Bittere Niederlage nach zweimaliger Führung und verschossenem Elfmeter
Die TSG Hoffenheim unterlag zum Bundesliga Saisonauftakt beim 1. FC Köln mit 2:3-Toren. Es war eine bittere und zugleich unnötige Niederlage für die Kraichgauer, die am Ende zurecht nach dem Fehlstart mit sich haderten. Im ersten Abschnitt waren die Gäste vor 49.700 Zuschauern das aktivere und klar spielbestimmende Team. Die Ilzer-Truppe stellte mit einem giftigen Gegenpressing den Gegner vor große Probleme und setzte sich in der gegnerischen Hälfte fest. Doch trotz der spielerischen Überlegenheit gelang es nicht, sich hochkarätige Torchancen zu erspielen.

Daghim trifft zur verdienten Führung
Nachdem Wimmer (11.) und Hlozek (22.) den Hoffenheimer Führungstreffer auf dem Fuß hatten, gelang dieser Neuzugang Daghim, der in seinem ersten Bundesligaspiel aus 15 Metern platziert ins untere rechte Eck zum 0:1 traf (27.). Die Gäste, die zuvor in neun Partien im Kölner Stadtteil Müngersdorf nicht mehr verloren hatten, kontrollierten weiter das Geschehen, hatten jedoch Glück, als nach einem verunglückten Pass von Avdullahu Nationalkeeper Baumann im Eins-gegen-Eins gegen El Mala reaktionsschnell den Ausgleich kurz vor der Halbzeitpause verhinderte (40.).

Köln mit viel Power und dem Ausgleich durch El Mala
Die Rheinländer kamen mit viel Power und großem Willen aus der Kabine und zeigten im zweiten Abschnitt ein völlig anderes Gesicht. Angepeitscht von ihren lautstarken Fans erspielten sie sich nun deutlich mehr Torchancen. Es waren gerade mal sechs Minuten gespielt, als Kölns Publikumsliebling El Mala sich gegen zwei Gegenspieler im Strafraum durchsetzte und ins lange Eck zum 1:1 traf (51.). Dabei hatte er das Glück auf seiner Seite, als sein Schuss, der neben das Tor gegangen wäre, von Gegenspieler Bernardo unglücklich ins Tor abgefälscht wurde. Nur zwei Minuten später klärte Hajdari gegen El Mala und der Nachschuss von Okon-Engstler strich knapp übers TSG-Tor (53.).

Moerstedt scheitert per Strafstoß an Schwäbe
Mitten in die Effzeh-Drangphase entschied Schiedsrichter Badstübner nach einem Foul an Conté im Strafraum zu Recht auf Elfmeter. Der wenige Minuten zuvor eingewechselte Moerstedt zeigte jedoch Nerven und scheiterte am stark parierenden FC-Keeper Schwäbe (57.). Der Hoffenheimer U17-Weltmeister hatte zwei Minuten später die große Gelegenheit seinen Fehlschuss wieder wettzumachen, doch erneut fand er im Eins-gegen-eins-Duell freistehend vor dem Tor in Schwäbe seinen Meister (59.). Die Partie wurde zunehmend hektischer und immer mehr umkämpfter.

Kabak köpft zur erneuten Führung ein
Nachdem Lochoshvili per Kopf nur knapp das Hoffenheimer Tor verfehlte (64.), ging die TSG wenig später nach einer Standardsituation erneut in Führung. Nach einer Ecke stieg Kabak am Elfmeterpunkt umringt von vier Gegenspielern am höchsten und wuchtete den Ball zur 2:1-Führung in die Maschen (67.). Die 1.600 mitgereisten Hoffe-Fans waren aus dem Häuschen.

Dallinga dreht die Partie mit seinem Doppelpack
Doch anstatt mit der Führung im Rücken die Partie wieder an sich zu reißen, ließen die Blau-Weißen die Kölner wieder ins Spiel kommen. Nach einem Doppelpass gelang dem niederländischen Neuzugang Dallinga, der erst vor zwei Wochen vom FC Bologna als Leihspieler an den Rhein wechselte, mit einer Direktabnahme aus kurzer Distanz der 2:2-Ausgleich (72.). Das Stadion kochte und die Rot-Weißen drückten jetzt verstärkt auf den Führungstreffer. Nachdem TSG-Kapitän Baumann mit einem glänzenden Reflex gegen Krauß einen Rückstand verhindern konnte (81.), war er eine Minute später erneut gegen Dallinga machtlos, der aus 14 Metern die erstmalige FC-Führung erzielte (82.). Das Spektakel beim Geißbock-Klub hatte seinen Lauf genommen und den Spielverlauf mit zunehmender Spieldauer völlig auf den Kopf gestellt.
Umjubelter Heimsieg über enttäuschte Hoffenheimer
Am Ende blieb es beim 3:2-Erfolg der Gastgeber, der aufgrund der deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Abschnitt nicht unverdient war. Die Hoffenheimer müssen sich vorwerfen lassen, nach ihrer überlegenen ersten Hälfte unverständlicher Weise im zweiten Abschnitt die Spielkontrolle abgegeben zu haben. Durch ihr ideenloses Spiel nach vorne, machten sie es dem immer stärker werdenden Gegner zu einfach, der sich zunehmend immer mehr zu Torchancen erspielte. Am Ende waren es drei Gegentreffer, die den Nordbadener den Saisonauftakt deutlich vermiesten.

