Die Vorfreude auf die Europa League überwog am Ende bei allen Beteiligten
Die Träume in Richtung Champions League sind ausgeträumt. Die TSG Hoffenheim kassierte beim Finale der 63. Bundesligasaison im Gladbacher Borussia-Park eine 0:4-Klatsche und musste sich somit dem VfB Stuttgart, der 2:2 in Frankfurt spielte, im Fernduell um die Königsklasse geschlagen geben. Am Ende war es nur ein Punkt, den die Schwaben auf Tabellenplatz 4 vor den Hoffenheimern mehr auf der Habenseite hatten. Im entscheidenden Auswärtsspiel des 34. Spieltages boten die Kraichgauer am Niederrhein eine schwache Vorstellung. Die Treffer für den fünffachen Deutschen Meister vor 50.033 begeisterten Zuschauern erzielten Hugo Bolin (14.), Haris Tabaković (23.), Kevin Diks (81.) und Robin Hack (90.+1). Zudem erhielt Hoffenheims Tim Lemperle kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit nach einer Unsportlichkeit Gelb-Rot (46.). Die 1.800 mitgereisten Hoffe-Fans feierten dennoch nach Spielende ihre Mannschaft für eine tolle Saison, die durch die Qualifikation für die UEFA Europa League abgerundet wurde.

„Wir haben nicht die Champions League verloren, wir haben die Europa League gewonnen“
TSG-Geschäftsführer Sport Andreas Schicker
TSG-Sportchef Andreas Schicker fand nach der ersten Enttäuschung über die verpasste sowohl in sportlicher als auch finanzieller Sicht lukrativen Champions League Quali lobende Worte: „Solche Spiele gibt’s in einer Saison einfach. Wir haben die zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte gespielt und sind zum fünften Mal im Europapokal vertreten, deswegen lassen wir uns die Saison davon nicht kleinreden. Am Ende kriegst du das, was du verdient hast. Wir haben nicht die Champions League verloren, wir haben die Europa League gewonnen. Wir sind Fünfter geworden, haben punktemäßig mit 61 Punkten die zweitbeste Saison in der TSG-Historie gespielt. Da überwiegt zu 100 Prozent der Stolz.“

Zum Spiel:
Sehr effiziente Fohlen sorgen für eine frühe Vorentscheidung
Die Hoffenheimer, die zum dritten Mal in Folge mit der gleichen Startformation aufliefen, kamen gut in die Partie und hatten durch Andre Kramaric, der aus sieben Metern an VfL-Keeper Moritz Nicolas scheiterte, die erste große Chance (7.). Die Gastgeber zeigten sich in der Folge effizienter und gingen mit ihrer ersten Toraktion durch Bolin, der aus 14 Metern mit Hilfe des Innenpfostens zur Führung traf (14.). Mit ihrer zweiten Toraktion erhöhten die Fohlen auf 2:0, nachdem der Hoffenheimer Leihspieler Tabakovic einen Konter zum 2:0 abschloss (23.). Zu diesem Zeitpunkt führte Stuttgart bereits in Frankfurt 1:0, was wenig zur Spannung im baden-württembergischen Fernduell beitrug. Die TSG fand in der Folge überhaupt nicht zu ihrem Spiel, konnte kaum Offensivaktionen kreieren und wirkt wie gehemmt. Der Zwei-Tore-Vorsprung der Gastgeber zur Pause ging vollauf in Ordnung.

In Unterzahl chancenlos
Es waren in Hälfte 2 gerade mal sechs Sekunden gespielt, als sich Lemperle etwas übermotiviert nach einem Schubser gegen Kevin Diks die zweite Gelbe Karte abholte (46.). Die Entscheidung von Schiedsrichter Frank Willenborg in seinem letzten Bundesligaspiel war sicherlich etwas zu hart, eine letzte Verwarnung für den Stürmer hätte hier genügt. Damit war vorzeitig die Messe für die dezimierten Nordbadener gelesen.
Zwei weitere Treffer in der Schlussphase
Die in der Folge ohne sonderliche Höhepunkte verlaufene Partie nahm erst in der Schlussphase noch etwas Fahrt auf, nachdem die Borussen durch Diks, der aus 25 Metern den Ball in den linken Torwinkel schlenzte (81.) und den ehemaligen Hoffenheimer Hack, der nach einem Fehler von Leon Avdullahu allein aufs Tor zulief und Torhüter Oliver Baumann keine Chance ließ (90.+1), das Ergebnis auf 4:0 hochschraubten. Den möglichen Ehrentreffer für die Gäste vergab der eingewechselte Adam Hlozek, der nach einem Fehlgriff von Torhüter Nicolas den Ball nur aufs Tor köpfen konnte (90.).

