Herber Rückschlag für die TSG nach dem Pokal-Aus in Kiel und der 0:2-Niederlage in Bremen

Füllkrug entscheidet 50:50-Spiel – Werder beendet seinen Hoffe-Fluch

Nach dem bitteren Aus in der 2. Runde des DFB-Pokals mit 4:5 nach Elfmeterschießen beim Zweitligisten Holstein Kiel kassierte die TSG Hoffenheim drei Tage später beim SV Werder Bremen am 8. Bundesliga-Spieltag mit 0:2 die zweite Niederlage in Folge. Die beiden Reisen in den Norden der Republik an die Kieler Förde sowie an die Weser waren für die Kraichgauer nach den Siegen über Mönchengladbach (2:1) und Bayer 04 Leverkusen (3:0) sowie in der Europa League gegen Olympique Lyon (2:0) ein herber und enttäuschender Rückschlag.

„Ergebnistechnisch sind Niederlagen immer ein Rückschlag“

Hoffenheims Trainer Christian Ilzer

Für TSG-Coach Christian Ilzer geht der Blick dennoch nach vorn: „Ergebnistechnisch sind Niederlagen immer ein Rückschlag. Auch wenn man sich am Ende vielleicht über Siege definiert, definiere ich meine Mannschaft im Moment auch über das, was sie mentalitätsmäßig leistet.“ Der 49-jährige Österreicher weiß sehr wohl, dass angesichts der schweren bevorstehenden Aufgaben in der nächsten englischen Woche aufbauende Worte seinem Team deutlich mehr helfen als kritische.

Heimfluch beendet

Ganz anders sieht es bei den Hanseaten aus, die in der Liga aktuell auf einer Erfolgswelle schweben. Für die Bremer war es nach elf Jahren der erste Heimsieg über die TSG am heimischen Osterdeich, der neben einer beeindruckenden Choreografie zu Jubiläum ihrer Kultstätte „100 Jahre Weserstadion euphorisch gefeiert wurde. Für die Werderaner, die in der Tabelle nach ihrem vierten Saisonsieg überraschend auf Platz fünf kletterten, erzielten Niclas Füllkrug (57.) und Eren Dinkci (82.) die Treffer.

Oliver Baumann war bei beiden Bremer Treffern chancenlos

„Unsere Situation ist nicht einfach“

TSG-Kapitän Oliver Baumann

Hoffenheims Kapitän Oliver Baumann sieht die aktuelle Lage seiner Mannschaft personell und ergebnistechnisch nach der fünften Saisonniederlage nicht einfach: „Zuletzt hatten wir einige Ausfälle wichtiger Spieler zu verkraften. Wir haben dennoch ein gutes Auswärtsspiel gemacht, uns aber nicht belohnt. Es war klar, wer das 1:0 macht, der zieht heute das Spiel auf seine Seite. Unsere Situation ist nicht einfach. Es wird uns aber stark machen, wenn wir auf unserem Weg bleiben.„

Ausgeglichene Hälfte 1

Es war ein hitziges und intensives, aber kein hochklassiges Bundesligaspiel. Werder-Stürmerstar Füllkrug hatte bereits nach drei Minuten die erste Chance, als er völlig freistehend den Ball übers Tor jagte. Im Duell der beiden Pokal-Verlierer entwickelte sich im ersten Abschnitt eine ausgeglichene, umkämpfte Partie, in der die Werderaner tief in der eigenen Hälfte die Räume eng machten und es dem Gegner erschwerte, sich Torchancen zu erspielen. Nachdem Hoffenheims Ozan Kabak in höchster Not im eigenen Strafraum klären konnte (24.), verpasste kurz darauf Grüll die mögliche Führung für Grün-Weiß, als er einen Kopfball übers Tor platzierte (26.). Die erste gefährliche Gäste-Chance nach einer halben Stunde bot sich Adam Hlozek, der von der Strafraumgrenze mit einem Gewaltschuss das Werder-Tor nur knapp verfehlte (31.).

Adam Hlozek hatte Hoffenheims beste Torchance kurz vor dem Pausenpfiff

TSG mit Mega-Chance kurz vor der Pause

Die beste Möglichkeit für die Ilzer-Truppe ergab sich kurz vor dem Pausenpfiff, als Hlozek eine Flanke von Andrej Kramaric gefühlvoll über Torhüter Karl Hein köpfte, aber der Ball auf der Torlinie von Youri Regeer artistisch geklärt wurde (45.). Das torlose Remis zur Halbzeitpause ging aufgrund des ausgeglichenen Chancenverhältnisses in Ordnung.

Baumann mit Glanzparade

Im zweiten Abschnitt hatten die in auffälligem pink spielenden Gäste die erste Chance, nachdem Asllani nach einem Dribbling von Werder-Keeper Regeer per Grätsche gestoppt wurde. Kurz darauf verhinderte gegenüber Baumann in seinem 400. Bundesligaspiel für die TSG einen möglichen Rückstand, indem er einen 20-Meter-Distanzschuss von Füllkrug mit den Fingerspitzen gerade noch um den Pfosten lenken konnte (53.).

