Das 3:3 gegen Stuttgart fühlt sich wie eine Niederlage an
Das mit großer Spannung erwartete Nachbarschaftsduell zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart im Kampf um einen Champions League-Platz am 32. Bundesliga-Spieltag endete wie im Hinspiel unentschieden. Doch anders als im Dezember des vergangenen Jahres bei der torlosen und wenig unterhaltsamen Nullnummer am Neckar bekamen die Zuschauer in der ausverkauften Sinsheimer Arena beim 3:3-Remis höchsten Unterhaltungswert geboten. Es war ein sehr intensives und temporeiches Spiel, bei dem vor allem die Gastgeber eine sehr starke Leistung ablieferten.

Sechs Tore und jede Menge vergebener Chancen
Die Kraichgauer gingen früh durch Andrej Kramaric, der im Vorfeld der Partie seinen Vertrag sehr zur Freude der TSG-Fans um zwei Jahre verlängert hatte, in Führung (7.). Nach dem Ausgleich durch Chris Führich (20.), brachte Bazoumana Toure die TSG erneut in Führung (24.). In der zweiten Hälfte erhöhte erneut Kramaric auf 3:1 (48.). Doch Ermedin Demirovic (64.) und Tiago Tomas (90.+6) konnten trotz Unterzahl, nachdem VfB-Kapitän Atakan Karazor nach grobem Foulspiel an Fisnik Asllani mit Rot vom Platz flog, noch ausgleichen.

Spannender Dreikampf
Durch die Punkteteilung zog Bayer Leverkusen nach einem souveränen 4:1-Heimsieg über RB Leipzig an den beiden baden-württembergischen Kontrahenten vorbei auf Platz 4. Zwei Spieltage vor Saisonende sind somit Leverkusen (Tordifferenz +24), Stuttgart (+20) und Hoffenheim (+16) punktgleich.

„Abgerechnet wird nicht am drittletzten, sondern am letzten Spieltag“
TSG-Coach Ilzer
Für TSG-Coach Ilzer gilt daher: „Wir müssen in den letzten beiden Partien gegen Bremen und Mönchengladbach sechs Punkte holen, dann ist ein Champions League-Platz für uns noch möglich. Wir werden gut vorbereitet und motiviert an die Aufgabe herangehen. Es ist noch nichts endgültig entschieden. Abgerechnet wird nicht am drittletzten, sondern am letzten Spieltag.“

Ein Remis, das sich wie eine Niederlage anfühlt
Dennoch fühlte sich das Unentschieden gegen die Schwaben, die von rund 6.000 Fans unterstützt wurden, für die Gastgeber wie eine gefühlte Niederlage an. Die TSG betrieb massiven Chancenwucher, scheiterte zwei Mal am Aluminium, spielte ein halbes Dutzend hochkarätiger Konter nicht sauber zu Ende und kassierte in der letzten Aktion der sechsminütigen Nachspielzeit den unglücklichen Ausgleich.
„Es war zu viel Unruhe, wir waren zu unreif“
TSG-Torjäger Kramaric
Ein enttäuschter zweifacher Torschütze Kramaric nach dem Spiel in der Mixed-Zone: „Ich bin fast schockiert. Die letzten Minuten waren nicht gut. Wir haben so viele Torchancen und Umschaltsituationen gehabt. Es war zu viel Unruhe, wir waren zu unreif. Es hat nichts mit dem Druck zu tun. Jeder Spieler wollte es richtig machen, aber wir hatten zu wenig Ordnung im Spiel nach vorn in den letzten Minuten.“

TSG mit massivstem Chancenwucher
Für die Hoffenheimer waren es im Kampf um den Champions-League-Startplatz definitiv zwei verlorene Punkte, für die Weiß-Roten hingegen ein Remis, das sich wie eine Sieg anfühlte. Aufgrund des Spielverlaufs hätte die TSG einen großen Schritt in Richtung Königsklasse machen können und zugleich die Bad Cannstatter mit dem Sprung auf Platz 4 auf drei Punkte distanzieren können.

„Wir haben uns nicht belohnt“
Hoffenheims Verteidiger Kabak
Verteidiger Ozan Kabak konnte sich mit dem Ergebnis überhaupt nicht anfreunden: „Wir sind sehr enttäuscht. Wir hatten viele Gelegenheiten, um das Spiel zu entscheiden, das hätten wir gewinnen müssen. Es gibt noch zwei Finals, die wollen wir gewinnen und uns noch für die Champions League qualifizieren. Es war eine sehr gute Leistung, aber das Ergebnis ist enttäuschend. Wir haben uns nicht belohnt.“

Zum Spielverlauf:
Verdiente Pausenführung
Nach einem etwas unkontrolliertem Zuspiel von Fisnik Asllani landete der Ball auf der rechten Seite bei Kramaric, der völlig freistehend den Ball ins lange Eck zum 1:0 einschob (7.). Die Stuttgarter schlugen mit ihrer ersten gefährlichen Aktion zurück, indem Führich aus spitzem Winkel den Ball am etwas verdutzt wirkenden Nationalkeeper Oli Baumann im kurzen Eck zum 1:1 unterbrachte (20.). Nur vier Minuten später besorgte Toure die erneute Führung, als er mit einem trockenen Schuss von der Strafraumgrenze ins rechte Eck traf (24.). Bis auf eine Chance von Deniz Undav, der einen Kopfball aufs TSG-Tornetz setzte (26.), blieb es bei der verdienten Pausenführung der Ilzer-Truppe.

