Laurin Curda freut sich auf das Abenteuer Bundesliga
Es war am Samstagnachmittag um 15:55 Uhr ein unerwarteter und zugleich überraschender Besuch an der Rohrbacher Rosenbrücke. Beim Saisonfinale der Kreisliga Sinsheim zwischen dem SV Rohrbach/S. und dem SV Reihen war unter den Zuschauern auch Fußballprofi Laurin Curda vom frisch gebackenen Bundesligaaufsteiger SC Paderborn. Der Siegtorschütze beim 2:1-Erfolg über den VfL Wolfsburg kam auf Einladung der Gäste aus Reihen. „Meiner Frau Laila ihr Papa Oliver Wörns ist Torwarttrainer beim SV Reihen und hat mich heute zum Spiel in Rohrbach eingeladen“, erklärte der Fußballprofi den Grund seines Kommens. Der in Paderborn wohnende Curda war nicht zufällig in der Region, denn am Vortag hatte er im Forsthaus in Neckarbischofsheim seiner Laila das Ja-Wort gegeben.
Erst Aufstiegs-, dann Hochzeitsstress
Noch in der gleichen Woche nach dem Fußballmärchen mit seinem SC Paderborn folgte mit der Hochzeit ein weiterer Höhepunkt. „Die letzten Tage waren schon etwas stressig. Es ist auch jetzt noch einige Tage danach schwer dies alles zu begreifen. Es war nach dem Bundesligaaufstieg in Paderborn nur noch Party angesagt. Mit der Mannschaft bin ich aber nicht zum Feiern nach Mallorca geflogen, da unsere Hochzeit schon länger terminiert war“, umschreibt er seine außergewöhnlich intensiven letzten Tage. Erst Aufstiegs-, dann Hochzeitstress – für das junge frischvermählte Paar waren es unvergessliche feierliche Momente.

„Es war schwer zu begreifen, was da alles passiert ist“
Curda über die letzten außergewöhnlichen Tage
Curda war im zweiten Relegationsspiel der Matchwinner, nachdem ihm mit einem Volleyschuss in der 100. Spielminute zum 2:1 für Paderborn gegen den bis dahin noch nie abgestiegenen und favorisierten Erstligisten VfL Wolfsburg der Siegtreffer gelang und er somit den SCP zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte ins Fußballoberhaus beförderte. „Es war für mich ein unvergessliches Gefühl in der Verlängerung das Siegtor erzielt zu haben. Es war anschließend schwer zu begreifen, was da alles passiert ist und was ich da gerade in dem Moment zusammen mit der Mannschaft erreicht habe“, blickt der Aufstiegsheld sichtlich bewegt zurück. Unvergessen bleiben die Bilder, als ein Großteil der 15.000 Zuschauer den Platz der Home Deluxe Arena nach dem Abpfiff stürmten und zusammen mit ihre Fußballhelden den Bundesligaaufstieg euphorisch bis spät in die Nacht hinein feierten.
Damit konnte man nicht rechnen
Für den Defensivspieler Lurda war es im Gespräch mit bwa-sport.de rückblickend eine intensive und harte Zweitliga-Saison mit vielen Höhen und Tiefen: „Auch wenn wir in den Top-Spielen gegen Elversberg, Darmstadt und Schalke einiges liegen ließen, haben wir es am Ende doch noch geschafft über die Relegation in die Bundesliga aufzusteigen. Damit haben nur die wenigsten gerechnet“, umschreibt der 24-Jährige das Paderborner Fußballmärchen. Am Ende reichte es für das Aushängeschild der 157.000 Einwohner großen Universitätsstadt auf Platz 3, punktgleich mit dem Zweiten SV Elversberg und hinter Meister FC Schalke 04, zum Aufstieg. Tabellarisch ließ der SCP die enttäuschten Traditionsvereine Hannover 96, Darmstadt 98, 1. FC Kaiserslautern, Hertha BSC Berlin, 1. FC Nürnberg und VfL Bochum deutlich hinter sich.

