Fehler wurden eiskalt bestraft – Überzahlspiel nicht genutzt
Die TSG Hoffenheim verlor die Freitagabendpartie des 6. Bundesliga-Spieltages vor 30.150 Zuschauern in der ausverkauften PreZero-Arena gegen Borussia Dortmund trotz guter Leistung mit 1:3. Nach vier Saisonsiegen in Folge mussten sich die Gastgeber erneut gegen die Ostwestfalen geschlagen geben, nachdem sie bereits in den vergangenen sechs Duellen nur einen Zähler verbuchen konnten. Die Dortmunder gingen durch Niclas Füllkrug in Führung (18.), ehe Andrej Kramaric mit einem verwandelten Foulelfmeter der Ausgleich gelang (25.). Marco Reus brachte die Schwarz-Gelben in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erneut in Führung (45.+3). In der 71. Minute flog Dortmunds Ramy Bensebaini nach einer Unsportlichkeit vom Platz. Trotz Unterzahl gelang den Gästen mit einem Konter in der Nachspielzeit durch Julian Ryerson noch der 3:1-Endstand (90.+5).

„Wir haben ein paar Fehler zu viel gemacht!“
Hoffenheims Robert Skov
Für Hoffenheims Robert Skov waren am Ende die eigenen Fehler spielentscheidend: „Wir waren nicht effizient genug. Wir müssen analysieren, warum wir die Überzahl nicht besser ausgenutzt haben. Wir haben aber ein paar Fehler zu viel gemacht. Der BVB hat jede Möglichkeit genutzt, die er bekommen hat.“
Die Schwarz-Gelben haben sich trotz einer keineswegs überzeugenden Vorstellung in Sinsheim zumindest für einen Tag an die Tabellenspitze gesetzt.
Abwechslungs- und temporeicher Beginn
Zum Spielverlauf: Es entwickelte sich unter den Augen von Neu-Bundestrainer Julian Nagelsmann von Beginn an eine temporeiche und interessante Partie, in der die Gäste durch Donyell Malen die erste Torchance hatten (15.).

Kramaric gleicht Füllkrugs Premierentreffer aus
Drei Minuten später nutzte Füllkrug einen kapitalen Fehler von John Anthony Brooks und schoss mit seinem ersten Saisontreffer den BVB in Führung (18.). Diese hielt jedoch nicht lange, nachdem Mats Hummels an der Strafraumgrenze Anton Stach zu Fall brachte und Kramaric den fälligen Strafstoß mit seinem vierten Saisontreffer souverän zum 1:1-Ausgleich verwandelte (25.). In der Folge waren die Gastgeber zwar tonangebend, konnten aber bis auf zwei Chancen für Florian Grillitsch (27.) und Skov (35.) kein Kapital schlagen.
Dortmund trifft erneut mit der letzten Aktion in Hälfte 1
Überraschend gingen die Dortmunder mit der letzten Aktion in Hälfte 1 erneut in Führung, nachdem sich Malen auf der rechten Seite gegen Skov und Stach durchgesetzt hatte und scharf in die Mitte flankte, wo zunächst Torhüter Oliver Baumann abwehren konnte, aber Reus im Nachschuss aus kurzer Entfernung zum 2:1 einnetzte (45.+3).

Großchancen für Prömel und Skov
Nach dem Seitenwechsel kamen die Kraichgauer mit viel Power aus der Kabine und hatten zwei hochkarätige Ausgleichschancen. Zunächst köpfte Grischa Prömel aus vier Metern nach einer Kramaric-Flanke völlig freistehend direkt auf den reaktionsschnellen Torhüter Gregor Kobel (48.) und drei Minuten später hatte Skov Pech, als sein Freistoß aus 20 Metern an die Querlatte klatschte (51.). Die Matarazzo-Truppe dominierte in der Folge bei über 70 Prozent Ballbesitz zwar das Spiel, konnte aber gegen die dichtgestaffelte Dortmunder Hintermannschaft wenig Torgefahr erzeugen.

Gelb-Rot für Bensebaini
Daran änderte sich auch nach dem Platzverweis für Bensebaini nichts, der innerhalb von nur vier Minuten erst gelb (67.) und dann Gelb-Rot (71.) sah. Bei den Dortmundern ging in Unterzahl noch mal ein Ruck durchs Team, während Hoffenheim keine Mittel gegen das dichtgestaffelte gegnerische Abwehrbollwerk fand.

