gleich zu Beginn, war natürlich für uns alle, auch psychologisch, sehr anstrengend. Der Akku ist zwar noch nicht ganz aufgeladen, doch es bleiben ja noch drei Wochen bis zum Start der sechswöchigen Saisonvorbereitung. Nach der Sommerpause freut man sich dann wieder, wenn es los geht – man ist heiß auf die neue Runde.

Derweil laufen die Personalplanungen am Hardtwald auf Hochtouren.
Schwartz: Mit Tim Knipping, Julian Derstroff, Lucas Höler und Maximilian Jansen haben wir vier junge, hungrige Spieler verpflichtet und mit Daniel Gordon vom KSC und Markus Karl von Kaiserslautern zwei gestandene Spieler geholt. Im Offensivbereich kam noch Richard Sukuta-Pasu aus Cottbus hinzu.

Die Zweite Liga bekommt mit den Erstliga-Absteigern VfB Stuttgart und Hannover 96 weitere Topp-Teams hinzu.
Schwartz: Für uns eine sehr schöne, aber auch sehr große Herausforderung, es kommen zwei große Traditionsvereine hinzu, die viele Zuschauer bringen. Wir können uns wieder mit anderen Mannschaften duellieren, wobei wir uns mit dem VfB noch nie messen konnten.

Glauben Sie, dass der SV Sandhausen im fünften Zweitligajahr einen weiteren Schritt nach vorne machen kann?
Schwartz: Ich bin der Auffassung, dass man immer kleine, keine großen Schritte nach vorne machen sollte. Wichtig ist bodenständig zu bleiben und keine Luftschlösser zu bauen. Unser Ziel ist es, in einer noch stärkeren Liga zu bestehen und den Klassenerhalt zu schaffen. Außer Aue, Würzburg, Heidenheim und uns sind in der Zweiten Liga alles ehemalige Bundesligisten, deshalb wird es für uns eine Hammer-Aufgabe.

Die Aussage von SVS-Präsident Jürgen Machmeier beim Festakt zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, „Unser Weg ist noch nicht zu Ende, wir wollen noch weiter gehen“, hörte sich sehr erfolgsorientiert an.
Schwartz: Wichtig ist, dass man nach vorne schaut. Wenn man denk, man hat schon etwas erreicht, ist man gleich zweiter Sieger. Für uns gilt es weiterhin auf der Siegerstraße zu bleiben. 40 Punkte in der neuen Saison zu holen gehört zum nächsten Schritt.

Sie wurden auch mit einigen Bundesligisten in Verbindung gebracht. Das Trainerkarussell hat sich zuletzt gewaltig gedreht.
Schwartz: Ja, es kam viel Bewegung rein. Stuttgart hat nicht den Erfolg gehabt, den man sich vorstellte, Hannover hat aufgrund des Negativtrends reagiert. Hasenhüttl in Ingolstadt, Weinzierl in Augsburg und Schuster in Darmstadt haben einen guten Job gemacht und wollen in Leipzig, Schalke und Augsburg den nächst größeren Schritt machen. Und so geht es weiter.

Auffallend dabei, dass viele Ihrer Kollegen trotz bestehenden Vertrags zum Wechsel tendierten. Was bisher meinst bei den Spielern der Fall war, hat sich jetzt auch verstärkt auf die Trainer übertragen.
Schwartz: Wenn einer den nächsten Schritt machen möchte, warum auch immer, muss er es für sich entscheiden. Dann soll man diejenigen auch nicht auffallen. Meist sieht ist es doch so aus, dass ein Trainer gehen muss bevor er gehen will (lacht).

Wie oft haben Sie zuletzt nachgedacht, womöglich den nächsten Schritt zu gehen, als Angebote vorlagen?
Schwartz: Natürlich denkt man auch mal darüber nach, nachdem man drei Jahre hier erfolgreich gearbeitet hat. Man musste immer mit kleinen Mitteln am Maximum arbeiten. Es ist aber auch eine schöne Aufgabe die kleinen Schritte mit zu gehen, dabei zu sein und zu sehen, wie der Verein wächst. Die Entwicklung war zuletzt sehr positiv.

Ihr Wunsch für die fünfte Zweitliga-Saison des SVS?
Schwartz: Klar wollen wir wieder drin bleiben, mehr darf und will ich mir nicht wünschen.

Foto: Kraichgausport

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