„Bundesliga-Dinos“ mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen – TSG gastiert beim HSV

Ob Rekordsiege oder Punkterekord, für die Königsklasse muss Hoffenheim in Hamburg auf Sieg spielen

Im vorletzten Saison-Auswärtsspiel gastiert die TSG Hoffenheim am Samstag um 18:30 Uhr beim Aufsteiger Hamburger SV.  Während die Kraichgauer mit einem Auswärtserfolg ihre Chance auf die Teilnahme an der Champions League in der nächsten Saison weiter aufrecht erhalten möchten, geht es für die Hanseaten noch um den Klassenerhalt. Der Rauten-Klub ist nach zuletzt schwachen Leistungen überraschend wieder in die gefährdete untere Tabellenregion gerutscht. Die Ergebniskrise der Norddeutschen belegt nur ein Sieg aus den zurückliegenden neun Partien. Im heimischen stets rappelvollen Volksparkstadion ist der aktuell Tabellenvierzehnte seit fünf Spielen sieglos. Dennoch gilt der vierfache Deutsche Meister als äußerst heimstark, holt daheim mehr als doppelt so viele Punkte als in der Ferne.

Hoffenheims Trainer Christian Ilzer hat schon mehrfach bewiesen, dass er mit Druck gut umgehen kann

„Der Druck gehört dazu, es ist ja nichts Negatives“

TSG-Coach Christian Ilzer über die aktuelle sportliche Situation

Mit Blick auf den Vierkampf mit Leipzig, Stuttgart und Leverkusen in Richtung Champions League-Quali zeigt sich (zumindest nach außen hin) TSG-Cheftrainer Christian Ilzer bei der Spieltags-Pressekonferenz entspannt: „Der Druck gehört dazu, es ist ja nichts Negatives. Es geht bei uns um etwas absolut Positives. Wir lieben es, dort zu sein, wo wir gerade sind. Wir haben nun vier Möglichkeiten, unsere Saison zu krönen.“

Zweikampf im Hinspiel zwischen Hoffenehims Wouter Burger (re.) und Hamburgs Nicolas Capaldo

Rekordsieg winkt

Nach einer Durststrecke von vier sieglosen Partien präsentierten sich am letzten Spieltag die Hoffenheimer beim 2:1-Heimerfolg gegen den Zweiten Borussia Dortmund wiedererstarkt. Dies soll nun, mit 1.500 Hoffe-Fans im Rücken, an der Elbe eine Fortsetzung finden. Nach diesem 16. Saisonsieg könnte die TSG jetzt im Falle eines weiteren Erfolges die Bestmarke aus der Saison 2016/17 noch toppen. Wer hätte dies nach der letztjährigen Zittersaison zu diesem Zeitpunkt für möglich gehalten?

Andrej Kramaric machte zuletzt mehrfach deutlich, dass sein Blick ausschließlich in Richtung Champions League geht.

„Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir in Hamburg bestehen

TSG-Stürmer Andrej Kramaric

Dass dies jedoch alles andere als einfach wird, ist den Blau-Weißen klar. „Uns erwartet eine schwere Aufgabe in Hamburg. Aber wenn wir unsere europäischen Ziele erreichen wollen, müssen wir dort bestehen“, sagte im Vorfeld der Partie TSG-Torjäger Andrej Kramaric, der mit zwei verwandelten Handelfmetern den Grundstein für den Sieg über Dortmund legte.

Vladimir Coufal (li.) bringt den Hamburger Miro Muheim aus der Balance. Der 28-jährige Linksverteidiger zog sich beim Derby gegen Bremen am letzten Spieltag eine Sprunggelenkverletzung zu und wird dem HSV in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen

Hamburger Rot-Sucht

Die Hamburger, die den Spitznamen „Rothosen“ tragen, wurden dieser Farbe im bisherigen Saisonverlauf öfters gerecht als ihnen wohl lieb ist. Bereits acht Platzverweise kassierte das Team von Merlin Polzin, zuletzt traf es beim Nordderby in Bremen Philip Otele bei der 1:3-Niederlage. Diese Niederlage gegen den „ungeliebeten Nachbarn“ schmerzte ganz besonders, wenngleich Trainer Polzin unmittelbar danach die Devise ausgab: „Wir werden uns wieder aufrichten“.

