Verloren aber dennoch gewonnen

1899 Hoffenheim sichert sich vorzeitig den Klassenerhalt

Das Wichtigste zu allererst, die TSG 1899 Hoffenheim hat am vorletzten Bundesliga-Spieltag vorzeitig den Klassenerhalt geschafft und nach einer enttäuschenden Hinrunde, mit Überwinterung auf dem letzten Tabellenplatz, ein kleines Fußball-Wunder vollbracht. Als Retter wird Trainer Julian Nagelsmann gefeiert. Dem jüngsten Bundesligatrainer ist es gelungen, neues Leben und Leidenschaft in die Mannschaft zu bringen sowie mit einer offensiv ausgerichteten Spielweise erfolgreich zu sein. Zweifellos hat der ehemalige U19-Jugendcoach das in ihn gesetzte Vertrauen mehr als bestätigt. Dank einer außergewöhnlichen Heimstärke von fünf Siegen in sechs Partien sind die Nordbadener den Abstiegsrängen enteilt.
Unter Nagelsmann holte die TSG in 13 Partien mit 23 Punkten deutlich mehr, als in den 20 vorherigen Saisonspielen dessen Vorgänger Markus Gisdol und Huub Stevens, die es zusammen auf nur 14 Punkte brachten.
Nationalspieler Kevin Volland brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „Mit Julian kam hier Ruhe rein.“
Nagelsmann ist ein ehrgeiziger, erfolgsorientierter Gewinner-Typ. Trotz des vorzeitigen Klassenerhalts konnte er sich nach der 0:1 Niederlage bei Absteiger Hannover 96 nicht sonderlich freuen: „Es kann sein, dass ich ein Bier auf den Klassenerhalt trinken werde. Aber ich bin sehr ehrgeizig, heute haben wir ein schlechtes Spiel abgeliefert.“
Verloren, aber doch irgendwie gewonnen. Das 0:1 bei Schlusslicht Hannover war zwar spielerisch keine Offenbarung, doch dank der entsprechenden Ergebnisse aus den Parallelspielen kommt es am letzten Spieltag zu Hause gegen Schalke 04 nicht zum großen Final-Zittern.
Hoffenheim begann druckvoll, hatte bereits nach fünf Minuten durch Andrej Kramaric, nach glänzender Vorarbeit von Volland, aus sieben Metern den Führungstreffer auf dem Fuß, doch Keeper Zieler parierte glänzend. In der Defensive ließen die Kraichgauer nichts anbrennen, standen sicher und ermöglichten den Niedersachsen kaum Tormöglichkeiten.
Urplötzlich dann nach 28 Minuten die überraschende Führung der Gastgeber. Der starke Sarenren-Bazee überlief Ermin Bicakcic im Vollsprint über rechts und legte mustergültig auf Kiyotake auf, der aus zwölf Metern traf. Dem auf der Linie postierten Innenverteidiger Niklas Süle sprang die Kugel unglücklich ans linke Bein und von da ins Tor. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Rückstand auf den Relegationsplatz nur noch einen Zähler. Dennoch spielten die Kraichgauer weiter passiv, wirkten im Spielaufbau unkonzentriert und fehlerhaft, gingen nicht entschlossen in die Zweikämpfe. Die Gastgeber waren williger, wollten sich unbedingt mit einem Heimsieg vor dem eigenen Publikum aus der Liga verabschieden. Erneut war es Kramaric, der in der 33. Minute eine Freistoßflanke von Volland freistehend aus vier Metern vorbeiköpfte. In der zweiten Hälfte kam Kevin Kuranyi erstmals unter Trainer Nagelsmann zum Einsatz. Doch auch der Ex-Nationalspieler konnte keinen zusätzlichen Schwung in die Offensive bringen. In der 65. Minute vergab er, nach glänzendem Querpass von Kramaric, sechs Meter frei vor dem Tor die große Ausgleichschance.
Hannover ließ nicht mehr viel zu und suchte mit schnellen Kontern die vorzeitige Entscheidung. Dabei stand ihnen in der 90. Minute auch das Glück zur Seite, als Jeremy Toljan aus 19 Metern nur die Querlatte traf. Die 96iger siegten letztendlich verdient, verabschiedeten sich sehr ordentlich aus der Liga, während Gegner Hoffenheim sich trotz der Auswärtsniederlage über den Klassenerhalt freuen konnte.

Foto: Kraichgaufoto

Artikel teilen

WERBUNG