„uns hat die Reife gefehlt, die Situationen auszuspielen!“
Hoffenheims Anton Stach
Für Hoffenheims Mittelfeldspieler Stach war die numerische Überzahl kein Vorteil: „Bis zur Roten Karte machen wir es nicht schlecht. Danach hat uns die Reife gefehlt, die Situationen auszuspielen, die Bälle oft in die Box zu bringen, das Spiel schnell zu verlagern. Da haben wir zu wenige Chancen herausgespielt. Daran ist es dann im Endeffekt gescheitert.“

„In Überzahl wurde es schwerer!“
TSG-Keeper Oliver Baumann
Auch TSG-Kapitän Baumann bemängelter die fehlende Cleverness in Überzahl: „In Überzahl wurde es schwerer. Wir haben gedrückt und gedrückt, aber den Ball nicht reinbekommen. Wir hätten in Überzahl das Spiel noch öfter verlagern müssen, schneller spielen, reifer spielen. Also nicht jeden Ball reinspielen, sondern die Chancen besser vorbereiten.“
Ryerson macht nach einer Energieleistung den Deckel drauf
Nachdem der wieselflinke Karim Adeyemi bei einem Konter noch am glänzend parierenden Baumann scheiterte (82.), machte Ryerson in der Nachspielzeit mit einer Energieleistung in Form eines unwiderstehlichen Sololaufes über die linke Seite und dem abschließenden 3:1 alles klar (90.+5).

„Wir sind sehr enttäuscht, da mehr drin war!“
TSG-Kapitän Oliver Baumann
Trotz der Niederlage zog Baumann noch ein versöhnliches Fazit: „Vielleicht war das Spiel eine Partie, aus der wir lernen können, so dass wir zukünftig aus solchen Spielen Punkte mitnehmen. Wir sind sehr enttäuscht, da mehr drin war.“ Gelegenheit, um es wieder besser zu machen, haben die Kraichgauer am Samstag, den 7. Oktober um 18.30 Uhr im Samstagabendspiel des 7. Spieltages beim SV Werder Bremen.

Stimmen der Trainer:
Pellegrino Matarazzo (TSG Hoffenheim): „Wir haben in der ersten Hälfte unnötige Gegentore kassiert. Ich war mit unserem Pressingsystem nicht zufrieden, im eigenen Ballbesitz hatten wir auch zu wenig Spielfreude. Nach dem Ausgleich haben wir eine Drangphase gehabt, das 1:2 fällt dann zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wir sind gut in den zweiten Durchgang gekommen, haben aber leider unsere Chancen nicht genutzt. Nach dem Platzverweis haben wir viel zu langsam gespielt, nicht in die Breite und in die Tiefe. In der Phase haben wir zu wenige Torchancen erspielt. Ich bin enttäuscht, dass wir heute nicht mehr herausgeholt haben.“
Edin Terzic (Borussia Dortmund): „Es war ein sehr intensives und knappes Spiel. Wir haben unterschiedliche Gesichter gezeigt. Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben aber zu wenige Torchancen herausgespielt. Dann gehen wir in Führung und lassen den Gegner ins Spiel kommen. Wir haben in sehr gefährlichen Zonen die Bälle verloren. Wir haben zu lange gebraucht, um ins Spiel zurückzufinden. Zu Beginn der zweiten Hälfte hatten wir bei den beiden Großchancen der TSG das Spielglück. Nach dem unnötigen Platzverweis hat die Mannschaft dann aber Charakter gezeigt, gut verteidigt und wieder offensive Akzente gesetzt. Es ist ein sehr wichtiger Sieg für uns.“


Statistik:
TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Brooks (84. Bischof), Vogt – Bebou (68. Bülter), Grillitsch, Skov – Stach, Prömel (68. Berisha) – Beier (84. Justvan), Kramaric (87. Becker)
Borussia Dortmund: Kobel – Ryerson, Hummels, Schlotterbeck, Bensebaini – Nmecha, Özcan – Brandt (64. Adeyemi), Reus (80. Süle), Malen (80. Wolf) – Füllkrug (80. Haller)
Tore: 0:1 Füllkrug (18.), 1:1 Kramaric (25./FE), 1:2 Reus (45.+3), 1:3 Ryerson (90.+5)
Gelb-Rote Karte: Bensebaini (71.)
Schiedsrichter: Badstübner (Nürnberg)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Fotos: Kraichgaufoto













