TSG war sich nach 2:0-Führung zu sicher und steht am Ende gegen Dortmund mit leeren Händen da

Enttäuschung nach zweiter unnötiger 2:3-Niederlage

So hatte man sich den Saisonstart bei der TSG Hoffenheim sicherlich nicht vorgestellt. Nach zwei Spieltagen warten die Kraichgauer nach zwei 2:3-Niederlagen gegen den 1. FC Köln und Borussia Dortmund noch auf die ersten Punkte. Sechs Gegentore in zwei Partien sind sicherlich nicht der Anspruch, den Nationaltorhüter Oliver Baumann und seine Vorderleute sich gestellt haben. Die enttäuschende Ausbeute spiegelt jedoch nicht die Leistungen der TSG wieder, die sowohl beim Auftakt in Köln als auch jetzt im Heimspiel gegen Dortmund über zwei Drittel der Partie das bessere, spielbestimmendere Team waren, am Ende aber teils durch Nachlässigkeiten und eigene Fehler den Gegnern BU die Siege überließen. Hier gilt es anzusetzen und künftig besser zu machen – das war nach dem Abpfiff aus dem Hoffenheimer Lager zu vernehmen.

2:0-Führung aus den Händen gegeben

Gegen Dortmund führte die Ilzer-Truppe nach knapp einer Stunde hochverdient durch Treffer von Leon Avdullahu (45.) und Tim Lemperle (55.) mit 2:0, ehe ein Doppelschlag von Serhou Guirassy (61.) und Fabio Silva (66.) sowie ein unglückliches Eigentor von Albian Hajdari (86.) die Partie noch überraschend zu Gunsten der Ostwestfalen drehte. Während die Schwarz-Gelben nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck mit ihren rund sechstausend mitgereisten Fans vor dem Gästeblock jubelten, herrschte Enttäuschung und Ratlosigkeit im Blau-Weißen Lager.

In seinem 35. Bundesliga-Einsatz gelang Leon Avdullahu sein erster Bundesliga-Treffer

Wir dürfen nicht denken, dass wir die Partie nach der Führung gewonnen haben

Hoffenheims Leon Avdullah

Die Nordbadener müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, nach der 2-Tore-Führung deutlich nachgelassen zu haben und nicht mehr mit vollem Einsatz und Willen zur Sache gegangen zu sein. Dies machte auch Torschütze Avdullahu beim Gespräch in der Mixed-Zone deutlich: Ich glaube, es lag eher daran, dass wir dachten, das Spiel sei schon vorbei. Nach dem 2:0 haben wir uns zu sicher gefühlt. Aber gegen eine Spitzenmannschaft wie Dortmund darf man sich so etwas nicht erlauben, da wird man direkt bestraft.“

„Wenn wir selbst die Tore machen, dann ist der Deckel drauf“

TSG-Stürmer Tim Lemperle

Ein weiteres Manko war die Chancenverwertung. Der zweite Torschütze Lemperle, der selbst zwei Hochkaräter ungenutzt ließ, sah dies ähnlich: „Wir haben verpasst das 3:0 zu machen und kassieren dann drei Dinger. Wenn wir selbst die Tore machen, dann ist der Deckel drauf und wir gewinnen. Das gilt es künftig besser zu machen.“

Zum Spielverlauf:

Traumtor von Avdullahu

Die Gastgeber übernahmen von Beginn an mit viel Power und spielerischer Leichtigkeit die Spielkontrolle. Der BVB sah sich fast ausschließlich in der Defensive und konnte sich nur selten vom gegnerischen Pressing befreien und durch einige Kontern für Entlastung sorgen. Nachdem Adam Hlozek für die TSG (17.) und Guirassy für den BVB (21.) die ersten Möglichkeiten vergaben, verhinderte Gäste-Keeper Gregor Kobel bei einem Schuss von Adam Daghim aus spitzem Winkel mit einer Glanzparade den möglichen Rückstand (30.). Nachdem Hlozek (34.) und Lemperle (39.) weitere Chancen nicht verwerten konnten, gelang Avdullahu auf Vorlage von Vladimir Coufal kurz vor der Pause mit einem tollen 22-Meterschuss ins linke obere Eck die verdiente Führung (45.). Die Südkurve jubelte und ließ sich das Pausen-Bier schmecken.

Leon Avdullahu (re.) erzielt aus 22-Metern die Hoffenheimer Führung zum 1:0

Lemperle erhöht nach toller Einzelaktion auf 2:0

Auch zu Beginn der zweiten Hälfte machten die Gastgeber weiter Druck und hatten Möglichkeiten zur Ergebniserhöhung. Zunächst verpasste Hlozek eine scharfe Daghim-Hereingabe um einen Schritt frei vor dem Tor (48.), dann scheiterte Lemperle an Kobel (49.) und ein Kopfball von Ozan Kabak verfehlte nur knapp sein Ziel (53.). Zwei Minuten später konnten die Hoffe-Fans erneut jubeln, als Lemperle nach schöner Einzelaktion mit einem abgefälschten Schuss auf 2:0 erhöhte (55.).