„Es ist auf dem Platz nichts passiert, was wir nicht eigentlich schon im Vorfeld wussten„
TSG-Torhüter Baumann
Selbstkritisch analysierten die Verlierer die Niederlage: Für TSG-Keeper Baumann war die zweite Hälfte ausschlaggebend. Der Kapitän war in seiner Kritik deutlich und spürbar angepisst: „Nach einer so guten ersten Halbzeit und einer zweiten Hälfte, die überhaupt nicht dazu passt, bin ich natürlich schon sehr angepisst. Es ist auf dem Platz nichts passiert, was wir nicht eigentlich schon im Vorfeld wussten. Es ärgert mich sehr, dass wir das Spiel so aus der Hand gegeben haben. Uns fehlte nach dem Ausgleich die Ruhe und die Kontrolle – sowohl mit als auch gegen den Ball. Die Kölner waren gefühlt zweikampfstärker und haben das Momentum auf ihre Seite gezogen.“
„das Spiel selbst, das uns aus der Balance gebracht“
TSG-Neuzugang Wimmer
Und der österreichische Neuzugang Wimmer bemängelte den Verlust der Spielkontrolle: „Nach dem 2:1 müssen wir viel mehr Ruhe ins Spiel bringen, das haben wir dann aber nicht geschafft. Es war weniger die Atmosphäre, sondern vielmehr das Spiel selbst, das uns aus der Balance gebracht hat.“
Stimmen der Trainer:
Ilzer (TSG Hoffenheim): „Es zeigt, wie eng das Leistungsniveau in dieser Liga ist. Wir haben schnell Kontrolle bekommen und gehen verdient in Führung. Die zweite Hälfte hat uns dann ein paar Themen beschert. Bernardo verletzt sich und bevor wir wechseln können, fangen wir das 1:1. Dann vergeben wir mehrere Großchancen, waren zudem nicht mehr klar und konsequent. So hat Köln Oberwasser bekommen, aufgrund der zweiten Hälfte war es dann ein verdienter Sieg für den 1. FC Köln. Das Spiel ist zu wild geworden, genau das, was wir verhindern wollten. Die Niederlage war unnötig, wir werden aber an den Punkten arbeiten und uns entwickeln.“
Wagner (1. FC Köln): „Wir wollten in der ersten Hälfte keine Tiefe anbieten und ihnen nicht zu viel Raum geben. In der zweiten Hälfte haben wir stärker das Risiko gesucht. Ich bin stolz, dass die Mannschaft nach zwei Rückständen zurückgekommen sind und wir zum Bundesliga-Start drei Punkte geholt haben.“

Aufstellungen:
1. FC Köln: Schwäbe – Castro-Montes (90.+3 Schmied), Simpson-Pusey, Lochoshvili, Mensah – Krauß (90. Bülter), Okon-Engstler (65. Skhiri) – Thielmann, Johannesson, El Mala (65. Maina) – Ache (65. Dallinga)
TSG Hoffenheim: Baumann – Coufal, Ozan Kabak, Hajdari (87. Rots), Bernardo (53. Hranáč) – Burger, Avdullahu – Wimmer (71. De Cat), Daghim (87. Kramarić) – Hlozek (53. Moerstedt), Conté
Tore: 0:1 Daghim (27.), 1:1 El Mala (51.), 1:2 Kabak (67.), 2:2 Dallinga (72.), 3:2 Dallinga (82.)
Bes. Vorkommnis: Schwäbe pariert Foulelfmeter von Moerstedt (57.)
Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach)
Zuschauer: 49.700 im RheinEnergieSTADION
Jetzt folgen zwei schwere Heimspiele
Für die Ilzer-Truppe gilt es jetzt aus den Fehlern zu lernen und sich zu 1899% auf die bevorstehenden zwei schweren Heimspiele gegen Borussia Dortmund am Samstag (15:30 Uhr) und eine Woche später gegen den VfB Stuttgart vorzubereiten. Wenn die Einstellung und Nachlässigkeiten der zweiten Hälfte in Köln dabei nicht schnellstens abgestellt werden, dürfte ein positiver Saisonbeginn in weite Ferne rücken.
Archivfotos: foto2press