TSG verpasst die Vorentscheidung
Es ging nach Wiederanpfiff gleich wieder schnell zur Sache. Nach Zuspiel von Wouter Burger sprintete Toure über die linke Seite, passte quer auf Kramaric, der aus kurzer Distanz den Ball nur noch über die Linie drücken brauchte (49.). Kurz darauf fast die Vorentscheidung: Wieder ging die Aktion von Toure aus, der sich über links durchgesetzt hatte und in die Mitte auf Tim Lemperle passte, der jedoch am linken Innenpfosten scheiterte (55.). Wiederum sechs Minuten später hatten die TSG-Fans den Torschrei schon auf den Lippen, doch VfB-Schlussmann Alexander Nübel fischte einen Coufal-Freistoß von halblinks aus dem Torwinkel (61.). Statt die Partie vorzeitig zu entscheiden, kamen die Gäste bei einem schnell vorgetragenen Konter durch Demirovic auf 2:3 wieder heran (64.).


VfB in Unterzahl
Kurz darauf dezimierten sich die Schwaben, nachdem Karazor Aslllani bei einem Konter von hinten in die Achillesferse traf und zurecht von Schiri Sascha Stegemann mit Rot vom Platz flog (69.). Die Blau-Weißen blieben weiter am Drücker und hatten Pech, als ein Schuss von Albian Hajdari nur den Pfosten traf (71.). Weitere hochkarätige Chancen blieben weiter ungenutzt: Zunächst scheiterte Lemperle an Nübel, beim Abpraller traf Burger den VfB-Kepper ins Gesicht (75.), dann ließen Kramaric (82.) und Toure gute Überzahlaktionen bei schnellen Kontern leichtfertig liegen (85., 88.).
Stuttgart trifft mit der letzten Aktion
Das Spiel hätte längst entschieden sein müssen, doch es kam, wie so oft in solchen Momenten, ganz anders. Die Stuttgarter schlugen in der sechsminütigen Nachspielzeit trotz Unterzahl erbarmungslos zurück. Zunächst köpfte der eingewechselte Tomas völlig frei aus vier Metern übers Tor, ehe er zwei Minuten später bei der letzten Aktion der Partie einen Abpraller von Baumann komplett freistehend zum 3:3-Ausgleich über die Linie drückte (90.+6).

Stimmen der Trainer:
„Die Trauben hängen hoch, wenn es um die Champions League geht“
TSG-Trainer Ilzer
Christian Ilzer (Hoffenheim): „Es war ein Top-Spiel von uns, aber nur bis zur Roten Karte. In Gleichzahl waren wir sehr gut. Es gab eine gute Kommunikation, wir waren mutig mit dem Ball. Wir haben unser Ding durchgezogen. Der Flug Richtung Champions League ist stürmisch und wacklig. In Überzahl haben wir den Fehler gemacht, weil wir vielleicht dachten, dass wir gewonnen haben. Ein paar Prozente weniger reichen einfach nicht. Wir hätten viele Situationen cleverer ausspielen müssen. Das ist das Learning dieses Spiels. Die Trauben hängen hoch, wenn es um die Champions League geht.“

„Für uns ist es ein glücklicher Punkt, aber ein sehr wichtiger“
VfB-Trainer Hoeneß
Sebastian Hoeneß (Stuttgart): „Es war ein unglaubliches Spiel, was wir gesehen haben. Nach dem 2:1 ist das Spiel auf die Hoffenheimer Seite gekippt. Da waren wir nicht zufrieden mit dem, was wir gezeigt haben. Nach dem 3:1 war es ein sehr schwieriges Spiel, das nur in eine Richtung ging. Wir machen aber trotzdem das 2:3 und dachten, dass wir jetzt drin sind. Hoffenheim hat uns dann am Leben gelassen mit den vergebenen Chancen. In der Nachspielzeit haben wir nochmal Gefahr entwickelt. Für uns ist es ein glücklicher Punkt, aber ein sehr wichtiger.“

Aufstellungen:
TSG Hoffenheim: Baumann – Coufal, Ozan Kabak, Hajdari, Bernardo – Avdullahu, Burger (90. +1 Akpoguma) – Kramarić (90.+1 Damar), Touré – Lemperle (81. Moerstedt), Asllani (90. Prass)
VfB Stuttgart: Nübel – Vagnoman (55. Demirovic), Jaquez, Chabot (55. Mittelstädt), Hendriks – Karazor, Stiller – Leweling (86. Tiago Tomas), El Khannouss, Führich – Undav
Tore: 1:0 Kramarić (7.), 1:1 Führich (20.), 2:1 Touré (24.), 3:1 Kramarić (48.), 3:2 Demirovic (64.), Tomas (90.+6).
Besonderes Vorkommnis: Rote Karte gegen Karazor (Stuttgart) wegen groben Foulspiels an Asllani (69.)
Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)

Letztes Heimspiel gegen Werder Bremen
Im letzten Saisonheimspiel empfängt die TSG Hoffenheim am Samstag um 15:30 Uhr den SV Werder Bremen.
Fotos: BWA und Kraichgaufoto













