Auswärtsspitzenreiter möchte beim Überraschungszweiten punkten

Nach Kellerduell jetzt Verfolgerduell: VfB empfängt TSG

Am 34. Spieltag der vergangenen Saison standen sich der VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim noch im Bundesliga-Kellerduell gegenüber. In der ausverkauften MHP-Arena hieß es am Ende einer zähen und erst in den Schlussminuten spannenden Partie durch die Treffer von Ihlas Bebou und Tiago Tomas leistungsgerecht 1:1-Unentschieden. Während die Hoffenheimer durch den Punktgewinn auf Platz 12 kletterten, sicherte sich der VfB anschließend in der Relegation durch zwei Siege über den Hamburger SV den Klassenerhalt.

Völlig unterschiedliche Ausgangslage

Während am 27. Mai noch das Abstiegsgespenst durch die sich im Umbau befindende Stuttgarter Arena geisterte, stehen sich nur fünf Monate später an gleicher Stelle der Tabellenzweite und der Sechste gegenüber. Besonders überrascht dabei das positive Abschneiden des Vereins für Bewegungsspiele, der bei sieben Saisonsiegen bereits so oft gewonnen hat wie in der kompletten vergangenen Runde. Mit 21 Punkten nach acht Spieltagen verbuchen die Kicker mit dem roten Brustring aktuell die beste Zwischenbilanz ihrer Bundesliga-Geschichte. Auch der 6. Tabellenplatz der TSG mit fünf Siegen aus acht Partien darf als positive Zwischenbilanz gesehen werden. Unter solchen Vorzeichen können sich die baden-württembergischen Fußballfans auf ein interessantes und spannendes Nachbarschaftsduell vor erneut vollem Haus freuen.

„Wir wollen Stärke zeigen, dominant auftreten und unser Spiel durchziehen!“

TSG-Coach Matarazzo bei der heutigen Pressekonferenz

Auch Hoffenheims Trainer Pellegrino Matarazzo erwartet ein Top-Spiel: „In Stuttgart zu spielen ist immer etwas Besonderes. Es ist auch aufgrund des guten Starts beider Teams interessant. Wir spielen gegen eine Mannschaft in Top-Form. Wir wollen Stärke zeigen, dominant auftreten und unser Spiel durchziehen.“

Rückkehr an die alte Wirkungsstätte

Beim Trainerduell Sebastian Hoeneß – Pellegrino Matarazzo werden auf beiden Seiten unterschiedliche Erinnerungen wach. Während der VfB-Coach Hoeneß von 2020 bis 2022 bei der TSG seine erste Bundesliga-Station als Trainer (68 Spiele) absolvierte, war sein Gegenüber Matarazzo von 2019 bis 2022 in 77 Bundesligapartien bei den Bad Cannstattern tätig. Statistisch haben beide Trainer bei ihrem aktuellen Klub einen höheren Punkteschnitt als bei ihrem ehemaligen Verein.

Ratloser Blick bei TSG-Keeper Oliver Baumann. Können die Kraichgauer ihre Negativserie in Stuttgart am Samstag beenden?

Seit sechs Gastspielen am Neckar sieglos

Für die Hoffenheimer waren die letzten Begegnungen in der Landeshauptstadt wenig von Erfolg gekrönt. In ihren letzten sechs Auswärtsspielen gab es bei vier Niederlagen und zwei Unentschieden wenig zu holen. Der letzte Hoffe-Sieg am schwäbischen Neckar datiert vom September 2014 (0:2). Dies könnte sich angesichts der letzten erfolgreichen Auswärtsauftritte womöglich ändern. Da die Blau-Weißen alle ihre vier Auswärtsspiele gewinnen konnten und mit zwölf Punkten die Auswärtstabelle anführen, können sie selbstbewusst ins Derby gehen.

Nahe an der Bestform

Die positive Entwicklung der Stuttgarter kam für Matarazzo nicht so sehr überraschend: „Man hat auch in der Rückrunde schon ihre Qualität gesehen. Trotzdem haben nicht viele damit gerechnet, dass sie jetzt so dastehen. Es ist herausragend, wie sie aktuell auftreten. Die Spielanlage passt hervorragend zur Mannschaft, alle Spieler sind nahe an ihrer Bestform.“ Der Italo-Amerikaner verweist dabei auch auf die starke Defensive: „Sie haben ein gutes Gegenpressing etabliert, sie sind nicht nur offensiv gut, sondern auch defensiv sehr stabil. Abgesehen vom Leipzig-Spiel, in dem sie fünf Gegentreffer bekommen haben, hat Stuttgart erst drei Gegentore kassiert.“

Angelo Stiller – hier noch im TSG-Dress gegen den VfB – hat sich zu einer feste Größe im Stuttgarter Mittelfeld entwickelt

Stiller hat voll eingeschlagen

Für Stuttgarts Mittelfeldspieler Angelo Stiller kommt es am Samstag zum Wiedersehen mit seinem ehemaligen Verein, für den er von 2021 bis 2023 52 Pflichtspiele (vier Tore) bestritt. „Gegen den Ex-Club ist es immer etwas Besonderes“, sagt Stiller und ergänzt: „Wir werden die Spannung aufrechterhalten, weiter hart arbeiten und wollen auch am Samstag gewinnen.“ Der gebürtige Münchner hat beim VfB richtig gut eingeschlagen. Bei seinen sechs Einsätzen gingen die Stuttgarter sechs Mal als Sieger vom Platz. Stiller trägt seinen Teil zu den Erfolgen im Mittelfeld mit Zweikampfstärke und Übersicht bei. Er ist ein sicherer Ballverteiler mit 93,3 Prozent Passquote. Für seinen Trainer Hoeneß ist er „ein Spieler, der in der Lage ist, ein Spiel mitzudiktieren“.

Erfolgreiche Joker

Beide Trainer hatten im bisherigen Saisonverlauf bei ihren Einwechslungen ein glückliches Händchen und konnten einige Spiele durch Joker-Tore noch zum Positiven wenden. Einen Ligaspitzenwert nehmen dabei die Schwaben ein, die in den absolvierten acht Bundesligapartien bereits fünf Treffer durch Einwechselspieler erzielten.

Finn Ole Becker gibt die Richtung vor. Können die Kraichgauer bei den Schwaben ihre Auswärtsstärke erneut unter Beweis stellen?

Kramaric noch nicht einsatzfährig

Personell müssen die Nordbadener weiter auf Marco John, Dennis Geiger und Stanley Nsoki verzichten. Andrej Kramaric kann voraussichtlich erst in der nächsten Woche wieder am Training teilnehmen. Ob Ozan Kabak eine Option für Samstag wird, entscheidet sich kurzfristig.

VfB hat die Nase vorn

In der Gesamtbilanz der 26 absolvierten Erstligaduelle liegen die Rot-Weißen bei zehn Siegen und sieben Niederlagen vorne. In den vergangenen drei Partien gab es zwei Remis und einen TSG-Sieg. Damit es auch im vierten Spiel in Folge ohne Niederlage bleibt, werden die 2.100 mitreisenden Hoffe-Fans ihr Bestes geben.

Fotos: Kraichgaufoto und BWA

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