Tim Lemperle erhöht auf 2:0, Dortmunds Waldemar Anton (Nr. 3) fälscht den Schuss noch unglücklich über Torhüter Kobel ab

BVB schlägt eiskalt innerhalb von fünf Minuten zurück

Für viele der 30.150 Zuschauer in der Sinsheimer Arena schien die Partie nun gelaufen zu sein, doch sie irrten sich gewaltig. Innerhalb von nur fünf Minuten gelang es der Kovac-Truppe durch Treffer von Guirassy (61.) und Silva (66.) das Ergebnis wieder auszugleichen. Diskussionen gab es beim 1:2-Anschlusstreffer, da nach Hoffenheimer Ansicht vor dem Dortmunder Treffer ein Foulspiel an Patrick Wimmer ungeahndet blieb.

„Es war ein klares Foulspiel“

Patrick Wimmer über die Szene vor dem 1:2-Anschlusstreffer des BVB

Hoffenheims österreichischer Neuzugang Wimmer nach dem Spiel in der Mixed-Zone gegenüber bwa-sport.de: „Für mich war es ein klares Foul. Mein Gegenspieler geht mit offener Sohle mir von hinten in die Wade. Das Spiel hätte nicht weiterlaufen dürfen.“ Auch Trainer CHristian Ilzer nahm in der Pressekonferenz hierzu deutlich Stellung und sah einen nicht geahndeten Regelverstoss.

Eigentor entscheidet die Partie

In einer ausgeglichenen Schlussphase kam es für die Blau-Weißen noch schlimmer. Nach einem Querpass von Ethan Nwaneri grätschte Verteidiger Albian Hajdari den Ball unglücklich vorbei an Baumann ins eigene Tor zum 2:3-Endstand. Trotz eines allerletzten Aufbäumens gelang es nicht, die Niederlage im ersten Heimspiel abzuwenden. Die Enttäuschung war groß.

Stimmen der Trainer:

Ein engagierter TSG-Coach Christian Ilzer

„Wir haben zu wenig aus den Torchancen gemacht“

TSG-Trainer Christian Ilzer

Chris Ilzer (Hoffenheim): „Es fühlt sich im Moment nicht gut an, mit null Punkten nach zwei Spielen dazusitzen. Wir haben zu wenig aus den Torchancen gemacht. Mit einer 2:0-Führung darf man keinen Millimeter nachlassen, das wurde heute bestraft. Es gab schon den einen oder anderen schmerzhaften Hieb in der noch jungen Saison.“

BVB-Trainer Niko Kovac mit Ballsicherheit

„Es war ein glücklicher Sieg, wenn man durch ein Eigentor das Spiel gewinnt“

BVB-Cheftrainer Niko Kovac

Niko Kovac (Dortmund): „Es war ein sehr intensives Spiel. Hoffenheim hat den Ball gut laufen lassen und uns vor Probleme gestellt. Wir sind erst nach dem 0:2-Rückstand aufgewacht und sind dann Alles oder Nichts gegangen.  Die Jungs, die eingewechselt wurden, haben das Extraplus reingebracht. Es war ein glücklicher Sieg, das muss man auch sagen, wenn man durch ein Eigentor das Spiel gewinnt.“

Aufstellungen:

TSG Hoffenheim: Baumann – Coufal, Ozan Kabak (79. Hranac), Hajdari, M. Rots – Avdullahu, Burger (79. De Cat) – Wimmer (73. Conte), Daghim – Lemperle (84. Moerstedt), Hlozek (73. Kramaric)
Borussia Dortmund: Kobel – Gadou (62. Reggiani), Anton, Mane (32. Nwaneri) – Ryerson, Nmecha (46. Veerman), Bellingham, Svensson – Karetsas (62. Silva), Beier – Guirassy
Tore: 1:0 Avdullahu (45.), 2:0 Lemperle (55.), 2:1 Guirassy (61.), 2:2 Silva (66.), 2:3 Hajdari (Eigentor, 86.)
Schiedsrichter: Jöllenbeck (Freiburg)
Zuschauer: 31.150 (ausverkauft)

Der nächste Kracher: Samstag kommt der VfB

Am nächsten Samstag empfängt die TSG Hoffenheim erneut in einem Heimspiel den schwäbischen Nachbarn VfB Stuttgart. Die bereits ausverkaufte Partie in der SNP-Arena beginnt um 15:30 Uhr. Nach null Punkten aus zwei Partien stehen die Kraichgauer bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Saison unter Druck, um einen drohenden Fehlstart abzuwenden.

Fotos: Kraichgaufoto und foto2press

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