Packendes Fernduell um den letzten freien Platz für die Königsklasse
Der finale 34. Bundesliga-Spieltag verspricht – bis auf die Meisterschaft – jeder Menge an Spannung. Der VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim liefern sich am Finalspieltag ein Fernduell um Platz 4, der zur Teilnahme an der lukrativen Champions League berechtigt. Auch Bayer 04 Leverkusen könnte noch dazwischenfunken, falls die beiden baden-württembergischen Nachbarn verlieren würden.

Am Ende wird es ganz knapp werden
Aktuell liegen der VfB und die TSG punktgleich mit jeweils 61 Zählern auf den Plätzen 4 und 5. Dabei haben die Schwaben dank der besseren Tordifferenz den leichten Vorteil (+22 zu +17). Im Fernduell wird sich nun entscheiden, wer nach Dortmund und Leipzig als dritter deutscher Verein in der nächsten Saison in der Königsklasse vertreten ist. Leverkusen befindet sich mit drei Punkten Rückstand auf Platz 6 in der Lauer-Position.

Ziel ist eine zweite CL-Teilnahme
Das große Ziel der Hoffenheimer ist nach der Saison 2018/19 unter Trainer Julian Nagelsmann zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte in der höchsten europäischen Spielklasse, wo es neben dem sportlichen auch den finanziellen Reiz ausmacht, teilzunehmen. Ein Ziel, von dem man zu Saisonbeginn angesichts der letztjährigen Chaos-Saison nur träumen konnte.

Die Ausgangslage im Kampf um Platz 4
Hoffenheim muss nach Gladbach, Stuttgart nach Frankfurt und Leverkusen empfängt Hamburg.
Der VfB Stuttgart landet auf Platz 4, wenn …
… er in Frankfurt gewinnt und Hoffenheim in Mönchengladbach nicht noch fünf Treffer in der Tordifferenz aufholt.
… er unentschieden spielt, Hoffenheim nicht gewinnt.
… er verliert, Hoffenheim verliert und Leverkusen nicht gewinnt.
Die TSG Hoffenheim landet auf Platz 4, wenn …
… sie und Stuttgart gewinnen, die TSG aber bei der Tordifferenz aufholt.
… sie gewinnt und Stuttgart nicht gewinnt.
… sie unentschieden spielt und Stuttgart verliert.
Bayer 04 Leverkusen landet auf Platz 4, wenn …
… es gewinnt und Stuttgart und Hoffenheim verlieren.

„Du bekommst genau das, was du dir verdienst“
TSG-Coach Ilzer zur Ausgangslage
Für TSG-Coach Christian Ilzer ist die Marschroute klar definiert: „Das Ziel ist es, zu gewinnen. Wir gehen mit viel Zuversicht ins Finale. Das Ziel ist nie, ein Finale zu bestreiten, das Ziel ist immer, ein Finale zu gewinnen. Unsere Mission geht zu Ende, wir wollen noch mal alles rausquetschen.“ Auch wenn es nicht mit der Quali für die Königsklasse reichen sollte, die Enttäuschung würde sich laut Ilzer in Grenzen halten: „Das Spielfeld ist immer gerecht. Nicht in einem einzigen Spiel, aber über die Saison bekommst du genau das, was du dir verdienst. Und wenn wir da gewinnen und Stuttgart gewinnt in Frankfurt, dann hat es sich Stuttgart über die Tordifferenz minimal mehr verdient, dass sie in der Champions League sind und wir in der Europa League. Wir nehmen das demütig an, in dem Bewusstsein, eine großartige Saison gespielt zu haben“.

„Nach 90 Minuten wird der Würfel gefallen sein und wir werden sehen, was herausgekommen ist“
Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spieler Christian Ilzer
Ilzer ist bekannt für seine oftmals ganz speziellen Vergleiche, so auch dieses Mal, wo er in die Spiel-Schatulle greift: „Es ist wie bei einem großen Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel. Drei Klubs haben schon alle Kegel im Haus, wir sitzen nun an einem Tisch mit Leverkusen und Stuttgart um den letzten Champions-League-Platz. Morgen gibt es den finalen Wurf, und nach 90 Minuten wird der Würfel gefallen sein und wir werden sehen, was herausgekommen ist.„

