Hoffenheim feiert in Stuttgart den fünften Auswärtssieg in Folge
In einem packenden, rassigen und emotionalen baden-württembergischen Derby siegte die TSG Hoffenheim beim VfB Stuttgart mit 3:2 Toren und feierte zugleich den fünften Auswärtssieg in Folge. Vor 53.200 Zuschauern in der stimmungsvollen MHP Arena brachten Prömel (4.) und Weghorst per Foulelfmeter (21.) die Kraichgauer 2:0 in Führung. TSG-Keeper Baumann parierte nach einer halben Stunde einen Elfmeter von Undav. In einer hitzigen und turbulenten zweiten Hälfte verkürzte Führich auf 1:2 (61.), ehe Skov den Zwei-Tore-Abstand wieder herstellte (66.). Nach dem 2:3 durch Undav (77.) verteidigten die Gäste leidenschaftlich und brachten mit Glück und Geschick sowie einem überragenden Torhüter Baumann die knappe Führung über die Zeit.

„Ich sag‘ immer, am Ende hast du die Punkte oder du hast sie nicht – und wir haben sie.“
Hoffenheims Stürmer Weghorst
Auch wenn die Statistik mit 68:32 % Ballbesitz, 23:7 Torschüssen und 6:0 Eckbällen klar für die Stuttgarter sprach, am Ende waren die Hoffenheimer einfach effizienter. Der niederländische Nationalspieler Weghorst brachte es treffend auf den Punkt: „Ob verdient oder unverdient? Ist mir egal. Ich sag‘ immer, am Ende hast du die Punkte oder du hast sie nicht – und wir haben sie.“
Die Highlights:
Frühe Führung durch Prömel
Die TSG erwischte einen optimalen Start: Weghorst hatte sich auf der rechten Seite gegen Stiller energisch durchgesetzt, schickte den pfeilschnellen Beier steil, der an VfB-Keeper Nübel scheiterte. Der Abpraller landete direkt beim mitgelaufenen Prömel, der links unten zur 1:0-Führung trifft (4.).

Aussetzer von Grillitsch
Nach einem fatalen Fehlpass von Grillitsch kommt VfB-Stürmer Undav frei vor dem TSG-Tor an den Ball, scheitert aber im Eins-gegen-Eins an Baumann (6.). Den 2.100 mitgereisten Hoffe-Fans stockte der Atem.
Weghorsts erster Pflichtspieltreffer
Nach einem Foul an Beier, der sich im Strafraum den Ball erobert hatte und dabei einen Schlag ins Gesicht bekam, entschied Schiedsrichter Zwayer nach Überprüfung der Szene am Monitor auf Strafstoß. Da der etatmäßige Schütze Kramaric verletzungsbedingt fehlte, trat Weghorst an und erhöhte auf 2:0 (21.).
„Es hat ganz schön lange gedauert mit meinem ersten Treffer!“
Torschütze Weghorst
Beim Torjubel lief er im Sprint zu Trainer Matarazzo und bedankte sich mit dieser Geste für dessen Vertrauen: „Es hat ganz schön lange gedauert mit meinem ersten Treffer und der Trainer weiß ja, dass ein Stürmer oft nur an Toren gemessen wird.“

Baumann der Elfmeterkiller
Nach einem Foulspiel von Baumann an Undav zeigte Zwayer erneut auf den Elfmeterpunkt. Der TSG-Keeper machte dabei seinen Fehler wieder wett, indem er den platzierten Schuss von Undav aus der rechten Ecke fischte (30.). Die zwölfte Elfmeterparade in der Bundesliga war eine starke Aktion des TSG-Kapitäns.
„Frag ihn, ob sein Fuß weh tut!“
Torhüter Baumann zur Situation, die zum Strafstoß führte
Auf die Frage von bwa-sport.de nach dem Spiel, wie er die Szene, die zum Strafstoß führte beurteilt, sagte er: „Frag ihn, ob sein Fuß weh tut. Ich treffe ihn ganz leicht mit der Hand am Fuß. Sorry, aber das tat überhaupt nicht weh, er hätte ganz normal weiterlaufen können.“
Turbulente Schlussphase
Nachdem Stuttgarts Jung-Nationalspieler Führich den Ball knapp am Tor vorbei schlenzte, (41.), bediente auf der anderen Seite wenig später Kaderabek seinen Mitspieler Beier, der aus kurzer Distanz aber direkt auf Torhüter Nübel zielte und somit das mögliche 3:0 verpasste (45.+4).
Stuttgart verkürzt
Die unentwegt anrennenden Schwaben verkürzen auf 1:2: Auf Vorarbeit von Undav gelingt Führich der 1:2-Anschlusstreffer. Baumann ist zum ersten Mal geschlagen (61.).

