Viele positive Erinnerungen halfen über den Schock des WM-Ausscheidens hinweg

Luca Romigs erlebnisreiches und unvergessliches WM-Tagebuch

Im Jahr 2018 wurde die FIFA-Fußball Weltmeisterschaft an die USA, Mexiko & Kanada vergeben. Damals noch im Alter von 19 Jahren war für die beiden Kreisliga-Spieler des SV Rohrbach/S. Steffen Baumgartner und Luca Romig klar, dass sie bis dahin fest im Berufsleben stehen und diese WM live vor Ort unbedingt erleben möchten. Schließlich zählten Reisen und der Fußball zu ihrer großen Leidenschaft. Die beiden Fußballfans weilten vom 12. Juni bis 01. Juli in Nordamerika.

Fleißig Treuepunkte erworben

Luca Romig berichtet rückblickend über diese erlebnisreiche und unvergessliche Zeit: „Damit wir auch wirklich sicher an die begehrten WM-Tickets kommen, haben wir bereits zwei Jahre vor Turnierbeginn zahlreiche Spiele der Nationalmannschaft besucht, um im Treueranking des offiziellen DFB-Fanclubs aufzusteigen. Von insgesamt 85.000 Mitgliedern zählen wir aktuell zu den Top 2.000 Fans mit den meisten Treuepunkten.

Deutsche Fußballfans am Time Square in New York

Fünf Spiele waren fest geplant

Am 06. Dezember 2025 wurden die Termine und Spielorte der deutschen Nationalmannschaft beim erstmals mit 48 Nationen verteilt auf zwölf Vierergruppen stattfindenden Mammut-Turnier das in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wurde veröffentlicht. Noch am selben Abend haben Steffen und ich sämtliche Flüge gebucht – zu diesem Zeitpunkt noch ohne feste Zusage für die Tickets. In den Städten Houston, Toronto, New York, Boston und Philadelphia wollten wir die Nationalmannschaft über die komplette Gruppenphase bis hin zu einem möglichen Achtelfinale begleiten. Dies wären fünf Partien gewesen.

200.- Euro für ein Erlebnisticket

Die finale Zusage für die Tickets erhielten wir Anfang Februar 2026. Durch unsere gute Platzierung im Treue-Ranking des Bonuspunktesystems des DFB-Fan Clubs Nationalmannschaft hatten wir das Glück, die Tickets zum offiziellen Verkaufspreis zu erlangen. Dieser lag bei durchschnittlich 200.- € pro Spiel. In der Berichterstattung rund um die WM war von deutlich höheren Preisen von mehreren Tausend Euro pro Spiel zu lesen. Dies lag an dem offiziellen Ticket- Zweitmarkt der FIFA, wo die Preise frei verhandelt wurden. Während der Reise sind wir regelmäßig auf Fans getroffen, die bereit waren diese extremen Preise zu bezahlen. Die Begründung lautete stets, „dass die WM ein Ereignis sei, dass man womöglich nur einmal in seinem Leben vor Ort miterleben würde“.

Stimmungsvolle Arena beim WM-Spiel Deutschland gegen Ecuador

Vorbildliches Sicherheitskonzept

Vorneweg muss man sagen, dass keine unserer Befürchtungen, was Sicherheit vor Ort, erschwerte Einreisebestimmungen, mangelndes Interesse an der WM angeht, tatsächlich eingetroffen sind. Die Einreise in Houston dauerte nur wenige Minuten und der Grenzbeamte war sogar der deutschen Sprache mächtig, was uns zugutekam. Die WM-Städte waren sehr gut auf dieses Großereignis vorbereitet und durch die Vielzahl an Sicherheitspersonal sowie Polizeibeamten haben wir uns jederzeit sicher gefühlt. In den meisten Städten herrschte auch echte WM-Stimmung, Menschen aus der ganzen Welt kamen zusammen um friedlich zu feiern. In fast jeder Bar oder Restaurant lief den ganzen Tag über Fußball.