Heimstarke Gladbacher
Für die Nordbadener wartet im Borussia Park eine hohe Hürde, da die Gastgeber in diesem Kalenderjahr zu Hause von ihren acht Heimspielen seit der Winterpause nur eines verloren haben. Seit sechs Partien sind die Fohlen bei drei Siege und drei Remis ungeschlagen. Nach ihrer enttäuschenden Saison wird der Rauten-Klub alles daran setzen, um seine Fans mit einem Heimsieg am letzten Spieltag zumindest etwas versöhnlich in die Sommerpause zu schicken. Während der VfL aufgrund des vorzeitigen Klassenerhalts befreit aufspielen kann, lastet der Druck deutlich mehr bei den Gästen.
Wiedererstarkte Hoffenheimer
Demgegenüber sind die Hoffenheimer nach einem Durchhänger im Saisonendspurt wieder in die Erfolgsspurt zurückgekehrt. Seit fünf Bundesliga-Spielen sind sie ungeschlagen und gewann davon drei Partien. Eines dieser Unentschieden fühlte sich jedoch beim 3:3 gegen Stuttgart wie eine Niederlage an, da man bei einem 3:1-Vorsprung in Überzahl gegen den direkten Konkurrenten einen Big-Point in letzter Sekunde liegen ließ.

Kramaric verantwortlich für höchste Niederlage und höchsten Sieg
Im Hinspiel gab es für die Gladbacher eine 1:5-Klatsche in Sinsheim. Für den früheren TSG-Profi Eugen Polanski war dies zugleich die höchste Niederlage seiner noch jungen Amtszeit. Der 40-jährige Pole spielte von Januar 2013 bis Sommer 2018 insgesamt 123 in der Bundesliga für die Kraichgauer. Matchwinner war damals TSG-Rekordtorschütze Andrej Kramaric. Der Kroate spielt trotz seiner 34 Jahren eine sensationelle Saison, vor allem in der zweiten Halbserie blüht er besonders auf. Belegt hierfür sind seine fünf Torbeteiligungen (vier Tore, ein Assist) an den letzten vier Spieltagen. Für Trainer Ilzer war das Hinspiel zugleich der höchste Sieg als TSG-Trainer.

Lahme Fohlen
Mönchengladbach sicherte sich zwar im letzten Heimspiel durch einen 1:0-Sieg über Borussia Dortmund den Klassenerhalt, dieser Erfolg war aber auch gleichzeitig der einzige in den letzten sieben Partien. Die Saison für den fünffachen Deutschen Meister steht eher für Stagnation, die Punktausbeute aus der Vorsaison (45 Punkte) wurde (aktuell 35) deutlich unterboten. Ein wesentlicher Faktor sind dabei nur 38 erzielte Treffer. Nur einmal in ihrer Bundesligahistorie gab es für den VfL in der Saison 2006/07 mit 23 Treffer weniger.

Für Tabakovic eine kuriose Konstellation
Für Gladbachs Haris Tabakovic wird das Duell am Samstag eine besonders knifflige Konstellation. Der Angreifer erzielte zwölf der 38 VfL-Tore und damit 32 Prozent. Das ist der höchste Anteil ligaweit. Da die Gladbacher die Leihe des 31-Jährigen am Niederrhein aufgrund seines erhöhten Marktwertes nicht verlängern, kehrt der bosnisch-schweizer Stürmer vorerst zur TSG, wo er noch bis Juni 2027 unter Vertrag steht, zurück. Im Gegensatz zum Abstiegskampf der Fohlen könnte er dort in der neuen Saison wieder international spielen. Tabakovic möchte sich zum einen mit einer guten Leistung von den Borussen verabschieden, zum anderen könnte er mit seinen Toren eventuell die Kraichgauer um ihre Champions League-Teilnahme bringen könnte. Eine kuriose Situation.
„Hoffe“ könnte ausgleichen
Personell können die Hoffenheimer beim Saisonfinale bis auf den verletzten Valentin Gendrey aus dem Vollen schöpfen. In der Gesamtbilanz liegen das Team vom Niederrhein mit zwölf Siegen und zwölf Unentschieden noch knapp vorne. Bei einem Auswärtserfolg könnte die TSG im 36. Aufeinandertreffen gleichziehen.
Fotos: Kraichgaufoto













