Ein gereizter Matarazzo empfahl dem Fragesteller selbst Trainer zu werden

Selbstkritsche Worte und teilweise Ratlosigkeit

Die Enttäuschung nach dem 1:3 gegen Eintracht Frankfurt war beim Bundesligisten TSG Hoffenheim verständlicherweise groß. Nach 15 Punkten aus den ersten sieben Saisonspielen hatten die Nordbadener die große Chance sich mit einem Heimsieg über die zuletzt auswärts schwachen Hessen weit oben in der Tabelle festzusetzen. Doch wie schon im letzten Heimspiel gegen Borussia Dortmund brachten individuelle und krasse Abwehrfehler die Blau-Weißen um den verdienten Lohn und sorgten für Ernüchterung. Während die TSG-Defensive die Frankfurter zum Toreschießen einlud, bissen sich die Gastgeber vor allem im zweiten Abschnitt am kompakten und felsenfesten Eintracht-Bollwerk die Zähne aus.

„Frankfurt hat unsere Fehler brutal ausgenutzt und gut verteidigt“

Kevin Vogt

Selbstkritisch stellten sich die Verlierer nach dem Abpfiff den Journalistenfragen: Robert Skov: „Wir haben Fehler gemacht, die werden in der Bundesliga direkt bestraft und deshalb haben wir haben das Spiel auch in der ersten Hälfte verloren.“ Kevin Vogt: „Wir haben im finalen Drittel zu wenig herausgespielt, da hat uns der Punch gefehlt. Der Zug zum Tor war nicht da und wir haben zu unsauber gespielt. Frankfurt hat unsere Fehler brutal ausgenutzt und gut verteidigt.“ Für Vogt war es eine unnötige Niederlage: „Ich glaube nicht, dass Frankfurt deutlich besser war als wir, wir haben uns heute selbst geschlagen. Wir haben jetzt in zwei Heimspielen nacheinander durch individuelle Fehler Punkte gelassen, daran müssen wir arbeiten.“

Oliver Baumann lässt seinem Frust freien Lauf

„Die Tore, die wir kassieren, fallen zu einfach„

Kapitän Oliver Baumann

Kapitän Oliver Baumann: „Die Tore, die wir kassieren, fallen zu einfach. Nicht nur von den Spielern hinten, sondern von der gesamten Mannschaft.“

Rabenschwarzer Tag für Brooks

Einen besonders rabenschwarzen Tag erwischte Abwehrhüne John Anthony Brooks, der bei zwei Gegentreffern maßgeblich mit verantwortlich war und auch im Stellungsspiel viele Defizite offenbarte. Auf die Frage an TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo bei der Pressekonferenz, warum er seinen völlig überforderten Abwehrchef nicht schon früher ausgewechselt habe, sagte er: „Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf, ob ich schon vor der Halbzeit einen Wechsel tätigen soll, aber wir hatten den Umstand, dass Kevin Vogt mit seinen muskulären Problemen trotzdem auf dem Feld stand. Daher mussten wir bis zur Halbzeit warten“. Zur zweiten Hälfte reagierte Matarazzo und brachte Kevin Akpoguma. „Am Ende haben wir dann gewechselt, weil wir gemerkt haben, dass es für ihn heute zu viel ist und wir nicht das Gefühl hatten, dass er sich davon erholen wird“, fügte der Coach fort.

TSG-Abwehrchef Brooks (re.) wurde zur zweiten Halbzeit ausgewechselte

Matarazzo reagierte genervt und empfahl „selbst Trainer zu werden“

Etwas angefressen reagierte Matarazzo nach seinem 100. Bundesligaspiel als Trainer auf unsere Nachfrage bei der anschließenden Pressekonferenz. bwa-sport.de fragte, warum man trotz einer dominant spielenden zweiten Hälfte gegen einen gut verteidigenden Gegner sich nur eine klare Torchance erspielte und ob es keine andere Möglichkeit mit einer anderen Herangehensweise gab? Der TSG-Coach reagierte überrascht und alles andere als begeistert über diese Frage. „Vielleicht wollen sie, wenn sie es möchten, auch Trainer werden oder bei der Analyse dabei sein.“

Matarazzo mit ernstem und strengem Blick

„Fakt ist, dass das Spiel gegen tief stehende Gegner aktuell nicht unsere Stärke ist!“

Pellegrino Matarazzo

Nach diesem kleinen Seitenhieb an den Fragesteller folgten wieder selbstkritische, sachliche  Aussagen: „Wir waren nicht zwingend genug gegen eine kompakte Frankfurter Mannschaft, die die wenigsten Gegentore der Liga hat. Wir hatten viele Situationen, wo wir hätten anders abschließen müssen, um zu Torchancen zu kommen. Fakt ist, dass das Spiel gegen tief stehende Gegner aktuell nicht unsere Stärke ist.“

Kein Durchkommen in dieser Szene für TSG-Torjäger Maximilian Beier (Mitte)

Ein Stück weit hergeschenkter Sieg

Es war deutlich spürbar, dass den Italo-Amerikaner diese, aus seiner Sicht völlig unnötige Niederlage bitter aufstoss: „Wir haben uns leider durch individuelle Fehler selbst gekillt. Der Sieg der war von unserer Seite auch ein Stück weit hergeschenkt. Solche Fehler kann man nicht machen. So gewinnt man kein Spiel. Unabhängig davon, wie ordentlich unser Offensivfußball heute war.“

„Da muss ich noch überlegen, was die Konsequenzen sind!“

Pellegrino Matarazzo

Ratlos war er etwas, als der Kollege von der Heilbronner Stimme nachfragte, ob es womöglich auch an der Konzentration liegen könnte: „Ich weiß nicht, ob es an der Konzentration liegt oder ob es einfach einem hohen Pressing geschuldet ist“. Welche Lehren der 45-Jährige aus der dritten Heimniederlage ziehen werde, ließ er offen: „Da muss ich noch überlegen, was die Konsequenzen sind.“
Bis zum nächsten Auswärtsspiel am kommenden Samstag in Stuttgart bleibt hierfür noch etwas Zeit.

Fotos: Kraichgaufoto

Artikel teilen

WERBUNG