Die Stationen:

Hier ein detaillierter Überblick über die Reisestationen Houston, Toronto, New York, Boston und Philadelphia:

Romig (li.) und Baumgartner beim deutschen WM-Auftakt in Housten zwischen Deutschland und Curacao

Der perfekte Auftaktgegner

Houston: Unsere Reise begann in Texas. Houston war am ehesten der Ort, wie man sich Amerika aus dem Fernsehen vorstellt. Kilometerweite Autobahnen, Trucks soweit das Auge reicht und teils extreme Wetterbedingungen von 35 Grad und Gewittern. Zu unserer Überraschung war das Stadion in Houston komplett klimatisiert, sodass es sich bei geschlossenem Dach sogar ziemlich kalt anfühlte. Der ungefährdete 7:1 Auftaktsieg der Nagelsmänner gegen Curacao machte Lust auf mehr, auch wenn jedem Fan bewusst war, dass dieser Gegner nicht der Maßstab sein sollte. Ein Highlight war der Besuch im NASA Space Center, wo wir in die Geschichte der amerikanischen Luftraumfahrt eintauchen durften.

Die beiden Rohrbacher Baumngartner (li.) und Romig beim Ausflug zu den Niagarafällen

Fußballkrimi und beeindruckende Niagarafälle

Toronto: Weiter ging es nach Kanada. Toronto war rückblickend der Ort, der uns am besten gefallen hat. Die Stadt wirkte auf uns sehr europäisch, sodass wir uns sofort heimisch fühlten. Bei milden Temperaturen um die 20 Grad konnten wir die Stadt weitestgehend zu Fuß erkunden. Besonders beeindruckt hat uns das Zusammenspiel aus modernen Hochhäusern und entspannten Grünflächen. Das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste war ein echter Fußball-Krimi. Dem Stuttgarter Deniz Undav gelang erst in der Nachspielzeit der erlösende 2:1-Siegtreffer. Da unsere Reiseroute im weiteren Turnierverlauf auf einen deutschen Gruppensieg ausgelegt war, waren wir das gesamte Spiel über sehr angespannt und die Erleichterung war nach dem Sieg umso größer. Eines der beeindruckendsten Erlebnisse unserer Reise war der Besuch der Niagarafälle, welche nur zwei Stunden von Toronto entfernt waren. Dieses Naturspektakel kann man nur begreifen, wenn man es mit den eigenen Augen gesehen hat.

Mit Christian Vogt (re.) kam Verstärkung aus der Heimat nachgereist

Eine nie schlafende, einzigartige Metropole

New York: Weiter ging unsere Reise nach New York. Die Stadt, die niemals schläft, stand schon seit Jahren ganz weit oben auf unserer Reiseliste. Unser Hotel war nur fünf Minuten zu Fuß entfernt vom Times Square, einem der bekanntesten Orte von New York. Die unzähligen LED-Tafeln sorgten für eine echte Reizüberflutung, die man erstmal verarbeiten musste. Ein ganz besonderer Moment war der organisierte Treffpunkt der deutschen Fans direkt am Times Square, wobei hunderte Menschen die Straßen in Schwarz-Rot-Gold fluteten. Es war spürbar, dass bei der deutschen Mannschaft etwas die Anspannung fehlte, da es im dritten Gruppenspiel gegen Ecuador tabellarisch um nichts mehr ging. Da der Gruppensieg bereits eingetütet war, konnten wir die 1:2 Niederlage schnell abhaken und den Fokus auf das gemeinsame Feiern mit den begeisterten ecuadorianischen Fans richten.
Ein unvergessliches Highlight in der Großmetropole New York war der Besuch einer Aussichtsplattform, von der wir einen perfekten Blick auf das Empire State Building und den Central Park hatten.