„Es war allgemein eine zu schlechte Leistung“
TSG-Profi Ozan Kabak
TSG-Abwehrspieler Ozan Kabak hadert nach dem Spiel: „Das war sehr ärgerlich. Es war allgemein eine zu schlechte Leistung. Mit einem Mann weniger in der zweiten Halbzeit war es schwer. Das tut weh.“

Nicht so schlecht für einen Dorfverein
Die Polanski-Truppe hatte sich im Duell der beiden 2008 gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegenen Teams eindrucksvoll für die 1:5-Hinspielniederlage in Sinsheim revanchiert. Am Ende war es eine verdiente Niederlage für die Ilzer-Truppe, die sich nach der ersten Enttäuschung dennoch nach 2017, 2018, 2020 und 2024 über ihre fünfte Europapokalteilnahme freuen konnte. Spieler und Funktionäre streiften sich nach dem Abpfiff T-Shirts über, die dies mit dem Aufdruck „Nicht so schlecht für einen Dorfverein“ symbolisierten.

„Der Stolz überwiegt, weil wir aus einer Fast-Abstiegsmannschaft einen Europapokalteilnehmer gemacht haben“
Mittelfeldspieler Grischa Prömel
Trotz der Niederlage überwog am Ende bei den Beteiligten trotz aller Enttäuschung die Freude über das Erreichte. Grischa Prömel, den es von der Elsenz an den Neckar zum Rivalen Stuttgart zieht sagte in der Mixed-Zone: „Über allem steht aber eine herausragende Saison. Es ist erstaunlich, was wir in dieser Saison aufgebaut haben. Jeder Spieler im Kader kann stolz auf sich sein. Ich bin dankbar, in so einer Mannschaft gespielt zu haben. Jeder hat nach dem Maximalen gestrebt. Es war eine tolle Leistung, die heute von dem Ergebnis überschattet wurde. Der Stolz überwiegt, weil wir aus einer Fast-Abstiegsmannschaft einen Europapokalteilnehmer gemacht haben. Der Abschied fällt mir nicht leicht, weil mir viele Jungs ans Herz gewachsen sind. Es sind schöne Momente, die haften bleiben.“

„Wir können sehr stolz sein – auch wenn es heute sehr weh tut“
Nationalmannschaftstorhüter Oliver Baumann
Dem wollte sein Kapitän Oliver Baumann nicht widersprechen: „In Summe muss man die gesamte Saison sehen – und die war überragend. Wir können sehr stolz sein – auch wenn es heute sehr weh tut. Wir haben die meisten Siege der Vereinsgeschichte eingefahren.“

„Wir haben klare Ideen und Profile, was wir etwas anpassen wollen“
Sportchef Andreas Schicker
Die Blicke der österreichischen Verantwortlichen richteten sich bereits kurz nach Abpfiff einer langen, erfolgreichen Saison bereits in die neue Spielzeit. Sportchef Schicker: „Wir wollen in der nächsten Saison unseren erfolgreichen Weg fortsetzen, bauen einerseits auf Kontinuität. Zugleich wollen wir punktuell ein paar Veränderungen herbeiführen und haben dafür klare Ideen und Profile, was wir anpassen wollen.“

„Es ist zwar das Ende der Saison, aber nicht das Ende unseres Weges, der weiter geht“
TSG-Coach Christian Ilzer
Ein motivierter Trainer Ilzer: „Wir werden das heute gut verarbeiten. Es waren 90 Minuten von über 3000 in dieser Saison. Es ist zwar das Ende der Saison, aber nicht das Ende unseres Weges. Wir werden gute Schlüsse ziehen und in die neue Saison mit einfließen lassen. Wir dürfen uns sehr über eine sehr gute Saison freuen. Wir haben eine sehr erfolgreiche Mannschaft geformt, die viele Menschen begeistert hat. Ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieser Geschichte sein durfte. Der Weg geht weiter.“

Rot ging vor Blau ins Ziel
Für den Hoffenheimer Trainer geht es in den nächsten Tagen nochmal darum, einige Erkenntnisse der vergangenen Saison aufzuarbeiten und analysieren. Danach wird er zur Familie nach Österreich zurückkehren, um etwas Abstand zu gewinnen und den Akku wieder neu aufzuladen. Gut möglich, dass dabei auch das beliebte Brettspiel herangezogen wird. Zuletzt hat er und seine Team beim Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel im Duell mit Stuttgart und Leverkusen um den letzten Champions League-Platz den finalen Wurf knapp verpasst und musste Rot vor Blau ins Ziel gewähren lassen.
Aufstellungen:
Borussia Mönchengladbach: Nicolas – Scally, Elvedi (86. Kleindienst), Diks, Ullrich – Sander, Engelhardt, Stöger (67. Reyna) – Bolin (67. Hack), Tabakovic (74. Machino), Mohya (67. Honorat)
TSG Hoffenheim: Baumann – Coufal, Ozan Kabak, Hajdari (65. Prömel) , Bernardo (76. Akpoguma) – Burger, Avdullahu – Kramaric (55. Prass), Toure (76. Hlozek) – Asllani (65. Campbell), Lemperle
Tore: 1:0 Bolin (14.), 2:0 Tabaković (23.), 3:0 Diks (81.), 4:0 Hack (90.+1)
Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rote Karte gegen Lemperle (46., wiederholtes Foulspiel)
Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)
Zuschauer: 53.033
Fotos: foto2press, Pressefoto-Koch und BWA