Der Hamburger Albert-Mboyo Sambi Lokonga wird von den beiden Hoffenheimern Grischa Prömel (li.) und Tim Lemperle in die Zange genommen

Gravierende Unterschiede im Läuferischen

Das Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und der TSG, das vor dem Hinspiel aus Sicht der Gastgeber etwas selbstironisch als ein Duell „Bundesliga-Dinos unter sich“ bezeichnet wurde, birgt hinsichtlich Tradition, Größe und Volumen reichlich Unterschiede zwischen beiden Vereinen. Auf die aktuelle Saison bezogen liegt im fußballerischen der größte statistische Unterschieds Wert im läuferischen. Es trifft am Samstag das laufschwächste auf das lauffreudigste Team. Dies zeigte sich gnadenlos im Hinspiel, wo die TSG mehr als elf Kilometer mehr abspulte als der Hanse-Klub. Bei all dieser Statistik ist allerdings zu berücksichtigen, dass aufgrund von acht Gelb-Roten/Roten Karten häufiger weniger als elf HSV-Spieler auf dem Platz standen.

Für Grischa Prömel – hier im Duell mit Daniel Elfadli (re.) – dürfte die Partie im Volksparkstadion vor seinem Wechsel zum VfB Stuttgart das womöglich maximal viertletzte Pflichtspiel im TSG-Dress sein.

Es könnte etwas ruppiger werden

Zumindest in einer Statistik ähneln sich beide Mannschaften. Im bisherigen Saisonverlauf zählen beide zu denen am meisten foulenden Teams. Während die Gastgeber in dieser Statistik mit 341 Fouls Dritter sind, stellt die TSG mit 393 begannenen Fouls den Höchstwert auf.

TSG-Außenstürmer Bazoumana Toure versucht am Hamburger Fabio Vieira (Nr. 20) vorbeizuziehen

Hinspiel-Erfolg der TSG

Das Hinspiel konnte die Ilzer-Truppe nicht nur nach absolvierten Laufkilometern klar für sich entscheiden, sondern auch nach Toren. Nach der frühen Führung nach acht Minuten durch Grischa Prömel erhöhte nach einer halben Stunde Ozan Kabak auf 2:0. Tim Lemperle (65.) und Fisnik Asllani (72.) schraubten das Ergebnis in der zweiten Hälfte auf 4:0 hoch, ehe Rayan Philippe kurz vor dem Ende auf 1:4 verkürzen konnte.  Der gleiche Spieler vergab in der Nachspielzeit noch einen Elfmeter.

Hamburgs Rayan Philippe rutscht weg und schießt im Hinspiel den Elfmeter über das Tor von Keeper Oliver Baumann

Auch der Punkterekord ist noch drin

Der TSG-Vereinsrekord steht bei 62 Zählern aus der Nagelsmann-Spielzeit 2016/17, zum Egalisieren muss die TSG also acht der zwölf noch zu vergebenen zwölf Punkte holen. Sollte Hoffe am Saisonende sich tatsächlich noch für die europäische Königsklasse qualifizieren, dürfte dieser Rekord mit Sicherheit dann auch geknackt sein.

„Ein Gegner, der in vielen Facetten Herausforderungen gibt“

TSG-Trainer Ilzer über den Hamburger SV

Hoffe-Coach Ilzer hat seinen Spielern im Vorfeld deutlich gemacht, dass der nächste Gegner trotz seiner Ergebniskrise keinesfalls zu unterschätzen ist: „Wir treffen auf einen Gegner, der in vielen Facetten Herausforderungen gibt. Sie sind variabel im Aufbauspiel und extrem konterstark, haben Qualität mit dem Ball. Wir wollen mit unserer Identität dem HSV Paroli bieten und wissen um ihre Heimstärke und Qualitäten.“ Über die Hewrangehensweise sagte der Österreicher: „Wir müssen es schaffen, scharf im Gegenpressing zu sein und den Gegner nicht ins Konterspiel zu lassen. Man darf nicht vernachlässigen, dass der HSV ein sehr variables Positionsspiel hat, da steckt gute Trainerarbeit hinter.“

Die Hoffenheimer erwartet am Samstagabend ein stimmungsvolles Volksparkstadion

Nahezu ausgeglichene Bilanz

Insgesamt trafen die beiden Kontrahenten in der Bundesliga bislang 21-mal aufeinander. Die Bilanz ist mit acht Siegen für den HSV und neun für die Kraichgauer – bei vier Unentschieden – nahezu ausgeglichen.

Fotos: foto2press

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