Fußballerische Wurzeln in der Region
Für den in Ludwigsburg geborenen Curda ist die Region keine Unbekannte, schließlich spielte er vor seinen drei Profijahren in Paderborn in der Regionalliga in Bahlingen, wo er 61 Pflichtspiele absolvierte. Zuvor bestritt er in der Jugend des SV Sandhausen von 2020 bis 2021 zwölf Spiele in der 2. Mannschaft und stand von 2017 bis 2020 bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag. Sein aktueller Marktwert wird laut transfermarkt.de mit 2 Millionen Euro geschätzt.
„warum jetzt nicht auch wir?“
Curda über einen möglichen Klassenerhalt
Mit großer Vorfreude blickt Curda auf sein erstes Erstligajahr: „Klar sind wir für viele Abstiegskandidat Nummer 1. Dennoch traue ich uns aufgrund unserer unbekümmerten Begeisterung und unseren tollen Fans durchaus zu die Klasse zu erhalten. Dies haben in der Vergangenheit auch schon andere Mannschaften geschafft – warum jetzt nicht auch wir. Wir müssen Woche für Woche bestrebt sein, Punkte zu sammeln. Man hat auch bei Heidenheim gesehen, was in den letzten Jahren alles möglich war.“
Der Erfolg der Paderborner dürfte auch vom zur Verfügung stehenden qualitativen Personal abhängig sein. Curda: „Wichtig ist, dass unsere eingespielte Mannschaft im Großteil zusammenbleibt. Mit Dennis Seimen und Calvin Brackelmann verlassen uns bereits zwei wichtige Stammkräfte.“ Mit dem gebürtigen Sinsheimer Luca Duric von der TSG Hoffenheim steht bereits ein Neuzugang fest.
„Der Profifußball ist etwas besonderes und auch etwas verrückt„
Curda über die Bundesliga
Das Paderborner Erfolgsrezept: Man vertraut vor allem auf junge, hungrige Spieler, holt sie aus unteren Klassen oder bildet sie im eigenen Nachwuchs aus. In der Aufstiegssaison 2018/19 investierte der SCP nur 800.000 Euro in das eigene Nachwuchs-Leistungszentrum. Nun sind es knapp 4,5 Millionen Euro, was als beachtlicher Erfolg zu werten ist. Das Abenteuer Bundesliga kann auch für Curda beginnen: „Der Profifußball ist etwas besonderes und auch etwas verrückt. In der Ersten Liga sind einige Millionen mehr im Spiel als in der Zweiten, alles ist eine Nummer größer. Wir stellen uns dem.“
Vorfreude auf Stuttgart und München
Zu den Höhepunkten zählen für ihn die Gastspiele in der Stuttgarter Arena, wo er schon als kleiner Junge gerne war und „ich in jungen Jahren dort so langsam in den Profifußball hineingewachsen bin“. Auch dem ersten Auftritt in der Münchner Allianz-Arena vor 75.000 Zuschauern fiebert er schon entgegen. „Solche Spiele sind für jeden Fußballer Kindheitsträume und etwas ganz besonderes, das ewig in Erinnerung bleibt“, blickt er bereits auf die Ende August beginnende Saison 2026/27 voraus.

Den Hoffenheimer Weg weiter intensiv verfolgt
Den Weg der TSG Hoffenheim hat Curda, trotz dass er 2019 nur ein U23-Spiel dort bestritten hat, intensiv verfolgt: „Die TSG ist ein Verein, der immer sehr gute Arbeit geleistet und viele Talente herausgebracht hat. Es kann immer mal passieren, dass einer Mannschaft in einer schwierigen Liga solche Negativphasen wie im vergangenen Jahr passieren, um so schöner war es für sie, dass sie da schnell wieder herausgefunden haben. Jetzt haben sie eine überragende Saison gespielt und sich mit der Europapokalteilnahme belohnt.“
Ein typisches Kreisligaspiel
Für den Überraschungsgast war das Nachbarschaftsduell zwischen Rohrbach und Reihen, das die Gastgeber mit 4:1 für sich entscheiden konnten, ein typisches Kreisligaspiel: „Auch wenn es für beide Mannschaften um nichts mehr ging, zeigten sie trotz der heißen Temperaturen ein gutes Spiel. Für mich war es ein typisches intensives Kreisligaspiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten.“ Aufgrund seiner (verwandtschaftlichen) Nähe zum SV Reihen kann man davon ausgehen, dass weitere Besuche bei Kreisligaspielen künftig nicht ausgeschlossen sind.
Fotos: BWA und Kraichgaufoto