Romig auf einer Aussichtsplattform in New York

Das nicht für möglich gehaltene frühe WM-Aus

Boston: Mit dem Zug fuhren wir anschließend weiter nach Boston. Die schöne Hafenstadt war für uns der perfekte Ausgleich nach dem Großstadttrubel in New York. Ehrlicherweise hatten wir keine Zweifel, dass die Partie im Sechzehntelfinale gegen Paraguay zu einem Stolperstein für die deutsche Mannschaft werden könnte. Selbst nach dem überraschenden 0:1 Rückstand waren wir uns sicher, dass wir das Spiel noch drehen werden. Der Treffer zum vermeintlichen 2:1 in der Verlängerung durch Jonathan Tah wirkte wie ein Befreiungsschlag für uns, der nur wenige Minuten später durch den Videobeweis jedoch einkassiert wurde. Erst ab diesem Moment hatten wir das Gefühl, dass das sicher geglaubte Spiel tatsächlich auf der Kippe stand. Als es nach 120 Minuten beim Stande von 1:1 tatsächlich ins Elfmeterschießen ging, war die Anspannung sowohl bei den Fans als auch den jeweiligen Schützen am Anschlag. Wir standen direkt hinter dem Tor, wo das Entscheidungsschießen um den Einzug ins Achtelfinale ausgetragen wurde. Auch wenn es sich im Nachhinein leicht sagen lässt, hat man die Angst zu Versagen bei unseren Spielern deutlich gespürt. Nachdem Kai Havertz und Nick Woltemade vom Punkt aus an Torhüter Orlando Gill scheiterten, war das Ausscheiden für uns praktisch schon besiegelt. Doch wie durch ein Wunder konnte Ecuador seine letzten beiden Elfmeter ebenfalls nicht verwandeln. Nachdem Antonio Sanabria am Tor vorbeischoss und Nationalkeeper Manuel Neuer den fünften Elfmeter von Fabian Balbuena parierte, herrschte pure Ekstase im Fanblock – plötzlich war der Glaube wieder da. Diese 30 Sekunden nach dem gehaltenen Elfmeter werde ich niemals vergessen, fremde Menschen liegen sich in den Armen und schreien vor Begeisterung und Anspannung lauter als man es sich jemals vorstellen könnte.

Romig bei einer freundschaftlichen Begegnung mit einem fanatischen Ecuador-Fan

„Das Unmögliche ist wahr geworden“

Luca Romig über das vorzeitigen WM-Aus

Durch den verschossenen Elfmeter von Tah nahm die Dramatik ihren Lauf und das Unmögliche ist plötzlich doch wahr geworden: Deutschland ist ausgeschieden! Das gesamte nervenaufreibende Elfmeterschießen war wie ein Skript aus einem schlechten Film: erst stirbt man einen innerlichen Tod, wird dann wiederbelebt, um am Ende eine eiskalte Dusche zu erfahren. Die sichtbare Enttäuschung der mitgereisten Fans war dabei völlig unterschiedlich: Tränen, surreale Stille und freiwerdende Wut – es gab keine Emotion, die nicht zum Vorschein kam. An dieser Stelle möchte ich meinen aufrichtigen Respekt an jeden einzelnen Spieler aussprechen, der den Mut gefasst hat, um vom Elfmeterpunkt anzutreten. Sich einer solchen Ausnahmesituation vor einem Millionenpublikum zu stellen, zeugt von echter Größe.

Enttäuschter Blick auf die Anzeigentafel, wo der Tah-Treffer gegen Paraguay wegen einer strittigen Schiri-Entscheidung aberkannt wurde

Das vorzeitige Ende der Reise

Nach dem unerwartet frühzeitigen Ausscheiden war für Steffen und mich klar, dass unsere Reise an dieser Stelle ebenfalls endet. Unsere letzte Etappe hätte uns zwar noch nach Philadelphia geführt, wo die deutsche Mannschaft im Achtelfinale auf Turnierfavorit Frankreich getroffen wäre, doch dieser Traum war geplatzt. Für uns war es die richtige Entscheidung, vorzeitig die Heimreise anzutreten. Glücklicherweise konnten wir unseren für den 05. Juli geplanten Rückflug umbuchen und bereits einen Tag nach dem Ausscheiden nach Hause fliegen.

Freundschaftliche Begegnung der Rohrbacher Fußballer mit amerikanischen Fans in Deutschland-Trikots

Unvergessliche, für immer bleibende Eindrücke

Fazit: Nach knapp drei Wochen in Nordamerika sind wir überglücklich, dass wir diese unfassbare außergewöhnliche Reise erleben durften. Mit großer Dankbarkeit blicken wir zurück auf zahlreiche tolle Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt und Eindrücken, die wir unser ganzes Leben nicht mehr vergessen werden.
Das dramatische Ausscheiden der Nationalmannschaft fühlte sich zunächst zwar wie ein Schock an, mit ein paar Tagen Abstand können wir jedoch sagen, dass die vielen positiven Erinnerungen deutlich überwogen. Der bevorstehende Umbruch der Nationalmannschaft unter der Leitung des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp stimmt uns zuversichtlich, dass wir bei den nächsten Turnieren hoffentlich wieder erfolgreicher sein werden. Bis dahin heißt es für Steffen und mich wieder fleißig Spiele besuchen und Treuepunkte sammeln. Der Fokus liegt nun auf der Europameisterschaft 2028 in Großbritannien!“

Bericht und Fotos: Luca Romig und Steffen Baumgartner

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