Skov schlägt zurück
Die Gäste lassen sich davon jedoch nicht irritieren und schlagen eiskalt zurück. Im Zusammenspiel mit Beier gelingt Skov mit einem platzierten Schuss mitten in der VfB-Drangphase das wichtige 1:3 (66.).
Undav trifft erst den Pfosten, dann ins Netz
Nachdem Undav mit einem 18-Meterschuss zunächst unglücklich am Außenpfosten scheiterte (70.), konnte er drei Minuten später auf 2:3 verkürzen. Eine Flanke von Leweling über Baumann prallte an den Innenpfosten, Undav reagiert am schnellsten und köpft ins leere Tor (73.).
Überragender Baumann hält den Sieg fest
Die Gastgeber drückten mit aller Macht gegen leidenschaftlich verteidigende Hoffenheimer auf den Ausgleich. Aber steht immer wieder steht Baumann im Mittelpunkt, der mit Weltklasse Paraden beste VfB-Chancen vereitelt. Zunächst parierte er einen Schuss von Silas (79.), dann hält er bärenstark in der Nachspielzeit erst gegen Anton (90+4.) und dann gegen Millot (90+6.).

Fazit:
Die TSG Hoffenheim kann ihre Auswärtsstärke erneut unter Beweis stellen und entführt bei einem starken und leidenschaftlich aufspielenden VfB Stuttgart mit Glück und Geschick drei wertvolle Punkte. 15 von 15 möglichen Punkten in der Ferne sind beeindruckend. Während die Schwaben, die ohne ihre Torgranate Guirassy auskommen mussten und nach sechs Siegen in Folge erstmals wieder als Verlierer vom Platz gingen, hatten zwar eine beeindruckende Statistik aufzuweisen, aber am Ende trafen eben die effizienten Nachbarn aus dem Badischen einmal mehr ins Tor. Es war ein besonderes Derby mit fünf Toren, zwei Strafstößen, vielen Zweikämpfen, tollen Torwartparaden und einer Roten Karte gegen einen Stuttgarter Co-Trainer. Die Emotionen und Anspannungen, getragen von zwei stimmungsvollen Fanlagern, waren bis auf die Pressetribüne unterm Dach der Stuttgarter Arena-Baustelle zu spüren.
„Positiv war, dass wir alles reingehauen und viel wegverteidigt haben!“
TSG-Keeper Baumann
Man of the Match war zweifellos Hoffenheims Torhüter Baumann. Das Fazit des TSG-Kapitäns nach dem Spiel in der Mixed-Zone war nüchtern: „Positiv war, dass wir alles reingehauen und viel wegverteidigt haben. Nicht so positiv war, dass der Gegner sehr viele Torchancen und wir weniger Ballbesitz hatten. Gefühlt bei gewonnenem Ballbesitz wieder jeder zweite oder dritte Ball danach wieder weg. Das raubt einfach Energie.“

Hoffenheim zeigte sich sehr effizient
Trotz aller Enttäuschung fand VfB-Coach Hoeneß lobende Worte über seinen ehemaligen Verein: „Bei den ersten beiden Toren haben die Hoffenheimer genau das umgesetzt, was sie sich vorgenommen hatten. Sie haben sich heute sehr effizient gezeigt. Die Chancen für uns waren da, die Leistung war gut, aber wir sind enttäuscht, dass wir das Spiel verloren haben.“
Zu wenig Kontrolle
TSG-Trainer Matarazzo fand einige Kritikpunkte beim glücklichen Sieg und wusste bei wem er sich bedanken musste: „Ich hätte gerne mehr Kontrolle gehabt, wir hätten in mehreren Situationen den Ball besser zirkulieren lassen können. Wir mussten sicherlich einige Chancen überstehen und wir haben eine überragende Torhüterleistung von Oli Baumann gesehen. Auch wenn es ein bisschen glücklich ist, nehmen wir die Punkte sehr gerne mit.“

Aufstellungen:
VfB Stuttgart: Nübel – Stenzel (67. Leweling), Anton, Rouault (64. Zagadou), Ito – Karazor (67. Jeong), Stiller – Silas (83. Milosevic), Millot, Führich (83. Egloff) – Undav
TSG Hoffenheim: Baumann – Vogt, Brooks, Akpoguma – Kaderabek (52. Bebou), Grillitsch (32. Stach), Skov – Bischof (78. Tohumcu), Prömel – Weghorst, Beier (78. Bülter)
Tore: 0:1 Prömel (4.), 0:2 Weghorst (21., FE), 1:2 Führich (61.), 1:3 Skov (66.), 2:3 Undav (73.)
Besonderes Vorkommnis: Baumann hält Foulelfmeter von Undav (30.)
Ausblick
In der kommenden Woche stehen für die Nordbadener gleich zwei schwierige Aufgaben bevor: Am Mittwoch gastiert die TSG in der 2. Runde des DFB-Pokals bei Borussia Dortmund (Anstoß 18:00 Uhr), und am Samstag empfängt die Matarazzo-Truppe in Sinsheim den aktuellen Tabellenzweiten Bayer 04 Leverkusen (15:30 Uhr).
Fotos: Kraichgaufoto und BWA