Füllkrug mit Rekordtreffer

Die Norddeutschen wurden nun immer stärker und erspielten sich ein leichtes Übergewicht. Folglich fiel in der 57. Minute die sich abzeichnende Führung durch Füllkrug, der sich im Zweikampf energisch gegen Machida und Kabak durchgesetzt hatte und mit voller Wucht das Leder aus 14 Metern unhaltbar in die Maschen setzte. Für Asllani war es ein entscheidender Treffer: „Es war nur eine Frage, wer das erste Tor schießt, gewinnt. Das war mein Gefühl auf dem Platz und das hat sich bestätigt.“ Für den vom englischen Premier League Klub West Ham United ausgeliehenen Torjäger, der dadurch den langjährigen Vereinsrekord von Rudi Völler aus der Saison 1982/83 knackte, war es das siebte Liga-Spiel in Folge mit eigenem Tor und zugleich das neunte Saisontor nach acht Spieltagen.

Dinkci trifft zum 2:0

Die Nordbadener erhöhten in der Folge ihre Offensivbemühungen, ohne sich jedoch zwingende Chancen gegen einen leidenschaftlich fightenden Gegner zu erspielen. Nachdem der 13-fache Nationalspieler des Kosovos Asllani einen Kopfball übers Tor setzte (71.) und Grüll gegenüber die Vorentscheidung verpasste (79.), sorgte schließlich Dinkci für die Entscheidung. Als Kramaric den Ball an der eigenen Strafraumgrenze nicht entschlossen klären konnte, landete der Ball bei Dinkci, der mit einem Schlenzer halbhoch ins rechte Eck zum 2:0 traf (82.).

Enttäuschung bei den beiden Hoffenheimer Legenden Oliver Baumann (li.) und Andrej Kramaric

Enttäuschende Woche für die TSG

In einer hektischen Schlussphase blieb es beim verdienten Heimsieg des Thioune-Teams, das seinen Aufwärtstrend nach dem Sieg über den bisherigen Angstgegner weiter fortsetzt. Für die TSG war es das erste Saisonspiel ohne Torerfolg und nach dem enttäuschenden Pokal-Aus ein weiterer herber Rückschlag.

Bundesligadebüt für vier Talente

Ilzer, der dem 18-jährigen Defensivspieler Natnael Abraha von Beginn an sein Bundesligadebüt ermöglichte, brachte in die Schlussminuten mit Yasin Zor, Jykese Fields, Cajetan Lenz (alle 87.) sowie Valentin Lässig (90.+1) vier weiteren Talenten ins Spiel, die ebenfalls ihr Bundesligadebüt feierten.

Stimmen der Trainer:

Hoffe-Coach Christian Ilzer

„Es war ein 50:50-Spiel“

TSG-Coach Christian Ilzer

Christian Ilzer (Hoffenheim): „Gratulation an Bremen zu einem verdienten Sieg. Es war ein 50:50-Spiel. Die Frage war, wer die Führung erzielt. Wir haben durch Adam Hlozek die Chance auf die Führung. Am Ende hat Niclas Füllkrug das Momentum auf seiner Seite, er macht es überragend und lenkt das Spiel in Bremens Richtung.“

Bremens Cheftrainer Daniel Thioune

„Es war ein Spiel auf Augenhöhe“

Bremens Trainer Daniel Thioune

Daniel Thioune (Bremen): „Es war ein Spiel auf Augenhöhe, bis Niclas Füllkrug trifft. Es war ein Abnutzungskampf in der Spitze. Das war der Augenblick, als die Partie zu uns gekippt ist. Mit dem 2:0 war das Spiel entschieden. Es war ein sehr reifer Vortrag.“

Aufstellungen:

SV Werder Bremen: Hein – Arthur, Pieper, Friedl, Deman (73. Schmetgens)– Reis (73. Stalmach), Regeer – Weiser (16. Dinkci), Chuki (73. Lynen), Grüll – Füllkrug (90. +1 Wojcik)
TSG Hoffenheim: Baumann – Abraha, Ozan Kabak, Machida, M. Rots (90. +1 Lässig) – Avdullahu (87. Lenz), Burger – Kramaric (87. Zor), Daghim – Hlozek (60. Lemperle), Asllani (87. Fields)
Tore: 1:0 Füllkrug (57.), 2:0 Dinkci (82.)
Schiedsrichter: Reichel (Stuttgart)
Zuschauer: 39.807

Für Fisnik Asllani ist das bevorstehende Europapokalspiel bei Crystal Palace ein Highlight-Spiel

Erst gegen Crystal Palace dann gegen Schalke 04

Für die TSG steht die nächste englische Woche vor der Länderspielpause bevor. Am Donnerstag gastiert Hoffe um 18:45 Uhr MEZ beim Londoner Premier-League-Klub Crystal Palace in der UEFA Europa League und am darauffolgenden Sonntag (8. November/19:30 Uhr) empfängt man in Sinsheim den FC Schalke 04. Trotz der wenige Minuten zuvor erlittenen Niederlage blickte Stürmer Asllani bereits hoffnungsvoll auf die nächste Aufgabe: „Wir müssen nun bei Crystal Palace unser bestes Gesicht zeigen. Es ist ein Highlight-Spiel, da freut sich jeder drauf. Das ist das Gute an englischen Wochen, wir können es schnell besser machen.“

Archivfotos: Kraichgaufoto und foto2press

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